Banished – Angespielt

Diese „Städte-Bau“ Simulation ist ein Ein-Mann Projekt und schafft es, Größen wie SimCity locker in den Schatten zu stellen. Warum? Nun, dafür lasst mich ein wenig ausholen…

Banished ist hart und verzeiht einem Nichts! Diese Härte, welche das Spiel einem vorsetzt, spürt man oft schon im ersten Winter. Im Spiel geht es nämlich nicht darum, ein wunderschönes Dörfchen oder eine riesige Metropole zu errichten, sondern schlicht seine Bewohner am Leben zu erhalten. Felder wollen bestellt, Hütten gebaut, Wild gejagt und Bäume gefällt werden. Nur wer seine Bewohner mit dem wichtigsten, also Nahrung, Feuerholz und Werkzeugen versorgt, kann hoffen, dass seine Siedlung die ersten Ingame-Jahre überdauert.

Doch zunächst zum Entwickler; Wie schon erwähnt ist Banished ein Ein-Mann Projekt. Verantwortlich zeigt sich Luke Hodorowicz, welcher über zehn Jahre als Grafikprogrammierer bei Vicious Cycle Software tätig war. Irgendwann stellte er fest, dass er mehr wollte, er wollte ein eigenes Spiel machen. Sein erste Projekt, nachdem er Vicious Cycle Software verließ, trug den Titel „zAftermath“ – Dieses Spiel, welches als Zombie-Action-Rollenspiel geplant war, ließ er jedoch aufgrund der aufkommenden Zombie-Welle fallen und beschloss Banished, also eine Städtebau-Simulation, zu erschaffen. Nach rund 3 Jahren harter Arbeit erschien nun das Ergebnis und ist recht erfolgreich.

banished-atmosphaere-im-gruenen

Doch nun genug vom Entwickler, was passiert denn nun in Banished? Also, die Karten auf denen wir uns austoben werden Zufalls-generiert, was dem Spiel sehr entgegen kommt. Anders als in vielen anderen Vertretern des Städtebau-Genres stehen uns schon von Anfang an alle Gebäude zur Verfügung und wir können sie jederzeit errichten, zumindest wenn es unsere Rohstofflager hergeben. Doch dabei müssen wir schon zu Beginn genau planen, wann wir was errichten. Mit der Farm haben wir in der Theorie Nahrung, doch müssen wir beachten, dass die Bauern zwar ab Frühling auf den Feldern schuften, aber erst im Herbst die Ernte einholen. Auf der anderen Seite habe wir zum Beispiel den Rohstoff Holz, welcher besonders wichtig ist; Zum einen wird das Holz in den Feuerstellen und Öfen der Siedler verheizt, auf der anderen Seite bauen wir unsere Hütten mit dem Material. Hier muss man abwägen, wie man die Ressource richtig einteilt, was bringt das traute Eigenheim, wenn man im Winter drin erfriert?

banished-weiden-mit-kuehen-und-schafen

Dieses abwägen, einschätzen und sich den sich verändernden Gegebenheiten anpassen ist eine der Kern-Punkte in Banished. Immer wieder kommen Fragen auf, die wir klären müssen. Entscheiden wir uns falsch, geht das ganze Dorf vor die Hunde und wir regieren über eine Geisterstadt. Können wir noch zwei weitere Nomaden aufnehmen und schaffen wir es, die unzähligen Kinder mit Nahrung zu versorgen? Sollten wir in der Schule Fachkräfte ausbilden und dabei die Arbeitskraft der Kinder für Jahre ungenutzt lassen? Ein Kind, das in die Schule geht, isst uns die Haare vom Kopf ohne arbeiten zu gehen und ist damit eine doppelte Belastung – Lohnt sich hier die Investition in die Ausbildung oder schicken wir den Bengel doch lieber schon früh auf die Felder zu seinen Eltern?

banished-felder-mit-verschiedenen-anbau

Apropos Eltern, die KI in Banished ist überraschend knackig und realistisch und macht damit so einen weiteren Haupt-Faktor im Spielgeschehen aus. Wo in einem anderen Aufbau-Spiel die Bevölkerung lediglich aus blanken Zahlen besteht und hauptsächlich Steuern zahlt und Vorräte verbraucht, haben wir in Banished echte, kleine, digitale Menschen und Familien mit echten Bedürfnissen, Tagesabläufen und Sozialem Verhalten; Jeder der kleinen Arbeiter, ob Männlein oder Weiblein, hat einen Namen und geht seiner Arbeit nach, marschiert zum Markt um sich Essen und Feuerholz zu besorgen und lagert den Kram in seinem Wohnhaus. Bricht ein Feuer aus, so versuchen die Menschen den Flammen mit Eimer und Wasser entgegen zu treten und stirbt das Kind, trauern die Eltern. Damit verhalten sich die kleinen Kerle nachvollziehbar und logisch und es macht Spaß, ihnen bei ihrem Tagewerk über die digitalen Schultern zu schauen. Doch aufpassen, wer zu lange an dem bunten Treiben der Dörfler labt, kann schnell wichtige Veränderungen verpassen. Bauen wir Beispielweise zu lange eine Feldfrucht an, sinken die Erträge, ein gesunder Wechsel ist hier gefragt. Tausender solcher Details müssen wir stetig im Blick behalten.

Mit den richtigen Einstellungen ist der Schwierigkeitsgrad auch nach längerer Eingewöhnungsphase knackig; Naturkatastrophen, ein verfrühter Winter oder ein Großbrand können einen schnell an den Rand einer Hungersnot treiben. Wer nicht umgehend reagiert und Verluste einplant (nach so einer Katastrophe, besonders vor einem Winter, verliert man einen großen Teil seiner Bevölkerung), wird den Winter danach nicht mehr überstehen.

banished-hauser-aus-stein-und-warme-feuer

Technisch ist Banished so gut, wie es wohl ein Ein-Mann Projekt sein kann. Einfache aber durchaus gelungene Texturen und Animationen verknüpfen sich mit tollen Wettereffekten und einem großartigen Sound. Einige Bugs schleichen sich ab und an ein (schon gekauftes Saatgut kommt nicht im Lager an; der Schmied produziert plötzlich keine Werkzeuge mehr), sind jedoch eine Seltenheit. Die Auto-Save Funktion sichert uns gegen die sehr seltenen Abstürze ab und auch sonst ist das Spiel technisch recht ausgereift.

Besondere Erwähnung findet noch die Unterstützung von Modifikationen, welche der Entwickler von Anfang an in Aussicht stellte. Damit hat Banished nämlich beinahe grenzenlos Potenzial. Ich stelle mir neben unzähligen Maps und Erweiterungen mit neuen Wirtschaftszweigen und Gebäuden auch Mods vor, in welchem vielleicht ganz neue Aspekte gestrickt werden. Wie wäre es mit einem Mehrspieler mit einem System für Krieger? Damit kann Banished langfristig interessant bleiben und liefert eine grandiose Basis, welche nur darauf wartet, erweitert zu werden.

banished-dorf-im-winter

Fazit:

Dann will ich mal eine Fazit ziehen, damit ich endlich weiter spielen kann; Banished ist eine echte und beinharte Aufbau-Simulation mit nachvollziehbaren Abläufen und einer eigenen Dynamik. Und trotz der Härte im Spiel, bauen wir in einer sehr entspannten und dennoch fesselnden Atmosphäre unser Dorf immer weiter aus. Das Spiel fühlt sich stellenweise wie ein noch nicht ganz ausgereift an, hier und da wären Upgrades und Forschung wünschenswert, auch sind die Wirtschaftszweige noch etwas mager. Jedoch ist dies leicht zu verkraften, da dass Spiel in sich trotzdem sehr stimmig bleibt und auch ohne genannte Punkte funktioniert und Spaß macht. Weiterhin wird durch den Mod-Support sicher bald für Neue Inhalte gesorgt, da bin ich mir sicher!

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Daher kann ich an dieser Stelle den Kauf von Banished nur herzlich empfehlen; Zu kaufen gibt es das Spiel für 18,99 Euro auf Steam. Wer auf DRM verzichten will, kann Banished auf der Seite des Entwicklers oder GOG für 19,99 US-Dollar erwerben.

 

An dieser Stelle vielen Dank an preis.de, für Ihre freundliche Unterstützung!

Johann von Ti
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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, FIlme und blöde Ideen zu haben. Demnächst nebenher auch noch Student und Jünger von Hopfen und Malz.
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