Bethesda führt Bezahl-Mods ein

Wie Bethesda die eigenen Community endgültig schröpfen will.

Oh man, warum musste man diese Totgeburt eigentlich wieder hervorholen? Ja, man versucht es mal wieder mit Bezahl-Mods. Vor einige Wochen erhielt Fallout 4 ein Update, mit welchem die PC-Version des Spiels, später auch die Konsolen-Versionen, Zugang zum so genannten „Creation Club“ erhielten. Die neue Plattform soll den Spielern nun die Möglichkeit bieten, zusätzliche Inhalte für ihre Spiele (aktuell Fallout 4 und Skyrim) zu erhalten – Toll, als ob es diese Möglichkeit nicht schon längst gäbe (zum Beispiel auf NexusMods). Das Angebot soll dabei alles mögliche umfassen; Also von einzelnen Waffensets, neuen Fähigkeiten über neue Gebiete, Modi und Gegner – Also alles, was klassische Mods schon immer boten und bieten. Der kleine aber feine Unterschied: Modifikationen werden von Fans erstellt und den Spielern kostenlos zur Verfügung gestellt – Inhalte des Creation Club kosten Geld. Hier mal die Preise für die Credits, mit welchen man dann Inhalte im Club kaufen kann:

– 750 Credits für 6,99€
– 1500 Credits für 12,99€
– 3000 Credits für 20,99€
– 5500 Credits für 34,99€

Jetzt sollen wir für Mods zahlen

Wow, ein fiktive Währung – Guter Schachzug, somit muss man die Inhalte auch nicht direkt mit Preisen versehen und User verlieren schneller den Überblick über die eigentlichen Kosten der Produkte (wie bei Free to Play Games, schön). Achja, und nicht zu vergessen: Die Produkte sind nach wie vor Inhalte, die es seit jeher kostenlos gab – Eben als Modifikationen. Natürlich hat man bei Bethesda auch an Legitimationsgründe für den Creation Club gedacht; So sollen die meisten Inhalte von einem internen Team bei Bethesda stammen, welches durch externe Entwickler und begabte Mitglieder der Mod-Community ergänzt werden (großartig, dann kann man Plattformen wie NexusMod ja die Modder entziehen). Für Projekte, welche über den Club angeboten werden, will man die Garantie übernehmen, dass diese problemlos mit den Hauptspielen funktionieren (wow, das ist ja… super… auch Mods haben, richtig installiert versteht sich, in Release-Versionen so gut wie immer funktioniert… und sie waren KOSTENLOS). Zudem sollen die Modder für ihre Arbeit bezahlt werden, wobei jedoch ein wichtiges Detail beachtet werden sollte: Man wird den Moddern einen Stundenlohn zahlen, sodass diese nicht an den Gewinnen ihrer Projekte beteiligt werden. Bethesda verkauft dies als Dienst, damit die Modder auch Geld erhalten, wenn ihrer Projekte keine gute Verkäufe erzielen. Der Witz ist dann eben der Kehrschluss; Modder erhalten bei massenhaften Verkäufen keine Anteilige Bezahlung, während Bethesda alles einstreicht – Cool! Hatte ich eigentlich erwähnt, dass Modder eigentlich aus Spaß und Freude an Mods arbeiten und diese dann kostenlos der Community zur Verfügung stellen? Verrückt.

Creation Club - Anti Social

Ein Angriff auf die Modding-Szene

Auch sonst hat Bethesda viel Müll… viel PR zum Thema betrieben und versuchte Befürchtungen der Community zu beschwichtigen. Inhalte, die bereits für die Spieler zur Verfügung stehen, zum Beispiel in Form kostenloser Mods, werden nicht im Club angeboten. Tja, das hat gut geklappt, zu Release fand sich die Hellfire Power Armour für Fallout 4 im Angebot des Creation Clubs, welche auch als kostenloser Mod auf NexusMods zu finden ist – Ups. Auch sonst offenbaren sich für Nutzer des tollen Clubs ein paar Probleme: So sind die Angebote des Clubs mit den kostenlosen Mods nicht kompatibel, beschädigen diese teilweise sogar, weil die Modladereihenfolge unterwandert wird. Die Folge: Free Mods und Bezahl-Inhalte können gar nicht oder nur erschwert zusammen genutzt werden – year! Und natürlich haben die User schon immer danach geschrien, zumindest sieht es Bethesda so und verkauft die ekelhaften Bezahl-Mods als „hochwertige, kleine Erweiterungen“. Ja; Skins für Waffen und Rüstungen, mehr Blut im Spiel oder schnelleres Sammeln von Erfahrung sind wirklich richtig hochwertige Inhalte, für die man gerne ein paar Euro zahlt…

Creation Club - Bezahl Mods

Wie kann man seine Community so sehr hassen?

Ich war schon lange nicht mehr so sauer und bin einfach nur bestürzt, wie ein so großer Publisher so auf seine Community einschlagen kann. Modifikationen haben einen lange, sehr lange Tradition und standen schon immer für tiefste Fan-Kultur und begründeten sogar ganze Genres (CS als Half-Life Mod, DotA und LoL als WC3 Mod, DayZ als Arma2 Mod). Modifikationen können gigantische Ausmaße annehmen und ihre Mutterspiele überflügeln, sie können aber auch minimale Experimente oder nur für einen kurzen Spaß geschaffen wurden sein. Aber Mods waren immer eins: Kostenlos! Es sind Produkte der Community für die Community – Bethesda will nun auch an dieser Fan-Kultur verdienen; Nichts anderes! Es wird kein Fan-Service geboten, immerhin gibt es schon klassische DLCs, welche offizielle Inhalte der Entwickler bilden. Mit den Bezahl-Mods kann man ohne großen Aufwand Mikrotransaktionen in den eigenen Vollpreistiteln etablieren und es als kreative Angebotserweiterung tarnen – Das ist ekelhaft. Zudem ist das Vorgehen für die bestehende Mod-Szene gefährlich, weil Modder, durch die Möglichkeit direkt Geld zu verdienen, davon abgebracht werden können, ihre Projekte weiterhin kostenlos zu erstellen und anzubieten. Dabei geht es nicht darum, dass ich solchen Leuten kein Geld für ihre grandiose Arbeit gönne – Aber Modifikationen dürfen nicht für Geld angeboten werden! Finanzierungen über freiwillige Spenden von Fans sind großartig, aber ein Verkauf von Mods ist verwerflich!

Da ist das gnädige Geschenk Bethesdas ist dann auch nur die die Spitze des Eisbergs: Mit der Einführung des Creation Clubs erhielt jeder User nämlich 100 Credits. Gegenwert ca. 1 USD. Was kann man sich damit im tollen Club kaufen? Jap: Ein oder zwei Skins. Geil. Wer solche Geschäftspraktiken unterstützt, sollte einfach all sein Geld direkt an Bethesda überweisen und fertig. Jeder vernünftig denkende User sollte diesen schrecklichen Club rund um Bezahl-Mods komplett boykottieren und jetzt erst recht NexusMods und andere Anbieter für Mods nutzen! Ende.

Johann von Ti
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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, FIlme und blöde Ideen zu haben. Demnächst nebenher auch noch Student und Jünger von Hopfen und Malz.
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