Bless Online – Wie steht es um das MMORPG aus Korea?

Nach dem katastrophalen Start muss viel getan werden, um den Schaden zu bereinigen.

Bei Bless Online handelt es sich um ein MMORPG aus Korea, welches am 30. Mail 2018 in der Alpha-Version als Early-Access-Spiel auf Steam (und damit dem westlichen Markt) erschien. Nach einem mehr als holprigen Start, bei dem zahlreiche Probleme für viel Frust bei den Spielern sorgten, versucht das südkoreanische Entwickler-Studio Neowiz Games weiterhin bestehende Probleme abzuschütteln und Spieler für Bless zu begeistern.

Vertrautes Konzept

In Bless wird ein jahrzehntelangen Kampf zwischen zwei Fraktionen thematisiert; Union und Hieron stehen sich unversöhnlich gegenüber und der Spieler muss eine Seite wählen. Die im Spiel gewählte Rasse des Spielers entscheidet letztlich über die Fraktion, zu der er gehört und damit, auf welcher Seite des Krieges er steht. Die Union, deren Zone sich im Süden befindet, wird von dem Wunsch nach mehr Freiheit angetrieben, während die Hieron ihre imperialen Ideale im Norden verteidigt.

AAA-MMORPG

Soweit, so vertraut präsentiert sich der grobe Rahmen, in welchem Bless seine Welt aufbaut. Tatsächlich kann man Bless als einen Vertreter der AAA-MMORPGs sehen, was jedoch kommentiert werden sollte. Während der Unterschied zwischen MMOs und MMORPGs recht deutlich wird, und Bless ist eben ganz klar ein MMORPG, ist der Begriff AAA-MMORPG (zumindest mir) weniger geläufig. Bless wurde schon 2011 angekündigt und befand sich bereits seit 2009 in der Entwicklung. Mehr als 150 Entwickler sollen das Spiel, welches mit der Unreal Engine 3 läuft, geschaffen haben. Die Produktionskosten werden auf ca. 61 Millionen US-Dollar geschätzt. Die Musik zum Spiel schuf zudem Hans Zimmer, was nochmals unterstreicht, um was für ein großes und eben kostspieliges Projekt es sich hier eigentlich handelt. Eben ein echtes AAA-MMORPG und tatsächlich gibt es davon heute nicht mehr so viele.

Bless Online - AAA-MMORPG mit großen Problemen

Bless Online machte schon mit der ersten Ankündigung 2011 auf sich Aufmerksam, da die ersten Trailer optisch deutlich hervorstachen und sich damals noch deutlich von anderen MMORPGs abhoben. Und obwohl wir es hier mit einem teuer produzierten Großprojekt zu tun haben, was es heute für MMORPGs immer seltener gibt, konnten die Ergebnisse bisher nicht überzeugen. Weder auf dem asiatischen, noch dem westlichen Markt.

Miserabler Start

Dennoch hatte Bless sowohl auf dem asiatischen, als auch dem westlichen Markt, einige Probleme. Besonders der Start der Early Access auf Steam sorgt für einigen Wirbel; Es hagelte massenhaft negative Bewertungen und viele User forderten Ihr Geld zurück. Neowiz Games reagierten auf die Kritik, versuchten grobe Schnitzer schnell zu beseitigen, entschuldigte sich ganz offiziell bei den Spielern und gaben Entschädigungen aus. Entsprechend entspannte sich die Bewertungslage ein wenig; Mittlerweile sind die Steam-Reviews ausgeglichen und liegen bei 50% (Stand 04.07.2018). Dennoch ist die Zahl der Spieler massivst abgesackt; Zum Start auf Steam konnte Bless Online noch über 34.000 Spieler verzeichnen, nun, gut einen Monat später, sind es noch etwas mehr als 5500 Spieler (Stand 04.07.2018). Der katastrophale Start der Early Access, aber auch fehlende Inhalte sorgten letztlich dafür, dass ein Großteil der Spieler das Weite suchten.

Potenzial ist vorhanden

Doch trotz der vielen Kritik; Bless hat eine Menge Potenzial und das nicht nur als leere Floskel, die man einem Early-Access-Spiel hinterherwirft. Zunächst war es Lebenswichtig, dass der Entwickler so schnell auf die Kritik reagierte und für zahlreiche Verbesserungen sorgten. Natürlich läuft auch jetzt nicht alles rund, trotzdem hat sich die Mühe gelohnt, immerhin hat sich die Stimmung insgesamt deutlich entschärft. Besonders das Kampfsystem, aber auch die Möglichkeit Kreaturen zu zähmen, fanden deutliches Lob. Tatsächlich gibt es in Bless mehr als 600 Wesen, die von Spielern gezähmt werden können. Vom klassischen Pferd über Raupen bis zum Stinktier ist alles vertreten – Ich finde solch ausgefallene Reit- und Haustiere tatsächlich ganz witzig, wenn sie sich gut in die Spielwelt eingliedern.

Identitätskrise

Dennoch scheint es mir, dass Bless in einer gewissen Identitätskrise steckt. Während viele Aspekte durchaus begeistern und Spieler vom Spiel angetan sind, wirbt Bless vor allem mit PVP-Gameplay, welches zwar vorhanden, aber nicht wirkliches als zentrales Gameplay-Element gesehen werden kann. Einfach weil entsprechende Inhalte fehlen oder schlecht genutzt werden können. Die PVP-Battlegrounds können zum Beispiel nicht beständig betreten werden, stattdessen müssen sich Spieler in virtuelle Warteschlangen einreihen und auf unbestimmte Zeit warten, bis sie denn endlich in den Kampf ziehen dürfen – Ein massives Problem, wenn man sich selbst als PVP-Spiel verkaufen möchte.

Bless Online - Identitätskrise als PVP MMORPG

Auf den offiziellen Plattformen wirbt Neowiz Games noch mit dem PVP-Konzept, welches sich in Bless Online aber nur beding als Kernelement verorten lässt. Hier kann man durchaus von einer Identitätskrise reden, denn scheinbar weiß Bless nicht so recht, was es eigentlich sein möchte.

Fazit

So oder so muss Bless noch deutlich verbessert werden, damit sich das MMORPG von dem miserablen Start erholen kann. Zwar handelt es sich aktuell „nur“ um die „Early Access“-Version, jedoch muss auch klar sein, dass das Spiel eben schon deutlich länger auf dem asiatischen Markt existierte und bereits 2009 in Entwicklung ist. Dennoch habe ich Hoffnung, denn viele Aspekte gefallen mir an Bless und ich würde mir durchaus wünschen, dass das Spiel doch noch die Kurve kriegt und das eigene Potenzial nutzt.

Ich denke, dass die nächsten Wochen und Monate entscheiden werden, wie gut sich Bless langfristig erholen kann. Bleiben die Entwickler am Ball, sorgen für weitere Verbesserungen und gehen auf die Community ein, könnten sich die Spielerzahlen auch wieder festigen und sogar steigern lassen. Schaffen sie dies jedoch nicht, wird Bless so massiv an Bedeutung verlieren, dass es schnell ganz von der Bildfläche verschwinden könnte. Warten wir also ab, welche Updates in den kommenden Wochen gefahren werden und werfen dann erneut einen Blick auf die Entwicklung dieses durchaus interessanten MMORPGs aus Korea.

Johann von Ti
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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, Filme und blöde Ideen zu haben. Nebenher auch noch Student in Medien und Geschichte.
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