Bunte Skins in Shootern – Nein Danke

Über Sinn und Unsinn von pinken Waffen und blöden Masken…

Bunte Waffendesigns, Helden-Kostüme und „lustige“ Waffenanhänger – In diversen Shootern kann man seine Spielfiguren „individualisieren“ und ihnen ein, sagen wir mal, besonderes Aussehen verleihen. Dass dieses „verkleiden“ und ausstatten von Spielfiguren in Rollenspielen, also besonders in MMORPGs Sinn macht, ist mir durchaus bewusst. Hier baut man zum Teil fast schon eine persönliche Beziehung zu seinem Charakter auf und möchte, dass dieser auch eine bestimmte Außenwirkung hat, die unter anderem durch besondere Kleidungsstücke oder Details hervorgebracht wird. Dieser starke Drang der Personalisierung des eigenen Chars ist dann besonders in Roleplay Servern ausgeprägt, wo neben dem regulären Gameplay auch die Beziehung der Spieler untereinander in der fiktiven Welt eine verstärkte Rolle spielt. Doch mir geht es nicht um MMORPGs, sondern um Shooter.

Rainbow Six Siege - Dumme Skins

Rainbow Six: Siege ist ein tolles Spiel mit guten Ansätzen – Müll für Kinder ist trotzdem enthalten. Na ganz toll…

Wie motiviert man Spieler?

Und ja; Seit Jahren verstärkt sich der Trend, dass man in Shootern doch möglichst viel Kleinkram einbaut, mit dem Spieler ihre Spielfigur und das Waffenarsenal modifizieren können. Die Grundlagen dieser Ansätze schätze ich sehr, denn diese liegen darin begraben, dass man bestimme Waffen mit neuen Aufsätzen oder Läufen ausstatten kann, was wiederum die Effizienz der Waffe beeinflusst. Mit einem Rotpunktvisier können wir schneller anlegen und besser zielen, haben aber faktisch eine eingeschränkte Sicht, wenn wir die Waffe angelegt haben. Ich mag solche Möglichkeiten und ich liebe es, wenn es tatsächlich Sinn macht, für bestimmte Spielsituationen bestimmte Waffen-Mods zu nutzen. In einer Stealth-Mission setzten wir zum Beispiel eher einen Schalldämpfer ein, auch wenn dieser den Schaden unsere Waffe senkt. Meine ersten Erfahrungen mit dieser Form der Anpassung habe ich wohl in Call of Duty 4 gesammelt, wo neue Waffen und Waffenmods an das Level des Spielers gekoppelt waren – Man musste also Inhalte freischalten, um diese im Spiel nutzen zu können. Faktisch geht es dabei nur um eins: Man versucht dem Spieler eine Motivation zum Spielen zu verschaffen – Er soll „spüren“, dass er besser wird und Belohnungen erhalten. Viele Spieler ziehen zum Teil nur noch daraus Motivation und versuchen zum Beispiel schnellstmöglich das höchste Level in einem Call of Duty zu erreichen. Dass dieses System völliger Müll ist, will ich an dieser Stelle noch kurz erläutern: Waffen und Fähigkeiten in einem Spiel an ein hohes Level zu koppeln, ist einfach eine unsagbar ungerechte Sache, wenn es ums Balancing geht. Auf diese Weise erhält ein erfahrener Spieler alle Fähigkeiten und Waffen samt Modifikationen und hat damit faktisch schon bessere Ausrüstung, als ein neuer Spieler, der gerade erst mit dem Spiel anfängt – Völlig unabhängig von jeglichem Skill. Hinzukommt, dass erfahrene Spieler dann nicht nur bessere Waffen und Fähigkeiten haben – Sie haben ja zusätzlich auch die bessere Map Kenntnis und sind somit in einem klaren Vorteil. Und mir ist klar, dass sicher jeder von uns schon des öfteren High Ranks in einem Shooter abgezogen haben. Dennoch kann wohl keiner bestreiten, dass die Ausgangsbedingung alles andere als fair ist.

Duty Calls Ranked Up

In Duty Calls wurde der Level Aufstieg in Call of Duty auf den Arm genommen, trifft dabei aber genau ins Mark – Spieler Motivation auf niedrigstem Niveau, indem man eine pseudo-Bestätigung der Spieler-Leistung via Ranks vermittelt.

Neue Ansätze

Und tatsächlich haben Entwickler mit der Zeit auf diese Kritik reagiert und individuelle Lösungen gefunden, die wieder mehr Gerechtigkeit in solche Systeme bringen sollen. Dabei wird aber offensichtlich, dass sich viele Entwickler gar nicht mehr trauen, völlig auf Dinge wie Level und Erfahrungspunkte zu verzichten, obwohl solche Dinge in einem PVP-Shooter an sich keine entscheidende Rollen einnehmen müssten. Ein interessanter und in meinen Augen von der Grundidee her beste Ansatz ist es, freizuschaltende Inhalte nicht an ein statisches Level zu koppeln, sondern sie separat bereitzustellen. Dabei können User dann bestimmte Waffen und Fähigkeiten einzeln und frei wählen und freischalten – Dafür muss dann eine bestimmte Ingame Währung eingesetzt werden, die man durch das Spielen selbst freischaltet. So starten zwar auch nicht alle mit den gleichen Grundvoraussetzungen, dennoch kann jeder Spieler schnell seine favorisierte Ausrüstung zusammenstellen. Ein gutes Beispiel für ein solches System ist Rainbow Six: Siege, welches bestimmte „Operatoren“ bietet, die wir freischalten können. Diese haben dann eine feste Ausrüstung, die wir dann mit bestimmten Waffenmods bestücken können. Gezahlt wird mit einer Ingame-Währung, die sich schnell sammeln lässt – Zudem sind die Preise für Operatoren und die Waffenaufsätze human und lassen sich recht schnell erspielen. Doch natürlich muss ja noch ein Faktor integriert werden, der für die Langzeitmotivation von Spielern sorgt, die sich nicht am Gameplay selbst erfreuen können.

Call of Duty Black Ops 3 - Cancer Skins

Ich mit meinen 20 Jahren fühle mich ehrlich gesagt von einer solchen Aufmachung einfach nur noch abgestoßen.

Alles für die Kinder

Hier kommen die am Anfang erwähnten Skins, Anhänger und anderer Scheiß hinzu, den man für hohe Summen der Ingame Währung kaufen kann. Wisst Ihr, ich kann es nicht nachvollziehen – Spiele wie Counter Strike: Global Offensive oder eben Rainbow Six: Siege wollen doch irgendwie etwas vermitteln, ein Szenario, welches doch in gewisser Weise für eine bestimmte Stimmung im Spiel sorgt. Zumindest bei mir. In Rainbow Six: Siege liegt sogar ein großer Teil der ganzen Inszenierung des Spiels darin, dass man eine Spezial-Einheit spielt, welche in brenzligen Situationen eingreifen soll. Das ist ziemlich cool und wenn man in einem guten Team spielt und taktisch (und vor allem mal erfolgreich) ein Haus stürmt und eine Geisel rettet, fühlt man sich großartig. Doch das „realistische“ Setting wird dann durch dämliche, bunte Waffenskins, kindliche Anhänger an Waffen (wie bei eichten Spezial-Einheiten eben…) und peinliche Siegesanimationen gestört. Es tut mir ja leid, wenn ich hier wieder so empfindlich bin; Aber als Spieler eines solchen Spiels will ich nicht, dass ich ständig mit solchen Inhalten konfrontiert werde. Waffenskins hätten ja durchaus einen gewissen Sinn, wenn es sich um bestimmte Tarnmuster handeln würde. Stattdessen sollen diese nur noch auffallend und möglichst peinlich sein. Eine andere Bedeutung kann ich besonders den Anhängern an Waffen nicht zusprechen. Mal im Ernst – Warum muss ein Spiel für „Erwachsene“ solche Inhalte bieten? Damit wird dann genau die Spielergruppe angesprochen, welcher man eigentlich entgehen wollte. Wer heute mal Call of Duty: Black Ops 3 online spielt (wenn er denn genug Spieler findet), wird mit dämlichen Body Skins, Masken und anderem Müll nur so überschüttet. Aber Counter Strike: GO ist kaum noch besser – Es tut mir ja leid, aber ich will nicht konsequent mit Leuten zusammenspielen, die Wert darauf legen, dass ihre Waffen möglichst behindert aussehen. Zumal hinter dieser ganzen Geschichte neben dem Faktor der Motivation auch finanzielles Kalkül steckt – Denn mit Skins kann man heute eben gute Umsätze generieren, weil Kinder eben gerne für Müll Geld ausgeben und sich dann besonders cool fühlen. Diese ganze Entwicklung nervt mich einfach nur – Ich dachte mal, dass wir solche Dinge im Shooter Bereich in diesen Ausmaßen nur in Free to Play Shootern finden, aber leider wird es mehr und mehr zur Normalität.

Rainbow Six Siege - Dumme Waffen Anhänger

Einer der dümmsten Dinge, die ich lange in einem Spiel gesehen habe – Anhänger bzw. Figuren, die im echten Leben schon irgendwie blöd sind, darf ich jetzt an meine Waffen hängen…

Fazit

Es wäre schön, wenn sich Entwickler wieder trauen, auf künstliche Motivations-Prothesen und Finanzierungskonzepte auf Basis von Leveling und Skins zu verzichten und den Fokus vollständig auf das Gameplay selbst zu legen. Rainbow Six: Siege ist tatsächlich ein toller Shooter mit großartigen Ansätzen und einem wirklich stabilen Gameplay – Viele sprechen schon von dem CS: GO Killer (was ich fast unterschreiben würde) – Also warum dann noch diese ganze Geschichte um Skins und anderen Müll-Inhalte. Leider sind es die Spieler, die zum Teil genau diese Inhalte fordern und sich daran erfreuen; Eine Fehlentwicklung in der Videospiel-Industrie, der man endlich mal verstärkt entgegen gehen müsste, denn sonstn haben wir pinke Waffen bald in jedem Shooter und das muss nicht sein.

Johann von Ti
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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, FIlme und blöde Ideen zu haben. Demnächst nebenher auch noch Student und Jünger von Hopfen und Malz.
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