Demos – Gibt’s die überhaupt noch?

Heute mag es noch einige geben, doch die Hochzeit der Demo-Version scheint vorbei zu sein.

Was ist eigentlich mit den Demos passiert? Als ich frisch in die Gaming-Szene gerutscht bin, so vor ca. 8 Jahren, gab es Demos noch zu gut jedem Spiel. Damit konnte man nicht nur völlig in ein Spiel reinschnuppern, gleichzeitig war es eine wirkliche großartige Methode die grobe Qualität eines Titels zu erahnen. Gefiel einem die Demo nicht, wurde auch meist das Spiel nicht gekauft. Das heute vielleicht noch wichtiger als vor einigen Jahren, denn die Preise für Games sind gerade bei AAA-Titel zu Release ordentlich; Da will man eigentlich nicht blind 60-70 Euro für ein Spiel ausgeben.

Call of Duty Advanced Warfare Preis 60 Euro

Doch was ist mit den Demos passiert? Zunächst sei gesagt, dass es durchaus noch Demo-Versionen, auch von größeren Spielen, gibt. Jedoch ist das Vorhanden sein einer Demo keine Selbstverständlichkeit mehr. Während man die Demo zu Call of Duty 4: Modern Warfare noch überall im Netz findet, wird man die zahlreichen Nachfolger-Titel eher weniger bzw. gar nicht zu Gesicht bekommen. Das mag zahlreiche Gründe haben, die wichtigsten versuche ich hier aufzuzeigen.

Denn der Grund, warum Demos Ihre Daseinsberechtigung verloren haben, scheint in der Profitgier der Entwickler und Publisher zu liegen. Als Beispiel bleibe ich einfach mal bei der Call of Duty Reihe, auch wenn ich hier jede andere große Spiele-Reihe nennen könnte. Wie ich schon des öfteren hier auf Game 2 beklagt habe, sinkt die Qualität der Spiele, besonders der Shooter, in den letzten Jahren konstant. Man setzt lieber auf Quantität als auf Qualität und investiert wenn überhaupt nur in Massenhafte Werbung. Dass dieses Konzept der Innovationslosigkeit auch noch Unmengen Profit abwirft, steht leider außer Frage und ich habe mich schon oft genug darüber aufgeregt. Doch betrachten wir die Geschichte nun mit Blickpunkt auf Demos. Eine Demo soll mir vor dem Kauf des Spiels einen Eindruck verschaffen und mich in meine Kaufentscheidung beeinflussen. Die neuen Call of Duty Teile sind durchschnittlich bis schlecht und eine Demo könnte dies einigen potenziellen Käufern aufzeigen. Damit würden die Verkaufszahlen des Spiel sinken und Entwickler & Publisher weniger Profit machen.

Mount & Blade: Warband

Es sind oft die kleineren Entwickler, die noch Demos anbieten, wie TaleWorlds, welche zum Beispiel für Mount & Blade: Warband eine Version zum Testen anbieten.

Natürlich würden sich die tausenden Fans, die sich das neueste Call of Duty sowieso holen würden, nicht durch die Demo beeinflussen lassen, trotzdem bin ich überzeugt, dass es durchaus noch genügend Spieler gibt, die noch nicht völlig verblendet sind. Doch das ist nicht der einzige Aspekt. So wurden die Demos durch einige andere Medien ersetzt. Da haben wir Blogs und Gaming Seiten (wie zum Beispiel Game 2) auf welchen umfangreich über diverse Games berichtet wird. Hier kann man sich die Infos holen, die man sonst aus einer Demo gezogen haben könnte. Weiterhin sorgt die Lets Play Szene für tausende Stunden Video-Material, mit welchen man einen guten Eindruck von Spiel erhalten kann. Doch diese Medien und Portale haben in meinen Augen ein Problem, zumindest was große und etablierte Vertreter angeht. So kann man sich hier so gut wie immer sicher sein, dass man hier weniger objektiv, als massentauglich bewertet. Der Beweis dafür liegt für mich wieder bei der Call of Duty Reihe, welche Jahr um Jahr in jedem der großen Magazine Bestwertungen erhält und in den Himmel gelobt wird. Bei Lets Playern sieht es ähnlich aus; Was würde es für sie bringen ein Call of Duty „Schlecht“ und „Innovationslos“ zu bezeichnen, wenn ein großer Teil der Community genau dieses Spiel feiert? Richtig; Nichts. Und auch ein Lets Player will hohe Zuschauerraten und damit Geld verdienen und nicht objektiv zeigen, ob ein Spiel gut oder schlecht ist.

Damit sehe ich hier keine vollen Ersatz für die altbekannten Demos, obwohl ich da noch etwas vergessen habe. Besonders auf Steam kann man immer wieder einige Titel über einen bestimmten Zeitraum (meist am Wochenende) kostenlos testen. Der Titel muss nur heruntergeladen werden und kann dann im vollen Umfang getestet werden. Nach Ablauf der Frist kann man dann entscheiden, ob man sich für oder gegen einen Kauf entscheidet. Die Lösung ist eigentlich optimal, so erhält nicht wie bei einer Demo nur einen Ausschnitt präsentiert, sondern kann das Gesamtprodukt begutachten. Leider sind die Angebote erstens nicht für jedes Spiel verfügbar und zweitens nur zu bestimmten Zeiten. Man muss also eher Glück haben, um ein begehrten Titel auch eine Wochenende kostenlos testen zu dürfen. Daher auch hier kein optimaler Ersatz.

 

Die Demo ist noch nicht ausgestorben, Ihr Untergang scheint aber vorherbestimmt zu sein. In einer Zeit, wo man den Kunden weniger durch Qualität als durch Werbung zum Kauf überzeugen will, scheinen Demos Ihre Daseinsberechtigung verloren zu haben. Erfreuen wir uns an den letzten Demos so lange wir können, denn in ein paar Jahren werden sie vielleicht nicht völlig ausgestorben, aber dennoch noch seltener als heute sein.

Johann von Ti
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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, Filme und blöde Ideen zu haben. Nebenher auch noch Student in Medien und Geschichte.
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