Diablo Immortal – Zukunft des Gaming?

Die Bedeutung von Mobile-Gaming steigt und auch Diablo wurde davon erfasst.

Die Zukunft ist jetzt; Zumindest in Sachen Mobile-Gaming wird der westliche Markt so langsam aber sicher von diesen Entwicklungen mehr und mehr durchdrungen. Während schon die Mobile-Ableger von Fortnite und PUBG für massive Umsätze sorgten, kündigte Blizzard nun erstmals einen Titel exklusiv für mobile Endgeräte an. Diablo Immortal verfrachtet die Diablo-Reihe auf Smartphones sowie Tablets und schließt PC und Konsole schon im Vorfeld aus. Für große Teile der Community ein Stich ins Fan-Herz, identifiziert man sich doch kaum mit dem Mobile-Gaming und wünscht sich einen Diablo-Nachfolger, der auf den „klassischen“ Endgeräten erscheint.

Eine Frage der Zeit

Aber nun ist es soweit und auch ich habe dazu eine Meinung. Dass Blizzard in den Mobile-Markt einsteigt, ja einsteigen muss, ist klar. Wir dürfen an dieser Stelle auch nicht vergessen, dass Blizzard längst Teil von Activision (Activision Blizzard) ist und entsprechend alles andere als Eigenständig agieren kann. Zwar lässt man Blizzard Entertainment recht viel Beinfreiheit, aber eben auch nur, weil diese für ordentliche Umsätze sorgen. Mit Hearthstone existiert ja auch schon ein Titel, der unter anderem auf mobilen Endgeräten gespielt werden kann und mithilfe von Mikrotransaktionen für die nötigen Gewinne sorgt. Der nächste Schritt, ein Mobile-Exklusiv-Titel, war also nur eine Frage der Zeit, denn hier lässt sich Geld verdienen. Viel Geld.

Verurteilen kann man also zunächst niemanden dafür, sich am Markt und neuen Entwicklungen zu orientieren. Immerhin wurde auch Hearthstone zunächst alles andere als positiv aufgenommen, als es erstmals angekündigt wurde. Heute erfreut sich das virtuelle Kartenspiel größter Beliebtheit. Aus wirtschaftlicher Sicht ist also alles nachvollziehbar, immerhin wächst der Mobile-Markt beständig. Wie erfolgreich auch dieser Sektor ist, zeigt vor allem der asiatische Markt, auf dem Mobile-Gaming längst zu einem der stärksten Kräfte geworden ist.

Diablo Immortal - Crusader Horse - Im Kampf

Man kann über Diablo Immortal vieles sagen, aber für einen Mobile-Titel sieht das Spiel ziemlich gut aus und verspricht auch auf Smartphone und Tablet eine stimmige Diablo-Optik.

Wenn Analysten Spiele machen

Doch die Frage ist, wie geschickt man einen solchen Neueinstieg angeht. In den Chefetagen der großen Publisher geht es schon sehr, sehr lange nicht mehr um Videospiele. Maximale Profite sind das zentrale Bestreben und Analysten geben an, wie man zukünftig vorzugehen hat, um noch ein paar Millionen mehr scheffeln zu können. Die Kunst ist, zwar darauf zu hören und die Profite zu steigern, dabei aber nicht die bestehenden Fans zu verlieren oder die Identität der eigenen Spiele zu verraten. Call of Duty als auch Battlefield sind so Beispiele, bei denen die großen Namen noch existieren, die Identitäten aber längst verloren gegangen sind. Insgesamt ist EA bisher besonders „erfolgreich“ darin, große Serien und Namen einzukaufen, auszubeuten und dann fallen zu lassen, sobald die Millionen-Gewinne einmal ausbleiben (und auszugraben, um auch Mobile-Ableger zu releasen). Es ist kein schönes System, aber es ist die Realität, in der wir leben. Hinter so gut wie jedem großen AAA-Spiel das floppt, stehen Analysten, die dafür gesorgt haben, dass es so kommen musste.

Die Frage ist also nicht, ob man sich als großer Entwickler/Publisher weiterentwickelt, sondern wie man das macht. Und die Entscheidung mit einem neuen Diablo den Mobile-Markt zu betreten, während man zugleich nichts für die bestehende Community anzubieten weiß, ist alles andere als geschickt gelöst. Die Sache ist ja die, dass die meisten aktuellen Spieler der Diablo-Reihe ganz klar nicht in die Mobile-Zielgruppe fallen. Man spielt auf PC, seit Diablo 3 auch auf der Konsole und hat wenig Interesse daran, diese Geräte gegen das Spielen auf Smartphone und Tablet einzutauschen. Nun schließt man aber klar Versionen für PC und Konsole aus, sodass bei der BlizzCon einer der Gäste in die Runde fragt, ob es sich dabei um einen verspäteten April-Scherz handeln würde (die Jungs auf der Bühne können einem wirklich Leid tun, wie sie diesen Tiefschlag gegen die Fans vorstellen und letztlich schönreden müssen).

Diablo Immortal - Demon Hunter im Gefecht

Egal ob man nun offen oder eher verschlossen gegenüber dem Mobile-Gaming-Trend aufgestellt, hat Blizzard mit dieser Ankündigung keine Glanzleistung abgelegt. Kein Wunder, dass sich viele Fans vor den Kopf gestoßen fühlen.

Ein Tritt gegen die eigene Fanbase

Die aktuelle Diablo-Community will vieles, aber ein Mobile-Diablo gehört sicher nicht dazu. Mit diesem Vorgehen stößt Blizzard den Fans der Reihe vor den Kopf, während man krampfhaft bemüht ist, eine völlig neue Zielgruppe für sich einzunehmen. Das hat noch nie gut geklappt. Auf der anderen Seite, und dem sind sich die Analysten im Hintergrund sehr wohl bewusst, ist die Marke Diablo recht stark. So ein Tritt gegen die eigenen Fans wird die Community nicht zerstören, höchstens einige wenige dazu bringen, sich komplett von der Reihe abzuwenden (man schaue auf ein Call of Duty, was scheinbar machen kann, was es will und trotzdem Einheiten verkauft). Die Mehrheit der bestehenden Fans wird aber, und da bin ich mir sicher, langfristig weiterhin zum Kauf bereit sein, sobald die präferierten Systeme wieder unterstützt werden. Und während man diese Spieler eben noch ein wenig zappeln lässt, greift man auf dem Mobile-Markt durch und baut die Spielerschaft dort weiter aus.

Dass ein solches, ich nenne es mal gegen die eigene Spielerschaft gerichtetes Verhalten, langfristig durchaus zum Ende großer Namen führen kann, ist aber ebenfalls klar. Nur leider trifft das fast immer die Falschen, denn nicht die Verantwortlichen Publisher müssen dann dicht machen, sondern die Entwicklerstudios werden kurzerhand geschlossen und betreffende Serien eingestampft. Aber soweit wird es in diesem Fall ohnehin nicht kommen, davon gehe ich aus.

Diablo Immortal - Crusader im Kampf

Trotz aller Kritik; Diablo Immortal bedeutet sicher nicht den Untergang der Diablo-Reihe und wir können uns relativ sicher sein, dass auch für PC und Konsole zukünftig Titel dieser Reihe erscheine werden.

Fazit

Kommen wir zunächst zu einem Abschluss; Dass Blizzard auch den Mobile-Sektor weiter in Beschlag nehmen will (muss), ist klar. Die Art, wie man es hier aber macht, könnte jedoch ungeschickter kaum sein. Dabei geht es nicht darum, dass sich hier Teile der Community gegen den „Fortschritt“ erwehren, es geht darum, dass die Interessen der Fans der Generierung von Neuspielern untergeordnet wurden. Mobile-Gaming ist die Zukunft, aber ganz sicher nicht alleinstehend. Weder PC noch die Konsolen werden von den mobilen Alleskönnern völlig ersetzt werden. Stattdessen wird sich Mobile-Gaming als feste Größe neben den bestehenden Systemen weiter etablieren und größeren Einfluss nehmen, sicher aber nichts komplett verdrängen.

Ich denke, Blizzard hätte es seinen Diablo-Fans durchaus einfacher machen können, indem sie völlig anders an diese Sache herangegangen wären. So fühlt es sich für viele wie ein Schlag ins Gesicht an, den man nur mit einer Menge Frust entgegennimmt. Dieser Frust entlädt sich aktuell in vielen Foren und auch sonst ist die Stimmung zu Diablo Immortal mehr als aufgeheizt. Große Teile der aktuellen Community wird man mit diesem Mobile-Diablo vermutlich nicht abholen können, daher wird es interessant, wie viele Smartphone-Spieler sich damit generieren lassen. Ich für meinen Teil hoffe, dass man auch hier langfristig dafür sorgt, dass Diablo auch wieder auf dem PC und den Konsolen erscheint (was man ja schon andeutete). Aber warten wir erst mal ab, trinken Tee und schauen, wie sich die Dämonen auf dem Smartphone machen werden.

Johann von Ti
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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, Filme und blöde Ideen zu haben. Nebenher auch noch Student in Medien und Geschichte.
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