Fallout 76 – Erste Infos

Das kommende Fallout geht neue Wege und präsentiert sich als Online-Survival-Game – Was erwartet uns?

Das neue Fallout wird also erstmals in der Historie der Reihe ein Online-Ableger und kommt als Prequel zu allen bisher veröffentlichen Fallout-Spielen daher. Damit geht Fallout 76 einen neuen Weg, was zwar generell nicht schlecht sein muss, als Fan der Reihe (ok, Fallout 4 fand ich einfach nur enttäuschend) finde ich viele Punkte jedoch auch ziemlich bedenklich. Doch was ist denn nun eigentlich schon zu Fallout 76 bekannt, auf was sollten wir uns einstellen?

Hier die gröbsten Infos zu Fallout 76 im Kurzüberblick:

  • Fallout 76 spielt sich komplett online ab, offline kann man nicht spielen

  • zeitlich spielt Fallout 76 im Jahr 2102 und damit vor allen anderen Fallout-Spielen

  • Fallout 76 hat seinen Namen von Vault 76, welche in West Virginia steht

  • die Spielwelt beläuft sich ca. auf die vierfache Größe von Fallout 4

  • alle menschlichen Charaktere werden von echten Spielern übernommen

  • das Gameplay basiert auf Koop- sowie PVP-Elementen

  • Fallout 76 soll als „Softcore-Survival“ daherkommen, sodass man beim Ableben nicht alles verliert

  • es wird ein Siedlungsbau unterstützt

  • in der Spielwelt werden atomare Sprengköpfe verteilt sein, welche die Spieler einsetzen können

  • Modding soll unterstützt werden

  • das V.A.T.S.-System soll ebenfalls implementiert werden, jedoch in Echtzeit

Online-Spiel

Zunächst das wohl wichtigste; Diese Online-Sache. Fallout 76 soll als Survival-Spiel daherkommen, welches eben online stattfindet. Das ist uns vermutlich allen schon bestens bekannt, immerhin hatten wir vor einiger Zeit einen ziemlichen Trend in diese Richtung, wenn man sich an DayZ, Rust und die zahllosen anderen Ableger erinnern möchte (ich möchte das eigentlich eher weniger). Damit geht man also nicht den Weg eines klassischen MMOs oder gar MMORPGs, wo sich tausenden Spieler auf einem Server, also innerhalb einer Welt bewegen, sondern lässt eher einige dutzend Spieler auf einen Server. Offline wird man Fallout 76 nicht spielen können, das spielen wird nur online über die dedizierten Server möglich sein.

Fallout 76 - Fallout als Online-Spiel

Erstmals werden uns in einem Fallout andere Spieler begegnen.

Größe der Spielwelt

Dass dabei die Spielwelt ca. vier mal so groß sein soll, wie in Fallout 4, ist tatsächlich eine recht starke Ansage. Das ist zunächst schon mal keine schlechte Sache, immerhin sorgt eine große Spielwelt bei Online-Spielen (aber auch RPGs) immer dafür, dass man auch auf längere Sicht etwas zum entdecken und erkunden hat. Auf der anderen Seite besteht natürlich die Sorge, dass wir am Ende zwar eine große, generierte Welt haben, die dann aber wenig zum erkunden einlädt. So sind die Welten in The Elder Scrolls Online auch recht groß, leiden aber enorm darunter, dass sie eben im Rahmen eines MMORPGs daherkommen und den Spieler massivst einschränken. Gut, Fallout 76 wird kein MMORG und kann solche Probleme leicht umgehen, skeptisch bin ich trotzdem, denn auch Fallout 4 litt zum Teil darunter, dass die Welt zwar groß, aber oft eben auch generisch und auf Dauer recht langweilig war.

Pioniere nach dem Atom-Krieg

Wie schon angemerkt, haben wir es bei Fallout 76 mit einem Prequel zu tun, also einer Fortsetzung, welche vor den Ereignissen des Vorgängers spielt. Und ja, da hat man sich nicht lumpen lassen; Fallout 76 spielt im Jahr 2102, ca. 25 Jahre nachdem der „Große Krieg“ 2077 zum Ende der bekannten Welt geführt hat. Zum Vergleich; Fallout 4 spielt im Jahr 2287. Damit wird eine zeitliche Periode angeschnitten, welche in einem Fallout bisher noch nicht behandelt wurde. Die Handlung macht die Spieler nämlich zu Pionieren der postapokalyptischen Welt, die 25 Jahre nach dem atomaren Krieg erstmals wieder von Menschen durchstreift wird. Damit werden wir wohl kaum auf bekannte Gruppierungen der Vorgänger stoßen, da diese (zumeist) einfach noch gar nicht existieren.

Fallout 76 - Monster

Da nur wenige Jahre vergangen sind, nachdem die letzten Atom-Bomben fielen, sind die Spieler in Fallout 76 Pioniere der postapokalyptischen Welt.

Die Idee des Spiels; Der Spieler wird von der Roboter-Aufseherin der Vault 76 in die zerstörte Welt geschickt, um den Wiederaufbau der Zivilisation zu beginnen. Da West Virginia, die Lokalität von Fallout 76, weitestgehend von direkten, atomaren Treffern verschont geblieben ist, werden wir kein komplettes Ödland oder nur zerstörte Städte antreffen. Alle Menschen in Fallout 76 sollen zudem echte Spieler sein. Klassische NPCs wird es entsprechend nicht geben, Aufträge werden wir also primär von Robotern erhalten, während unsere Gegner eben Mitspieler oder mutierte Kreaturen sein werden. Zwar gab Todd Howard (Game Director und Executive Producer bei Bethesda Game Studios) an, dass auch ein „solo spielen“ möglich sein wird, aber wenn wir ehrlich sind, ist das keine wirkliche Aussage. Man kann heute so gut wie jedes MMO alleine spielen, nur macht das eben keinen wirklichen Spaß. Fallout 76 wird mit seinem „Solospiel“ zumindest in keinster Weise an ein klassisches Fallout heranreichen können, einfach weil das gesamte Spiel nicht darauf ausgelegt ist.

Softcore-Survival

Wie schon erwähnt, versteht sich Fallout 76 als Survival-Spiel. Jedoch will man den Tot des Spielers nicht zu schwerwiegend gestalten, sodass der Fortschritt oder die Ausrüstung nach dem Tod nicht vollständig verloren geht. Auch werden die Spieler mit ihren Charakteren wohl nicht an bestimmte Server gebunden sein, sodass man diese frei wechseln kann und seine Ausrüstung mitnimmt. Wie die ersten Trailer schon recht stark suggerieren, steht kooperatives Gameplay im Fokus von Fallout 76. Die Spieler sollen sich also am ehesten in kleinen Gruppen zusammenschließen und dann gemeinsam das Ödland erkunden.

Bauen und vernichten

Neben dem Erkunden wird auch der Aufbau eigener Siedlungen eine Rolle in Fallout 76 spielen. Fast schon eine logische Konsequenz, immerhin hat man diesen Ansatz schon massivst in Fallout 4 umgesetzt. Zudem macht der Siedlungsbau in einem Koop-Szenario auch noch mal deutlich mehr Sinn. Wir können mit Mitspielern also Siedlungen errichten, diese aber auch angreifen und plündern. Und das ist wieder so ein Punkt, bei dem ich sehr skeptisch bin. Denn es machen wir uns nichts vor; Online-Spiele, bei welchen wir uns etwas aufbauen, was andere dann einfach zerstören können… hmm. Das endet eigentlich nie gut. Da wird man dann, wenn man offline ist, ausgeplündert und alles, was man sich erarbeitet hat, ist weg. Super spaßig.

Fallout 76 - Siedlungsbau

Wie schon in Fallout 4 können Spieler eigenen Siedlungen und Lager errichten.

Das ganze wird noch davon gekrönt, dass in der Spielwelt atomare Sprengköpfe verteilt sind, die Spieler mit entsprechende Codes starten und auf Mitspieler loslassen können. Damit kann man dann die Arbeit von Spielergruppen in kürzester Zeit ohne Probleme vernichten und soll danach in den verstrahlten Gebieten besonders gutes Loot finden. Hmm. Das klingt auf der einen Seite natürlich cool, andererseits sehe ich schon, dass die Mehrheit der Spieler darunter leiden wird. Auf einem Rollenspiel-Server hätten solche Möglichkeiten durchaus Potenzial, den Spielspaß zu stärken, aber mit irgendwelchen Leuten, die auf den Server kommen? Nunja.

PVP – Zwang oder Option?

Und da kommen wir zu einem wichtigen Punkt, der noch nicht so ganz klar ist. Wie sieht es denn nun aus, wird man PVP umgehen, vielleicht sogar abschalten können? Konkrete Aussagen gibt es nicht, man arbeite aber aktuell noch am PVP-Balancing. Zudem möchte man zwar „Griefing“ vermeiden, aber auch auf „ein wenig Drama“ nicht verzichten wollen. Hört sich also eher danach an, als müsste man sich auf festes PVP einstellen. So will man sogar Anreize schaffen, um Spieler zum PvP zu ermutigen. Als DayZ und Rust-Spieler weiß ich aber, dass man da eigentlich keinerlei Anreize schaffen muss. Gib Spielern die Möglichkeit, und sie werden versuchen, anderen Spielern den Spielspaß zu verderben. Wenn man dann noch nukleare Sprengköpfe in Aussicht stellt… uff.

Fallout 76 - Koop Gameplay

Fallout 76 soll kooperatives Spielen fördern, sodass sich die Spieler in kleinen Gruppen zusammenfinden und gemeinsam die postapokalyptischen Welten erkunden.

Modding?

Tatsächlich soll Modding unterstützt werden, sodass Spieler ihre Server individuell anpassen können. Das klingt eigentlich toll, denn so könnten Rollenspiel-Server Rahmenbedingungen schaffen, um ein tolles Spielerlebnis zu ermöglichen. ABER ich bin auch in Sorge, denn Bethesda hat mit seinem Creation Club ja die Basis für Bezahl-Mods geschaffen, den man ja nun, bei einem Online-Titel, schnell mal als verpflichtend für Mods einführen könnte.

V.A.T.S.?

Das Vault-Tec Assisted Targeting System (kurz V.A.T.S) soll ebenfalls verfügbar sein und Spielern erlauben, einzelne Körperteile anzuvisieren. Dies muss, dem online-Konzept geschuldet, nun natürlich in Echtzeit stattfinden. Ich hätte darauf ehrlich gesagt verzichten können, aber gut, viele Spieler lieben das Tool ja. Ob das in Echtzeit noch so gut funktioniert, muss sich aber dann erst mal zeigen.

Fazit

Also; Der Ansatz von Fallout 76 gefällt mir insgesamt eigentlich echt gut. Wer wollte denn nicht schon mal mit Freunden durchs Ödland streifen und Abenteuer erleben? Auch das Setting gefällt mir, da man so frisch nach dem Krieg, in einem Gebiet, welches nicht so stark atomar vernichtet wurde, eine gute Grundlage für ein solches Online-Konzept hat. ABER, und dieses aber ist extra groß geschrieben, verstehe ich nicht ganz, warum man den Fokus nicht auf einen Koop gelegt hat. Aktuell versteht sich Fallout 76 wohl eher also Survival-Game und läuft damit einem Trend hinterher, der eigentlich schon vorbei ist.

Und dieser Trend hat eines gezeigt; Das Konzept eines Survival-Spiels klingt in der Regel großartig, aber die Realität sieht immer deutlich schlechter aus. Schauen wir Titel wie DayZ, Rust oder Conan Exiles an. Die Konzepte gleichen dem von Fallout 76 zum Teil sehr stark, aber keiner der genannten Titel konnte wirklich überzeugen. Besonders die Spieler selbst, welche andere Spieler systematisch über den Haufen schießen oder deren Basen plündern, sobald deren Erbauer mal offline sind. Und genau solche Probleme werden Fallout 76 wohl auch befallen, besonders, wenn man jetzt schon damit prahlt, atomare Waffen zur Verfügung zu stellen. Auch der angekündigte Modding-Support ist mit Vorsicht zu genießen, der Creation Club wurde ja nicht ohne Grund eingeführt.

Fallout 76 - Pioniere der Postapokalypse

Wir müssen abwarten, wie gut man das Konzept von Fallout 76 letztlich umsetzt. Zunächst sollte man aber eher skeptisch sein, als blind dem Hype zu verfallen.

Wie gut oder schlecht Fallout 76 werden wird, lässt sich jetzt natürlich nicht abschätzen. Aber wer die klassische Rollenspiel-Erfahrung der Vorgänger sucht, wird sie mit diesem Ableger definitiv nicht finden. Auch wenn von „Solospielen“ die Rede ist, wird das nichts mit einem klassischen Singleplayer zu tun haben. Größe der Spielwelt, versprochene Story und PVP-Gameplay lassen mich aktuell noch sehr skeptisch sein, denn so was haben wir alle schon tausende mal bei anderen Spielen gehört und die wenigsten hielten auch nur im Ansatz, was sie da versprachen. Fallout 76 wird wohl ein Experiment, ob man die Fallout-Reihe auch als Online-Ableger etablieren kann. Vermutlich wird es gelingen, aber ich schätze, dass man mit mehr Abstrichen zu rechnen hat, als dass es neue Errungenschaften für den Spieler mit sich bringt. Aber warten wir ab und essen ein schönes Todeskrallen-Ei-Omelette.

Johann von Ti
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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, FIlme und blöde Ideen zu haben. Nebenher auch noch Student und Jünger von Hopfen und Malz.
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