GTA 5 Online – Casino DLC – Kritik

GTA-5-Online-Casino-DLC - Das Glücksrad

Am 23. Juli war es soweit: Rockstar Games veröffentlichten für den Online-Modus von GTA 5 die Erweiterung „Diamond Casino & Resort“ und integrierten damit ein Casino in der Spielwelt. Als „riesiger Entertainment- und Luxuswohnkomplex“ beworben , soll das in Vinewood gelegene Casino den Spielern als neue Anlaufstelle dienen und neben neuen Mehrspieler-Missionen im Casino-Setting eben auch virtuelles Glücksspiel ermöglichen. Dafür stehen Roulette, Blackjack und 3-Card-Poker sowie zahlreiche Spielautomaten zur Verfügung. Weiterhin kann auf Pferderennen gewettet und täglich das Glücksrad gedreht werden.

Das ein Videospiel Casino-Inhalte in die eigene Spielwelt transferiert, ist nichts ungewöhnliches und besonders Rockstar Games hat hier eine gewisse „Tradition“. GTA: San Andreas bot bereits mit Las Venturas eine eigene Glücksspielstadt, in welcher der Spieler sein Geld verzocken konnte. Jedoch lässt sich das nur bedingt mit dem jetzigen Update für GTA 5 vergleichen, denn hier geht es um den Online-Modus, welcher mithilfe von Mikrotransaktionen seit Jahren hohe Gewinne einfährt. Doch wie viel Glücksspiel steckt in dem Casino-Update?

In Deutschland kann kein Echtgled im Casino eingesetzt werden

Zunächst zur Situation in Deutschland: Um im Casino spielen zu können, müssen die Spieler Jetons (Spielchips) im Casino eintauschen. Diese lassen sich hierzulande jedoch nur durch erspielte Ingame-Währung eintauschen, nicht wenn diese mit Echtgeld erkauft wurde (in Form von Shark-Cards können GTA-Dollar erkauft werden, die Preise bewegen sich dabei zwischen 3 bis 75 Euro). Das entschärft die Situation für unseren Markt durchaus, da es nicht möglich ist, echtes Geld im virtuellen Casino zu versenken.

Jedoch ist das nicht überall der Fall und es gibt Länder, in welchen eben doch echtes Geld eingesetzt werden kann, um im virtuellen GTA-Casino Jetons zu erwerben. Natürlich können mögliche Gewinne im Casino nicht wieder in echtes Geld umgewandelt werden. Es wurde also ein Casino geschaffen, in welches man (in manchen Ländern) zwar Geld stecken kann, die Möglichkeit zu gewinnen jedoch abgeschafft wurde. Dass das nicht überall gut ankommt, zeigt die recht lange Liste an Ländern, in welchen die jeweiligen Glücksspiel-Kommissionen ein Verbot für das DLC ausgesprochen haben. In diesen Ländern steht die Casino-Funktion der GTA-Erweiterung dann nicht zur Verfügung („Feature not available“).

Hier die Länder im Überblick, in welchen das Casino-DLC verboten wurde:

  • Afghanistan
  • Algerien
  • Amerikanisch-Samoa
  • Argentinien
  • Aserbaidschan
  • Bahamas
  • Bhutan
  • Bosnien und Herzegowina
  • Brunei Darussalam
  • China
  • Cuba
  • Griechenland
  • Indonesien
  • Iran
  • Irak
  • Island
  • Israel
  • Jordanien
  • Kaiman Inseln
  • Kambodscha
  • Kuwait
  • Libanon
  • Libyen
  • Luxemburg
  • Malediven
  • Mali
  • Mauritanien
  • Malta
  • Malaysia
  • Nord Korea
  • Oman
  • Pakistan
  • Paraguay
  • Peru
  • Polen
  • Portugal
  • Qatar
  • Saudi Arabien
  • Somalia
  • Südafrika
  • Süd Korea
  • Sudan
  • Syrien
  • Taiwan
  • Thailand
  • Tschechien
  • Türkei
  • Tuvalu
  • Vereinigte Arabische Emirate
  • Vietnam
  • Venezuela
  • Weißrussland (Belarus)
  • Zypern

Es geht um Mikrotransaktionen

Das Thema ist nicht zu unrecht kontrovers und ebenfalls schwierig zu bewerten, besonders bei uns in Deutschland, wo der wichtigste Kritikpunk, die Option Echtgeld zu verwenden, entfällt. Denn dadurch hört sich der DLC ganz normal an: Die Spieler erhalten auch Jahre nach Veröffentlichung des Spiels kostenlos neue Inhalte, die unter anderem Mikrotransaktionen fördern sollen. Neben des Casinos werden nämlichen auch neue Missionen, Fahrzeuge, Kleidungsstücke und das Penthouse geboten. Das Penthouse schlägt als besonders kostspieliger Wohnraum zu Buche, welcher wiederum die Bedingung ist, um die Casino-Missionen spielen zu können und die „VIP-Mitgliedschaft“ im Casino zu erhalten. Es werden also Anreize geschaffen, Ingame-Währung auszugeben, welche hier auch mit Echtgeld gekauft werden kann.

Dabei bewegen wir uns wieder in einer Diskussionskultur, welche von Teilen der Videospiel-Industrie seit Jahren sehr erfolgreich geprägt wurde. Denn wie generell bei Mikrotransaktionen wird das Hauptargument der Zwanglosigkeit von vielen vorgeschoben, um Kritik an der DLC-Politik von GTA Online zu entkräften. Man muss ja kein Geld ausgeben, sondern kann sich die Inhalte auch erspielen. Diese Argumentation ist zwar nicht falsch, jedoch ist GTA Online stark auf die Mikrotransaktionen ausgelegt und geht mit dem Casino-DLC wieder einen Schritt weiter, weil nun Mikrotransaktionen und Glücksspiel in eine gefährliche Nähe gebracht werden. Bei uns ist diese Nähe zwar entkräftet, eben weil kein Echtgeld direkt in das Casino gepumpt werden kann. Jedoch würde ich die Situation als sehr undurchsichtig betiteln, denn GTA-Dollar können generell gekauft oder verdient werden. Nun können im Casino nur „verdiente“ GTA-Dollar gegen Jetons getauscht werden. Dass das in anderen Ländern dann aber doch geht und tatsächlich Glücksspiel und Mikrotransaktionen in einem klassischen Videospiel verwoben werden, zeigt, wie moralisch verwerflich hier die Absichten eigentlich sind.

Unter dem Mantel der Zwanglosigkeit werden einfach immer mehr und aggressivere Mechaniken für Mikrotransaktionen etabliert. Das geht seit etlichen Jahren so und beständig werden bestehende Grenzen ausgereizt und übertreten. Das ganze mag also harmlos erscheinen und ist es für viele Spieler auch. Das Feedback zum Casino, welches von vielen Spielern schon lange erwartet wurde, fiel recht positiv aus und viele Begrüßen die gelungene Umsetzung des Casinos und das eingefangene Feeling. Und das will ich auch an dieser Stelle überhaupt nicht kritisieren. Ich selbst finde, dass ein solches Setting viel hergibt und in Videospielen durchaus adaptiert werden kann. Das eigentliche Problem sind die Mikrotransaktionen, welche nun, mehr oder weniger, in die Nähe von Glücksspiel gerückt werden. Die Art und Weise, wie Rockstar Games das Ganze aufziehen, finde ich schon bedenklich, wobei ich immer den Blick auf die Zukunft richte.

Spieler tragen diese Entwicklungen

Natürlich will man mit GTA 5 Geld verdienen und über die Mikrotransaktionen von GTA Online sind Rockstar Games diesem Ziel recht erfolgreich nachgegangen. Dann ist GTA 5 ebenfalls ein Titel, der erst ab 18 Jahren freigegeben ist, entsprechend die offiziell „angesprochene“ Spielerschaft volljährig ist (auch wenn wir natürlich wissen, dass auch sehr viele Kinder und Jugendliche GTA 5 und diverse andere Titel spielen). Ein wichtiger Aspekt, da ich generellen Verboten aufgrund von Jugendschutz abgeneigt bin. Als Erwachsener sollte man selbst entscheiden können, was man konsumieren will oder wofür man sein Geld ausgibt. Und auf dieser Basis ist GTA Online erfolgreich. Das finde ich persönlich nicht schön und ich kritisiere die Videospiel-Industrie für diese Entwicklung. Jedoch sind es die Spieler, die diese Entwicklung tragen und durch ihre Käufe oder breite Akzeptanz fördern. Das muss in dieser Diskussion ebenfalls bedacht und auch akzeptiert werden.

Solange genug Spieler diese Modelle der Gewinnerzielung unterstützen, solange werden Entwickler und Publisher verstärkt auf diese Modelle setzen und diese immer weiter ausbauen. Ich hoffe, dass wir irgendwann einen Punkt erreichen, bei welchem dann selbst die letzten Verfechter dieser Modelle ihre persönlichen Grenzen ziehen und wir nicht noch tiefere Einschnitte durch Mikrotransaktionen hinnehmen müssen.

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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, Filme und blöde Ideen zu haben. Nebenher auch noch Student in Medien und Geschichte.
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