„Killerspiele“ – Wenn man einen Sündenbock sucht

Der Amoklauf in München ist schrecklich und für de Maizière sind Videospiele die Schuldigen, Mobbing und die Möglichkeit der Waffenbeschaffung eher nicht…

Es ist kaum zu glauben: Ein scheinbar psychisch kranker, junger Mann (18 Jahre) läuft in München Amok und tötet unschuldige Menschen. Dieses schreckliche Ereignis sollte uns traurig stimmen, zeitgleich sollte man die Hintergründe der Tat ergründen, denn wer so etwas tut, muss in irgendeiner Form dazu getrieben worden bzw. hatte das Gefühl, dass es keinen anderen Ausweg mehr geben würde. Doch was macht man, wenn man die Fragen nach dem eigentlichen „Warum“ nicht stellen will, weil man vermutlich noch nichts genaues weiß und auf der anderen Seite bestimmte Themen verschweigen will, weil sie vielleicht auf die eigene Inkompetenz zurückfallen könnten? Richtig: Man kramt alte, populistische Scheiße hervor und hofft, dass möglichst viele Personen auf den Zug aufspringen und man selbst besser dasteht. Dass ich den Begriff „Killerspiele“ jemals auf diesem Blog nutzen muss, um über ein aktuelles Thema zu berichten, hätte ich niemals gedacht. Es ist eine alte Diskussion, die neue Medien schon seit jeher führen mussten. In alten Zeiten waren es Bücher, die doch schädlichen und vereinsamende Wirkung auf die meist jungen Konsumenten hätten, dann kamen die Filme und Rock Musik, die doch Gewalt verherrlichen würden und dann die bösen Videospiele, die Killer aus den Spielern machen könnten. Solche Diskussionen werden immer von den Personen losgetreten, die selbst keinen Bezug zum Thema haben, die sich aber zeitgleich die „Freiheit“ herausnehmen, genaustens über die Wirkung solcher Medien auszukennen.

Dass Videospiele in keiner Weise eine negative Wirkung auf Jugendliche haben, sollte jedem klar sein, der diese Spiele spielt. Und natürlich haben jugendliche Amokläufer immer wieder Videospiele in ihrem Besitz, einfach weil fast jeder junge Mensch Videospiele konsumiert. Würde man andere solche „Fakten“ betrachten, würden sich ähnliche „Übereinstimmungen“ finden: Amokläufer hatte einen Fernseher im Zimmer, trank gerne Energy Drinks oder ging zu McDonalds. Und während man solche Belanglosigkeiten natürlich leicht in den Fokus rücken kann, lässt man die eigentlichen Probleme unbeachtet. Das so gut wie alle jungen Täter physische Probleme hatten und dann noch in der Schule gemobbt wurden, wird nicht fokussiert, sondern lediglich beiläufig erwähnt. Man zieht dann die völlig falschen Schlüsse und benennt Videospiele als Grund für die Taten – Völlig absurd und eben grundlegend falsch. Aber kein Grund für unseren Bundesinnenminister Thomas de Maizière von gefährlichen Killerspielen zu sprechen. Das ist zum einen peinlich, auf der anderen Seite einfach ein Armutszeugnis, dass Menschen in so wichtigen Positionen nicht die wirklichen Problemen benennen, sondern mit populistischen Themen nach Ablenkung suchen und zeitgleich eine völlige Inkompetenz zum Thema selbst offenbaren. Er fordert zu allem Überfluss auch noch eine öffentliche Diskussion zu dem Thema, welches eigentlich als geklärt galt. Es liegen Studien und wissenschaftliche Beweise vor, dass der Konsum von Videospielen jeglicher Art einen gesunden Menschen nicht zum Mörder machen kann. Die Gründe für solchen Taten sind viel komplexer und können nicht mit der „Sündenbock“ Methode einfach benannt werden. Ein Junge mit physischen Problemen, der von der Gesellschaft ausgeschlossen wurde, begeht eine Schreckenstat, aber das Problem sollen Videospiele sein? Und während man munter über die pure Gefährlichkeit solcher Spiele herzieht, bleibt die Herkunft der Tatwaffe samt 300 Schuss ungeklärt. Ja klar, dass der junge gemobbt wurde und sich eine Waffe besorgen konnte, ist nicht wirklich wichtig, immerhin hat er Videospiele gespielt.

Und während man so eine böse Diskussion auslöst und von den eigentlichen Fragen ablenkt, bleiben die Angehörigen der Opfer trotzdem voller Trauer und haben immer noch keine Antwort auf die Frage: Warum? Dieser Schritt der Politik war mal wieder völlig falsch und in eine Richtung, die mich wütend macht. Der Tat selbst macht mich traurig, doch die Reaktion von de Maizière zeigt einfach, dass da ein wichtiger Posten falsch besetzt ist und die Regierung alles andere als im Sinne der eigenen Bevölkerung handelt. Heuchlerisch werden Waffenexporte in diverse Krisenherde der Welt bewilligt, aber Videospiele sind an der Gewalt schuld. Eine Gewalt, die durch eine Gesellschaft entsteht, in der manche Menschen einfach untergehen. Ich würde mir wünschen, dass die gewünschte große Diskussion zum Thema „Killerspiele“ ausbleibt und wir uns den wirklichen Hintergründen zuwenden um in Zukunft solchen Menschen helfen zu können, bevor es zu diesen blutigen Taten kommt.

Der wahre Nenner von solchen Taten ist das Mobbing – Nicht die Videospiele!

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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, Filme und blöde Ideen zu haben. Nebenher auch noch Student in Medien und Geschichte.
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