Matchmaking-System soll Mikrotransaktionen fördern

Fairer Spielspaß? Nö! Lass mal Ingame-Käufe ankurbeln!

Was ist aktuell eigentlich los? Nachdem ich mich über Bezahl-Mods und Lootboxen in Vollpreisspielen aufgeregt habe, will man nun Mikrotransaktionen mit einem Matchmaking-System verknüpfen? Wow. Immer wenn ich denke, dreister kann man eigentlich nicht mehr werden, zeigt mir die Gaming Branche, wie sehr man die eigenen Kunden zu hassen scheint. Aber warum schreibt der komische Typ von Game 2 eigentlich schon wieder so aggressiv?

Wenn Mikrotransaktionen nicht mehr optional sind

Heute geht es um ein Patent, welches Publisher Activision Blizzard bereits 2015 eingereicht hat und welches am 17. Oktober diesen Jahres nun offiziell gewährt wurde (es ist im übrigens erstaunlich, was man sich so alles patentieren lassen darf). In dem Patent wird ein neues Matchmaking-System beschrieben, welches einen zentralen Zweck erfüllen soll: User sollen dazu angehalten werden, Mikrotransaktionen zu nutzen und Ingame-Käufe zu tätigen. Das ganze soll, auf das Grundkonzept heruntergebrochen, so funktionieren: Bestimmte Algorithmen sollen in diesem System dafür sorgen, dass nicht etwa gleichstarke Spieler zusammenkommen, sondern am besten neue Spieler und Veteranen. Die Idee dahinter ist, dass neue Spieler bei den alten Hasen bestimmte Waffen und/oder andere Gegenstände sehen und damit angehalten werden, diese ebenfalls zu kaufen. Darf ich an dieser Stelle GANZ kurz erwähnen, dass damit der eigentlich Sinn von Matchmaking, nämlich für faire und möglichst ausgeglichene Spiele zu sorgen, völlig ausgehebelt und damit einem Mehrspieler-Titel das eigentliche Gameplay Konzept entzogen wird? Statt den User einfach ein Spiel spielen zu lassen, wird die Spielerfahrung nun massiv manipuliert, um Spieler zum Kauf von Waffen und Co zu animieren. Ein Konzept, welches klassischem Pay-to-win sehr nahe kommt und, je nachdem wie man es genau umsetzt, auch dazu führt. Ich muss mir keine teure Waffe kaufen, aber wenn ich es nicht mache, darf ich mir in jeder Runde ansehen, wie User mit diesen Waffen Jagd auf mich machen. Die Fraktion, die unermüdlich von „reg Dich nicht auf, ist doch optional“ spricht, kann hier nichts mehr argumentieren, denn sobald Mikrotransaktionen Bestandteil des Matchmakings werden, ist jeder Spieler davon betroffen, ob er nun letztlich kauft oder nicht.

Unfaires System

Und wie krank ist das bitte schon wieder?! Ich meine es ist ja nichts neues, dass man in Spielen wie CoD als Neuling ständig auf Spieler trifft, die nicht nur länger spielen und sich entsprechend besser mit den Spielmechaniken und Maps auskennen, sondern auch noch bessere Ausrüstung besitzen und damit einen immensen Vorteil genießen (Killing Streaks lassen Grüßen). Doch wenigstens war diese Ausrüstung nicht zu kaufen, sondern musste erspielt werden. Als es noch vornehmlich dedizierte Server gab (welch wunderschöne Zeit), konnte man zudem auf „Noob freundliche“ Server wechseln, um mit anderen Anfängern zu spielen. Doch selbst bei aktuellem Matchmaking ist die Grundlage zum zusammenspielen entweder nur Zufall, oder auf Basis des eingeschätzten Könnens des Spielers angelegt. Jetzt wird man ganz gezielt mit stärkeren bzw. zusätzlich zahlenden Spielern zusammengeworfen, um von diesen animiert zu werden, ebenfalls bestimmte Gegenstände zu kaufen. Das System soll dabei die Interessen und das Verhalten des Spielers berücksichtigen: Als Beispiel wird ein angehender Sniper genannt, der direkt mit erfahrenen Spielern zusammengeworfen wird, damit diese dann ihre Waffen und Ausrüstungsgegenstände „präsentieren“ können. Das ist so widerlich, ich schäme mich so sehr für die Videospiel-Industrie, das ist nicht zu fassen.

Auf Kosten des Gameplays

Zumal dieses System eigentlich niemanden Spaß machen sollte; Egal wie man es dreht und wendet, das Gameplay leidet unter solcher Manipulation. Die Spielerfahrung ist völlig unausgeglichen, wenn ganz bewusst neue und erfahrene Spieler aufeinandertreffen. Die einen haben dann kaum ein Chance zu gewinnen, während erfahrenen Spielern die Herausforderung genommen wird. Der eigentliche Spaß eines Videospiels liegt ja darin, einem möglichst ebenbürtigen Gegner entgegenzutreten und sich mit diesem zu messen. Dabei ist es in meinen Augen nicht mal wichtig, ob man letztlich gewinnt oder nicht; Ein bis zum Ende spannendes und Adrenalin geladenes Match ist für mich viel mehr wert, als eine Runde, bei der ich meine Gegner im Schlaf aus den Socken haue.

Im übrigen ist das Konzept des Patents nichts neues; Besonders Mobile Games setzten auf solche Mechaniken, um Spieler zum Kauf von bestimmten Inhalte zu animieren. Schon bei diesen Spielen ist das Konzept ziemlich widerlich, aber wenn ein Gigant wie Activision Blizzard ein solches System als Patent anmeldet… und darf ich an dieser Stelle erinnern, dass Spiele-Reihen wie CoD und Destiny genau für solche ekelhaften Methoden ausgelegt zu sein scheinen. Natürlich hat man sich bei Activision Blizzard schnell bemüht, bei aktuellen Spielen für Entwarnung zu sorgen. Weder Call of Duty WW2 noch Destiny 2 sollen mit einem solchen System arbeiten. Ja super, ist ja nicht so, dass ihr das Patent ohne Hintergedanken angemeldet habt und wenn nicht jetzt, in spätestens ein paar Jahren diesen ekelhaften Methoden Anwendung finden. In Vollpreisspielen… nicht Free-to-play Mobile Games.

Fazit

Ich kann nur hoffen, dass sich diese massive Trend der Ausbeutung in der Videospiel-Branche bald wieder beruhigt. Es kann einfach nicht sein, dass tatsächlich jeder große Publisher krampfhaft versucht, jedes Mittel der Gewinnmaximierung bis zur völligen Zerstörung der eigentlichen Grundlage ihres Erfolgs, der Videospiele, auszuschöpfen. DLCs, Mikrotransaktionen, Lootboxen und jetzt manipulierte Matchmaking-Systeme… wohin soll uns diese Entwicklung letztlich führen? Hoffen wir, dass die Mehrheit der Spieler solche Praktiken zukünftig hart abstraft… leider haben die letzten Jahre gezeigt, dass viele Spieler fast alles mit sich machen lassen.

Johann von Ti
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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, FIlme und blöde Ideen zu haben. Demnächst nebenher auch noch Student und Jünger von Hopfen und Malz.
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