Meine Meinung zum Mobile-Gaming

Mit Space Impact  aufgewachsen; Wie stehe ich zum neuen Mobile-Gaming-Trend?

Smartphones avancieren seit Jahren zu umfassend genutzten, multimedialen Alleskönnern, welche uns in unserem Alltag beständig begleiten. Auch die Videospiel-Branche wird von diese Prozessen immer stärker erfasst, was sich in vielerlei Hinsicht offenbart. So machen Mobile-Games gigantische Umsätze und genieren auch gerne mal in wenigen Wochen Millionen US-Dollar. Auch ist es interessant zu beobachten, dass das Smartphone mittlerweile auch als, ich will es mal als „ernstzunehmende“ Videospiel-Plattform bezeichnen, betrachtet werden kann. Versteht mich an dieser Stelle nicht falsch; Das Smartphone ist schon seit Jahren enorm wichtig für Videospiele, aber dass vermehrt große Titel, welche auf PC und Konsole veröffentlicht wurden, später auch auf Smartphones veröffentlicht werden, ist ein eher jüngeres Phänomen, zumindest in dieser Größenordnung (aktuelle Beispiele sind Fortnite und PUBG).

Technischer-Fortschritt als Fundament

Natürlich ist es primär der technische Fortschritt, welcher das Smartphone mittlerweile auch für komplexere Spiele zugänglich macht und die Grundlage für die Entwicklungen schaffte, die in den letzten Jahren verstärkt aufkamen. Plötzlich ist es nicht mehr nur eine Möglichkeit Titel wie Fortnite oder PUBG auf das Smartphone zu portieren, es wird auch gemacht und scheint bei der Zielgruppe extrem gut anzukommen. Bessere Prozessoren, mehr integrierter Speicher, optimierte Displays und zum Teil sehr starke Arbeitsspeicher bilden das Fundament für diese Entwicklung und werden das Gaming auf dem Smartphone auch zukünftig weiter befeuern, daran habe ich keinen Zweifel. Schon jetzt kann man beobachten, dass neue Generationen der hochpreisigen Smartphones, neben klassischen Aspekten wie Kameraqualität und technischen Spielereien, auch Gaming-Unterstützung in Entwicklung und Marketing einfließen lassen.

Da werden dann spezielle Game-Launcher mit diversen Einstellungen integriert, welche die Spielerfahrung bereichern sollen. Beim S9+ lassen sich zum Beispiel Benachrichtigung ausstellen, es können angepasste Leistungsmodi für Gaming gewählt werden und sogar ein Screen-Recorder ist mit an Bord. Dieser ermöglicht es, einfache Aufnahmen seiner Spiele zu machen. Nun, ich weiß nicht, ob ich mich auf Lets-Plays auf Basis von Smartphone-Gameplay freuen soll, aber auf der anderen Seite gibt es den Markt ganz eindeutig, der solche Features wünscht. Denn natürlich ist das S9+ nicht primär für Gamer zugeschnitten, dennoch ist Gaming längst fester Bestandteil der Feature-Liste geworden. Beim Angebot des S9+ bei 1&1 heißt es da zum Beispiel:

…tauchen Sie mit der Schärfe von 2.960 x 1.440 Pixeln in aufwändige 3D- und VR-Games ein.“

PUBG Mobile - Battle Royal auf dem Smartphone

Und tatsächlich übertreibt die Werbung hier nicht mal; PUBG und Fortnite haben im Verhältnis recht aufwändiges 3D-Gaming auf dem Mobile-Markt etabliert, was sich wohl als zukunftsweisend für folgenden Mobile-Gaming-Generationen darstellten wird.

Frühe Prägung ist entscheidend

Aber das entspricht ganz klar dem Zeitgeist; Viele junge Spieler sind mit extrem leistungsfähigen und modernen Smartphones als auch Tablets aufgewachsen, sodass sie diese früh als ernstzunehmende Spieleplattformen wahrnehmen und nutzen konnten. Der Klassiker ist, dass eben an Mamas oder Papas Handy gespielt werden darf und schon hat man eine sehr frühe Prägung, die sich jetzt eben auch immer stärker auf dem Markt bemerkbar macht. Wenn ich da an meine Erinnerungen denke, spielte ich auf dem alten Nokia meiner Mutter Space Impact (wie wundersam klar diese Erinnerungen doch sind) und hatte später meinen Spaß mit dem GameBoy Advance SP, auf welchem ich The Legend of Zelda: The Minish Cap oder auch Castlevania bis zum umfallen spielte. Lange Autofahrten war da so der Klassiker. Dennoch war auch der PC schon immer sehr präsent für mich (Stronghold und Age of Empires lassen grüßen), Handy und GameBoy waren lediglich eine Ergänzung. Heute sieht das aber oft anders aus; Das Smartphone wird von vielen durchaus als primäre und sogar einzige Plattform für den Konsum von Videospielen genutzt. Besonders Asien ist aktuell der größte und am schnellsten wachsende Markt für Mobile-Gaming.

Und dass dieser Trend sich in den nächsten Jahren auch in Europa noch viel stärker bemerkbar machen wird, davon können wir ganz fest ausgehen. Wenn schon Geräte wie das Asus ROG Phone mit 90-Hz-Display erscheinen und als „Gamer-Smartphones“ beworben werden, lässt sich durchaus erahnen, wohin sich der Markt in den nächsten Jahren bewegen wird (das Razer Phone kommt dann mit 120fps um die Ecke). Dennoch muss ich gestehen, dass ich persönlich mit dem „großen Spielen“ auf dem Smartphone nicht viel anfangen kann. Ja, ich habe ein technisch recht potentes Smartphone, ja, ich benutze es jeden Tag für diverse Dinge im Alltag und JA, ich spiele auch ab und an etwas auf dem Ding. ABER, und dieses aber ist doch wichtig; Ich würde das Smartphone wohl niemals dem PC oder der Konsole vorziehen. Das hat auch nichts mit blindem Fanboy-Gehabe zu tun, wie wir es seit Jahren mit der Debatte „PC oder Konsole“ (oder auch „PlayStation oder Xbox“) beobachten können, sondern lediglich mit persönlichen Vorlieben, spielerischen Interessen und letztlich der Prägung.

Old Mobile-Gaming - Space Impact - Screenshots

Als Kind habe ich auch schon fleißig auf dem Handy meiner Mutter gespielt; Space Impact war auf längeren Autofahrten ein treuer Begleiter. Doch statt 3D-Battle-Royale-Titeln war es eben „nur“ 2D-Pixelbrei. Als Kind war ich dennoch fasziniert und ich würde gerne mal wieder ein altes Nokia in die Hand bekommen, nur um diesem Titel noch mal die Ehre zu erweisen.

Persönliche Präferenzen

Ich selbst würde zum Beispiel kein RPG oder ein MOBA auf meinem Smartphone spielen wollen, einfach weil ich Spiele, die in ihrer Gesamtheit so komplex sind, nicht auf einem solchen Gerät spielen möchte. Auf einen kleinen Bildschirm starren, auf diesem Bildschirm dann noch umher wischen – Nein, „richtige“ Spiele möchte ich dann auf dem PC, vielleicht auf einer Konsole spielen. Das Smartphone funktioniert für mich nur mit „Snacks“ bzw. Minispielen für zwischendurch. Titel, die ich ohne groß nachzudenken anwerfen kann, um mir ein paar Minuten Zeit zu vertreiben. Wenn man mal wieder auf den Bus warten muss oder länger im Zug sitzt. Das Spielen auf dem Smartphone ist dann für mich das interaktive Pendant zum lesen oder Musik hören, hat aber wenig mit dem Spielen am heimischen PC zu tun.

Wenn ich zuhause etwas spiele, vielleicht mit Freunden im TeamSpeak hänge und wir ein paar Stunden mit diversen Games verbringen, dann sehe ich das ganze nicht als Möglichkeit Zeit „totzuschlagen“, sondern zelebriere in bester Manier eines meiner liebsten Hobbys. Und das könnte ich, wollte ich mit einem Smartphone nicht. Doch das ist eben meine Sicht, sicherlich auch vermehrt die Sicht meiner Generation. Jüngere Spieler haben, wie schon erwähnt, aber eine ganze andere Prägung und betrachten das Smartphone aus einer durchaus anderen Perspektive.

Problematik der Mikrotransaktionen

Dennoch machen sich besonders beim Mobile-Gaming viele negative Entwicklungen der Gaming-Branche besonders stark bemerkbar. Hierbei meine ich vor allem das Free-to-Play-Modell, welches zwar generell kostenloses spielen erlaubt, dabei aber viele Elemente des Spiels hinter Bezahlschranken versteckt bzw. Mikrotransaktionen fest mit dem Gameplay verwebt. Dabei sollen Spieler angehalten werden, bestimmte Inhalte/Vorteile/Zeitersparnisse zu erkaufen, womit dann auch eingangs erwähnte Millionen-Umsätze generiert werden. Um die wirklichen Ausgaben zu verschleiern, greift man dann auch eine (oder auch mal mehrere) Ingame-Währungen zurück, welche für Echtgeld gekauft werden müssen. Mit der Ingame-Währungen (Münzen, Diamanten, Energie etc.) können dann die Vorteile eingelöst werden.

Fortnite - Mobile-Gaming - Mikrotransaktionen

Fortnite ist zunächst einmal kostenlos spielbar, dennoch wird allein auf dem Mobile-Markt ein Millionen-Geschäft gemacht. Natürlich sind es wieder Mikrotransaktionen, die diese Summen in die Kassen der Entwickler spülen. Hier sehen wir zum Beispiel „Battle Pass“-Inhalte, welche für „V-Bucks“ gekauft werden können. Diese V-Bucks muss man wiederum für echtes Geld kaufen. Das teuerste Paket kostet dabei satte 110 Euro.

Dieses Phänomen haben wir natürlich auch auf dem klassischen Spiele-Markt, also auch fernab von Mobile-Gaming, aber besonders auf Smartphones werden diese oft perfiden Systeme auf das Extremste ausgereizt. Interessant ist dabei, dass die gigantischen Umsätze oft von nur einem geringen Bruchteil der Spieler generiert werden, welche die zentrale Zielgruppe solcher Spiele darstellt. Das bedeutet, dass wenige Spieler zum Teil riesige Summen in solche Spiele stecken, während eine große Mehrheit eben tatsächlich „kostenlos“ spielt und nicht bereit ist, diese System zu nutzen. Aber genau das ist gefährlich, wenn wir uns erinnern, dass es besonders junge Spieler sind, welche das Smartphone als primäre Spieleplattform gewählt haben. Diese werden von diesen Systemen ganz gezielt angesprochen und hier sehe ich für die Zukunft (und das habe ich schon oft gesagt) durchaus Handlungsbedarf. Hier sollte dafür gesorgt werden, dass Entwickler die wirklichen Ausgaben für ein Spiel nicht mehr durch fiktive Währungen verschleiern können. Weiterhin ist es in meinen Augen sehr wichtig, junge Spiele mit den Funktionsweisen dieser Systeme vertraut zu machen und sie so weniger Anfällig für diese Methoden zu machen.

Fazit

Doch egal wie man es auch dreht und wendet; Das Smartphone wird für die Videospiel-Branche weiterhin an Bedeutung gewinnen. Die immer stärkere Technik der Geräte, aber auch der extrem attraktive Markt sorgen schon jetzt für diese Entwicklung, die immer schneller zu werden scheint. Schon heute muss das Mobile-Gaming auf dem Smartphone als großer und wichtiger Bestandteil der gesamten Gaming-Branche betrachtet werden, was auch die anderen Plattformen beeinflusst und beeinflussen wird. Wohin uns diese Entwicklungen führen werden, zwischen Mobile-Gaming, Augmented Reality, Virtual reality und Cross-Platform-Play, wird sich in den nächsten Jahren immer deutlicher abzeichnen. Schon jetzt lassen sich erste, recht deutliche Veränderungen wahrnehmen, zumindest hätte ich vor ein paar Jahren nicht gedacht, dass man Spiele wie PUBG oder Fortnite im großen Stil auch auf Smartphones spielen wird.

Johann von Ti
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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, FIlme und blöde Ideen zu haben. Nebenher auch noch Student und Jünger von Hopfen und Malz.
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