Mikrotransaktionen – Ein anhaltendes Experiment

Umsätze steigen, Entwickler loten die Grenzen aus und Spieler haben es in der Hand.

In der Welt der Videospiele hat sich in den letzten Jahren einiges getan und nicht nur die Spiele selbst haben sich weiterentwickelt, auch das Geschäftsmodell mit diesen Games Geld zu erwirtschaften, hat sich verändert. Längst wird das große Geld nicht allein im Launch-Monat umgesetzt, viele Spiele machen auch Monate, gar Jahre nach der Veröffentlichung jeden Monat mit Mikrotransaktionen satte Gewinne.

Klarer Trend – Umsätze verdoppelt

Tatsächlich zeichnet sich in Sachen Mikrotransaktionen ein ganz klarer, fast schon erschreckender Trend ab, welcher aufzeigt, dass die Bedeutung dieses Geschäftsmodels längst beachtlicher Ausmaße angenommen hat. Während der Umsatz über Mikrotransaktionen im Jahr 2012 bei gut 11 Milliarden US-Dollar lag, verdoppelte sich diese Zahl bis 2017 auf 22 Milliarden US-Dollar.

Diese Zahlen allein verdeutlichen schon, dass Mikrotransaktionen tatsächliche Relevanz besitzen und an Bedeutung zunehmen, doch interessant wird es, wenn man nun die Umsätze über den klassischen Verkauf von Spielen hinzuzieht. Diese beliefen sich nach dem Marktforschungsinstitut SuperData nämlich 2012 auf 5 Milliarden US-Dollar, 2017 dann auf 8 Milliarden US-Dollar. Mikrotransaktionen generierten insgesamt gesehen also deutlich höhere Umsätze, was für mich eine weniger schöne Entwicklung darstellt.

Bedenkliche Entwicklung

Natürlich sind digitale Umsätze in so gut wie jeder Branche im Wachstum begriffen, einfach weil Prozesse der Digitalisierung dafür sorgen, dass wir mehr und mehr Online-Dienste nutzen. Verkaufsriese-Amazon ist längst einer der wichtigsten Händler und Service-Anbieter überhaupt und auch sonst spielen sich die großen Geschäftsmodelle vermehrt online ab. Die klassische Videospiel-Branche ist da also keine Ausnahme, die Entwicklungen sind trotzdem bedenklich, wie ich finde.

Warum ich das ganze so bedenklich finde, zeigt zum Beispiel FIFA 17, welches unter anderem von SuperData besonders hervorgehoben wurde, um die Bedeutung von Mikrotransaktionen hervorzuheben. Hier wird noch mal ganz klar ersichtlich, dass der Monat der Veröffentlichung, der berühmt-berüchtigte Launch-Monat, längst nicht mehr das Maß für finanziellen Erfolg darstellt. Auch Monate nach Release kann EA mit FIFA 17 Umsätze wie im Veröffentlichungsmonat generieren; Tatsächlich irgendwie erschreckend, bedenkt man, dass es sich hier um einen Vollpreistitel handelt.

FIFA 17 - Umsätze 2016 und 2017

In dem Beitrag „Battlefront II goofed, but gamers are still spending more on additional content“ hat SuperData unter anderem diese Grafik aufgeführt, welche verdeutlicht, wie groß die Relevanz der Mikrotransaktionen auch im AAA-Bereich ist.

Mikrotransaktionen ein anhaltendes Experiment

Dabei beschreibt SuperData die Situation recht passend, wenn sie Mikrotransaktionen als „anhaltendes Experiment“ bezeichnen. Tatsächlich befinden wir uns immer noch in einer Phase, in welcher Publisher und Entwickler die Grenzen austesten und die Möglichkeiten des Geschäftsmodells ausloten. Zwar sind Mikrotransaktionen extrem Umsatzstark, aber auch schnell in der Kritik. Spieler können die Systeme auch ablehnen und sozusagen abstrafen. Eines dieser Beispiele, bei denen die Mikrotransaktionen als zu gierig eingestuft wurden, ist Assassin’s Creed Unity von 2014, auch Star Wars: Battlefront 2 hatte 2017 seinen Shitstorm um Lootboxen und Mikrotransaktionen.

Spieler unterstützen den Trend

Dennoch sorgen die Spieler insgesamt aber für die steigende Verbreitung und Akzeptanz von Mikrotransaktionen. Das liegt vor allem daran, dass das Geschäftsmodel als solches längst akzeptiert und sogar begrüßt wird. Spieler scheinen heute generell eher bereit zu sein, für optionale Inhalte Geld zu investieren, was ich, wie schon gesagt, alles andere als positiv einstufe.

Längst werden viele Geschäftsmodelle mit Mikrotransaktionen von Fans der Spiele verteidigt. Das fiel mir besonders im Rahmen von Blizzards Overwatch auf, wo das System mit den Lootboxen viel Unterstützung findet. Natürlich muss man Titeln wie Overwatch zugutehalten, dass die Mikrotransaktionen tatsächlich optional gehalten sind. Weiterhin werden hier keine Spielvorteile vergeben, was Pay-To-Win ausschließt.

Dennoch leistet auch Overwatch seinen Negativ-Beitrag, denn es sind diese Titel, welche die allgemeine Akzeptanz von Mikrotransaktionen fördern und diesem Geschäftsmodell weiteren Einfluss verliehen. Denn egal wie Optional oder Spielerfreundlich Mikrotransaktionen auch sein mögen, letztlich bedeuten sich für Spieler langfristig höhere Kosten, bei einem fraglichen Mehrwert.

Fazit

Ich will Mikrotransaktionen dabei nicht generell verteufeln, aber tatsächlich sehe ich nur äußerst selten einen Mehrwert in diesen Systemen. Viel eher sollen Spieler dabei weiter ausgeschlachtet werden und sind die Systeme nur gut genug verpackt, lassen Spieler sich das auch scheinbar gerne gefallen. Ich hoffe, dass in Zukunft doch ein Umdenken stattfindet und sich die Grenzen hoffentlich bei Titeln wie Overwatch zementiere und nicht Experimente wie bei Mittelerde: Schatten des Krieges oder gar METAL GEAR SURVIVE die Zukunft bestimmen.

Man merkt doch recht deutlich, dass Entwickler und Publisher immer wieder testen, wie weit man noch gehen kann und werden diese Bestrebungen nicht konsequent von der Spielerschaft abgestraft, könnten Mikrotransaktionen zukünftig noch deutlich schlimmere Dimensionen annehmen. Ich bin nur froh, dass sich auch eine Gegenwelle formiert hat. Einige Entwickler werben schon fast damit, keine Mikrotransaktionen, Lootboxen oder massig DLCs anzubieten – Es ist zwar traurig, dass man heute schon positiv damit auffallen kann, aber dennoch begrüße ich diesen Trend. Schauen wir, was uns die Zukunft bringt – Hauptsache wir müssen bald nicht auch fürs abspeichern zahlen. 😉

Johann von Ti
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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, Filme und blöde Ideen zu haben. Nebenher auch noch Student in Medien und Geschichte.
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