Online Gaming – Ist Free to Play wirklich kostenlos?

Im Internet ist alles kostenlos, oder?

Im Internet kann man schon seit Ewigkeiten eine Vielzahl von Angeboten finden, die dem geneigten Gamer eine Menge Auswahl bieten und vielerlei Genre bedienen. Das ist nichts neues, unzählige Male habe ich bereits über die vielen Facetten des Spielens im Netz berichtet. Minigames auf diversen Anbieter Seiten, kostenlose MMOs oder Shooter im Free to Play Format oder doch virtuelle Spielhallen und Poker-Räume. All diese Inhalte bieten in ihrer Gesamtheit ein gigantisches Angebot, welches vor allem durch eine Sache hervorsticht – Im Internet spielt man meistens kostenlos – Doch stimmt das eigentlich oder gibt es dann doch einen Haken?

Warface zeigt wie schoen heute im Browser gespielt wird

Warface kann kostenfrei gezockt werden, ist auf unserem Markt aber kaum angekommen.

Minigames

Hier kann man tatsächlich keine pauschale Antwort geben, denn es gibt so viele Angebote, dass es diverse Finanzierungsmodelle gibt, die sich stark voneinander unterscheiden. Für manche Minigames muss man heute schon, wie bei Spielen fürs Smartphone, eine Gewisse Summe zahlen, um den Zugang zum Spiel zu erhalten. Manche große Anbieter-Seiten bieten die Möglichkeit einer Premium-Mitgliedschaft, die den Zugang zu diversen Spielen ermöglicht oder deren Nutzung erweitert. Daraus folgt: Nicht alle Minigames sind uneingeschränkt kostenlos zu nutzen. Dennoch kann man hier auch zahllose Games finden, die eben doch einfach so gespielt werden können, ganz ohne Anmeldung oder Zahlung. Dieses Formate finanzieren sich wiederum durch Werbung, die der User beim spielen auf dem Portal eingeblendet bekommt. Doch das klärt ja weniger die bekannten Free to Play Formate, welche als Shooter, MMOs oder Ableger bekannter Reihen wie Die Siedler oder Anno daherkommen und kostenfreien Spielspaß versprechen.

Armor Games - Minigames heute.JPG

Auf Armor Games finden sich seit Jahren Top Minigames!

Klassisches Free to Play

Wir richten einen Account ein, laden die benötigten Spieldaten herunter und können los spielen. Doch was steckt hinter dem Free to Play Konzept? Tatsächlich kann man bei so gut wie allen Anbietern dieses Formats kostenfrei spielen und das Game nutzen. So zahlen die wenigsten Nutzer auch nur einen Cent bei diesem Finanzierungskonzept, da ein gutes Free to Play Game eben genau das bieten muss. Kann man es nicht fast uneingeschränkt auch ohne Geld einzusetzen spielen, wird die Zahl der Spieler rapide sinken. Doch wie funktioniert dann die Finanzierung? Ganz einfach, könnte man meinen: Die gesamte Finanzierungslast wird auf einen geringen Prozentsatz an Spielern gelegt, die dann aber richtig zahlen sollen. Es gibt bei diesen Spielen nur einen geringen Anteil an Spielern, die jemals Geld ins Spiel stecken, doch auch auf diesem geringen Anteil liegt nicht der Fokus, sondern auf einem noch kleineren Anteil dieser Gruppe, die öfter Geld investieren. Hier reden wir dann auch nicht mehr über kleine Summen, sondern monatliche Zahlungen von bis zu mehreren hundert Euro. Das kann man schnell erkennen, wenn man sich angebotene, zu kaufende Inhalte betrachtet – Mit einem Trick wird der Nutzer „verwirrt“ und soll auf lange Sicht den Bezug zum vermeintlichen „Wert“ der digitalen Inhalte, die er kauft, verlieren. Dies wird mit einer oder sogar mehreren Ingame Währungen erreicht, die der Spieler mit Echtgeld erwerben kann. Man kauft also Münzen, Diamanten, Coins oder sonst was, mit welchen man dann im Spiel weitere Inhalte kaufen kann. Dabei merkt man eben nicht, wie teuer so mancher Inhalt in Wirklichkeit ist, da keine Euro Preise mehr zu sehen sind, sondern lediglich die Preise der Ingame Währung. Und wenn man für 120 Euro um die 500.000 einer Ingame Währung kaufen kann (es gibt sogar krassere Beispiele), dann stimmt etwas für mich gewaltig nicht. Man muss sich doch nur überlegen, dass jemand für ein kostenfreies Spiel bereit ist, einen ganzen Haufen Geld hinzulegen. Und das sicherlich nicht einmalig.

Planetside 2 MMO Shooter im Browser

Planet Side 2 ist ein kostenloses MMO – Mit Mikrotransaktionen

Wenige zahlen viel

Jetzt kann man klar sagen: Wer so viel Geld bei diesen Spielen lässt, ist selbst schuld, denn immerhin wird man ja nicht gezwungen diese zu spielen oder eben Geld da zu lassen. Oft kann man mit längeren Wartezeiten oder kleineren Nachteilen im Spiel trotzdem irgendwann zum Ziel kommen. Geht es ohne Geld wirklich nicht, handelt es sich um ein Pay to Win Konzept, wobei man das Spiel dann sowieso löschen kann. Doch das Problem sind weniger die Leute, die aktiv und bewusst dieses Geld ins Spiel stecken, als die Wirkung, die dieses System auf junge Spieler hat. Diese kennen noch nicht den Wert von Geld und werden durch die Ingame Währung noch mehr verleitet, unüberlegt Geld ins Spiel zu pumpen. Besonders die Verbreitung von Smartphones bei immer mehr Kindern führt zu der Problematik, dass schnell größere Summen ausgegeben werden können. Das ganze wird wie ein Suchtmittel aufgebaut, erinnert den Spieler an vermeintliche Top-Angebote, belohnt ihn für den Kauf mit zusätzlichen, kleinen Inhalten oder mahnt, ohne die Käufe, könnten bestimmte Dinge leider nicht erreicht werden. Ich will damit nicht das gesamte Free to Play Konzept als solches verteufeln, sondern eher darauf hinweisen, dass man hier bewusst spielen muss. Es gibt durchaus Anbieter, die die ganze Geschichte in meinen Augen gut lösen und erwähne dabei immer gerne Herr der Ringe Online, welches exklusiv gegen Geld vor allem besondere Kostüme für die Charaktere bietet, was bei einem Rollenspiel schon mal ok sein kann. Hier haben ich und mein bester Freund zumindest schon damals ein paar Euros extra gelassen, ohne schlechtes Gewissen haben zu müssen.

AVA Waffen

In Alliance of Valiant Arms können wir für echtes Geld bessere Waffen kaufen.

Rolle von Mikrotransaktionen darf nicht zu groß sein

Ich denke, dass Mikrotransaktionen nie den vollen Anteil der Finanzierungsmodells darstellen sollten, sondern lediglich ergänzend wirken müssen. Damit verhindert man, dass das Spiel selbst zu sehr durch diese Inhalte korrumpiert wird. Bei einem MMORPG ist zum Beispiel das Konzept von Herr der Ringe Online super – Das Basis Spiel ist kostenfrei und bietet einen enormen Umfang – Stößt man dann an die Grenzen der Welt oder will neues sehen, kann Content Erweiterungen kaufen, die dann neue Gebiete und Quests freischalten. Der Ingame-Shop mit den Mikrotransaktionen bietet dann neben einigen exklusiven Reittieren, Buffs und Waffen eben vor allem schöne Kostüme. Man wird nicht genötigt, Geld auszugeben, sondern entscheidet einfach selbst, für welche Inhalte man zahlen will, wobei die Inhalte ihr Geld dann in der Regel auch wert sind. Leider keine Selbstverständlichkeit im heutigen Free to Play Markt.

Herr der Ringe Online - Die Gilde beim Angeln

In Herr der Ringe Online kann man Geld ausgeben, muss es aber nicht. Lieber angeln wir ein wenig.

Andere Konzepte

Doch natürlich gibt es neben Minigames und den klassischen Free To Play Games noch ein paar andere Konzepte, die noch mal ganz anders betrachtet werden müssen. Online Poker-Räume oder virtuelle Casinos haben meist noch mal ein ganz anderes Konzept, als bisher genannten Formate, bieten aber auch völlig andere Spiele an. Doch auch hier sollte man aufpassen, und zum Beispiel die Einsteiger-Boni richtig verstehen. Doch das ist im Grunde ein anders Thema, welchem man sich im speziellen widmen müsste. Wichtig ist nur, dass hier die größte Gefahr besteht, Geld zu verlieren, weshalb man hier die größte Vorsicht walten lassen muss und eine umfassende Beschaffung von Informationen zur Pflicht wird. Ansonsten kann man tatsächlich auch kostenfreie Spiele finden, die ohne Haken oder versteckte Kosten gespielt werden können und auch auf Werbung verzichten. Dabei handelt es sich meist um Hobby Projekte, Erstlingswerke oder Promo Titel. Doch Vorsicht: Immer wieder werden illegale „Cracks“ im Netz beworben, die Spiele zum kostenlosen Download anbieten. Die eigentliche Gefahr ist neben der Tatsache, dass man den Entwicklern schadet und das herunterladen illegal ist, die Tatsache, dass viele dieser „Angebote“ mit Viren versucht sind, um die Nutzer anzugreifen. Lasst also da lieber die Finger weg, damit Ihr Euch keine „Verbrennungen“ zuzieht.

Johann von Ti
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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, Filme und blöde Ideen zu haben. Nebenher auch noch Student in Medien und Geschichte.
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