PC Gaming – Darum sind die Preise für Grafikkarten immer noch so hoch

Zu sehen ist das Innenleben eines Gaming PC. Im Fokus steht dabei eine GEFORCE GTX Grafikkarte.

Es ist kein neues Problem: die Preise von Grafikkarten befinden sich auch heute noch in astronomischen Höhen. Die aberwitzige Preisentwicklung, welche bereits im Herbst 2020 begann, scheint noch lange nicht überwunden. Wer in den letzten Monaten auch nur mit dem Gedanken spielte, sich eine neue Grafikkarte anschaffen zu wollen, durfte erschreckt festgestellt haben, auf welchem Niveau sich die Preise aktuell befinden. Auch wenn sich die Lage seit einigen Wochen zum Teil etwas verbesserte (oder besser gesagt nicht weiter verschärfte), kann von einer wirklichen Entspannung auf dem Grafikkarten-Mark nicht die Rede sein. Starke High-End-Karten werden auch heute noch mehrere hunderte Euro über der UVP angeboten und selbst ältere, zum Teil gebrauchte Grafikkarten erzielen auf Handelsplattformen wie Ebay noch Preise, die vor ein paar Jahren nur ungläubiges Gelächter ausgelöst hätten.

Mangel an Mikrochips wird den Grafikkarten-Markt noch Jahre stören

Bereits im März diesen Jahres hatte ich mich intensiver mit der teuren Hardware und den Hintergründen befasst. Natürlich hat die Corona-Pandemie die Situation verschärft. Doch besonders der immer noch bestehende Mangel von Mikrochips war und ist ein treibender Faktor bei der Verknappung des Angebots neuer Grafikkarten und vieler anderer Gebrauchsgegenstände, die digitale Funktionen aufweisen. Es geht dabei um hauchdünne Halbleiterplatten, die in hochtechnisierten Verfahren hergestellt werden. So ein Herstellungsprozess dauert vier bis sechs Monate und verschlingt zahlreiche Ressourcen und Chemikalien, die aktuell ebenfalls nicht in ausreichenden Mengen verfügbar sind. Zudem sind die Anwendungsgebiete der begehrten Chips so vielfältig, dass zahlreiche Industrie-Zweige um das bestehende Angebot ringen – so zum Beispiel die Automobilhersteller. Die Nachfrage der Industrie übersteigt also deutlich das Angebot, was sich auch in den nächsten Jahren nicht so schnell ändern wird. Der Grafikkarten-Markt hat dadurch mit einer Verknappung zu kämpfen, die jedoch noch weiter befeuert wird.

Mining-Boom sorgt weiterhin für Verschärfung

Besonders Schürfer für Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum kauften große Teile des Grafikkarten-Marktes einfach leer – besonders in Asien sprossen großangelegte „Mining-Farmen“ wie Pilze aus dem Boden. Die Karten werden dabei von den Schürfern zusammengeschaltet und führen die Rechenoperationen aus, die für die Kryptowährung notwendig sind – als Lohn gibt es kleine Anteile der Währung. Je nach Standort ein profitables Geschäft. Gut zwei Drittel aller neu erzeugten Bitcoins wurden zuletzt in China erzeugt – bis jetzt. Während China den Bitcoin als Zahlungsmittel bereits 2017 offiziell verbot, war das „Mining“ noch gestattet. Das änderte sich aber vor gut zwei Monaten drastisch. Einige der größten „Rechenzentren“ zur Generierung von Kryptowährungen wurden dicht gemacht, der Bitcoin und viele andere Kryptowährungen brachen kurz darauf ein (erholten sich aber zum Teil wieder). Als Folge wurde der Markt kurzzeitig von vielen ausgedienten Mining-Grafikkarten geflutet – ob damit ein guter Deal gemacht werden kann, muss aber durchaus bezweifelt werden. Man kann dabei nicht sicher sein, welchen Belastungen und/oder Modifikationen solche Mining-Karten ausgesetzt waren. Auch wird der Mining-Boom auch zukünftig nicht großartig abflauen – das Verbot in China war sicherlich ein Dämpfer, aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass das Mining sich einfach an anderen Standorten ansiedelt und die Belastung für den Grafikkarten-Markt bestehen bleibt.

Scalper nicht nur bei der PS5 ein Problem

Zuletzt sind es die „Scalper“, welche vom knappen Markt profitieren und die Situation ausnutzen. Bei diesen Scalpern handelt es sich um Personen, welche große Stückzahlen eines Produkts kaufen, um diese dann deutlich über UVP auf Handelsplattformen anzubieten. Das funktioniert natürlich nur, wenn die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigt – was unter anderem bei Grafikarten noch immer der Fall ist. Wird nämlich ein Kontingent neuer Grafikarten bei einem Anbieter frei, versuchen viele Scalper mit automatisierten Programmen diese Karten aufzukaufen. Normale Kunden schauen in die Röhre, während die Scalper die Grafikarten dann teurer weiterverkaufen. Auch wenn die Preise auf Ebay und Co in den letzten Wochen erstmals etwas gesunken sind, wird zum Beispiel die AMD Radeon RX 6800 immer noch ab 1100 Euro aufwärts angeboten (Stand 13.09.2021) – die UVP liegt bei 600 Euro. Dennoch scheint sich hier eine erste Entschärfung abzuzeichnen, auch wenn sich zeigen muss, ob die Preise weiter fallen oder in einigen Monate wieder ansteigen. Das hängt natürlich damit zusammen, wie die Grafikartenhersteller in Zukunft die Nachfrage bedienen können – je besser der Markt aufgestellt ist, desto schlechter können Scalper ihre teuren Karten verkaufen.

Ebay-Preise-Grafikkarten

Auch wenn dieser Screenshot im März 2021 erstellt wurde, haben sich die Preise kaum verbessert. Die UVP ist selbst bei gebrauchten Karten um mehrere hundert Euro überschritten. Wer eine neue Grafikkarte will und nicht auf eine kurze Verfügbarkeit im Handel spekuliert, muss auch heute noch für eine neue Karte das doppelte der UVP zahlen.

Fazit – Wer warten kann, sollte aktuell noch auf ein Upgrade verzichten

Klar ist: die Hauptursachen für die hohen Preise bestehen auch jetzt noch. Der Mangel von Mikrochips wird die Industrie auch in den nächsten Monaten, vermutlich sogar Jahren noch beschäftigen. Der hohen Nachfrage muss in Vielerlei Hinsicht begegnet werden. Neue Fabriken müssen gebaut, neue Lieferketten aufgestellt und die Versorgung mit essentiellen Ressourcen sichergestellt werden – das kann dauern. Dennoch zeigt der leichte Rückgang der Preise in den letzten Wochen, dass sich eine Entspannung auf dem Markt vielleicht sogar früher abzeichnen könnte. Dennoch müssen Gamer auch jetzt noch Geduld beweisen, wenn es darum geht, begehrte Grafikarten und andere Hardware zu akzeptablen Preisen zu erstehen. Wer Glück hat, kann in einem Online-Shop eine neue Karte zur UVP ergattern – selbstverständlich ist das aber immer noch nicht. Wer warten kann, sollte auch jetzt auf die Anschaffung neuer Gaming-Komponenten (wie Grafikarten) verzichten, bis sich die Preise tatsächlich normalisiert haben – und das kann noch dauern, leider.

Johann von Ti
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