Pen & Paper – Mit Musik und Sounds Welten erschaffen

Dungeons & Dragons Tomb-of-Annihilation - Artwork-City

Als Dungeon Master oder Spielleiter eines Pen&Paper-Rollenspiels ist man oft damit beschäftigt, die Welten für seine Spieler vorzubereiten und sich einiges Einfallen zu lassen, um das Spiel noch zu vertiefen. Eine wirklich fantastische Methode, um die Fantasie der Gruppe zu beflügeln, ist der Einsatz von Musik und Sounds. Wenn die Spieler die Welt hören können, fällt es ihnen deutlich leichter, sich in dieser zu verlieren. Also begann ich recht früh, mit Musik zu experimentieren und habe dabei durchweg positive Erfahrungen gesammelt und Feedback geerntet.

Betrachtet einfach das Titelbild dieses Beitrages und lasst es eine Weile auf Euch wirken. Achtet auf die Details, fangt die Szenerie ein. Nun stellt Euch vor, Eure Gruppe steigt von Bord eines der Schiffe am Hafen und die Klänge dieser fremden und exotischen Welt dringen an Eure Ohren. Da ist das beständige Geschrei der Möwen, welches nur noch von lauten Brüllen einiger Dinosaurier übertönt wird. Wasser, welches an den Kaimauern des Hafens brandet. Ihr hört den unverwechselbaren Klang einer lebendigen Großstadt, die pulsierend vor Euch liegt und nur darauf wartet, erkundet zu werden. Das ist der Zauber von Ambiente-Musik, auf welche ich in diesem Beitrag eingehen möchte.

Musik ist auch für Einsteiger geeignet

Selbst für Pen&Paper-Einsteiger ist der Einsatz von Musik leicht; Für den Anfang reicht es schon, passende Musik im Hintergrund laufen zu lassen. Für unsere Dungeons & Dragons-Gruppe standen dafür diverse RPG-Music-Playlists auf YouTube bereit, in welchen vor allem Videospiel-Musik gebündelt wurde (Film-Musik ist ebenfalls eine mögliche Anlaufstelle). Schon das schafft eine recht gute Abenteuerstimmung. Auch andere Pen&Paper-Rollenspiele lassen sich mit einfacher Hintergrund-Musik aufwerten. Ob nun Science-Fiction, Mystery oder Horror, auf YouTube lässt sich zu allem eine Menge finden.

Ambiente-Musik und Sounds zur individuellen Untermalung

Nach ein paar Sitzungen bin ich dann einen ganzen Schritt weiter gegangen und habe nicht nur Musik als solche eingesetzt, sondern individuelle Stücke mit Sounds, welche die Atmosphäre massiv unterstützen. Dabei wählte ich für jedes Gebiet oder besondere Situation, in welches meine Gruppe stolpern könnte, ein passendes Einzelstück. In der rauen Siedlung Phandalin hören wir zum Beispiel zahlreiche Menschen, geschäftiges Treiben, Fuhrwerke und vereinzelte Straßenhunde. Auch für die Taverne lassen sich perfekt individualisierte Tracks auf YouTube finden; Herrscht gerade ein großes Besäufnis, in welchem laut krakelt und mit Krügen geklirrt wird, oder ist die Taverne fast leer und man hört nur gedämpftes Murmeln sowie das Prasseln des großen Kaminfeuers? Betritt die Gruppe ein finsteres Dungeon, vernehmen wir umherhuschende Ratten, ein leichter Windzug macht sich bemerkbar und kommen wir tiefer in die finsteren Kavernen, hören wir Tropfen von der Höhlendecke auf kalten Stein platschen.

Viele dieser Ambiente-Tracks, wie ich sie mal nennen will, sind extrem gut gemacht und begeisterten mich immer wieder. Es gibt einige Kanäle auf YouTube, die zumindest in Sachen Dungeons & Dragons immer wieder neue, hochwertige Stücke liefern, die mit ihren langen Laufzeiten perfekt für unsere ausufernden Runden am Sonntag geeignet sind. Ich denke, dass sich auch für andere Pen&Paper-Genres passende Stücke auf YouTube finden lassen. Und wenn es nur das Prasseln von Regen oder die Klänge des Waldes sind. Die eigentliche Arbeit ist natürlich die Suche und Auswahl, welcher der Spielleiter im Vorfeld zu bewältigen hat. Das ist gar nicht so leicht, da ja bestenfalls für alle Orte und Situationen ein passendes Stück gefunden werden muss. Ich hatte am Ende über 30 Titel, um das reisen zu Pferd, das Übernachten in der Taverne, der Kampf auf einem Schlachtfeld, der Gang über den Marktplatz oder das durchstreifen finsterer Katakomben klanglich zu untermalen, ich war also auf (fast) alles vorbereitet. Als Spielleiter weiß man ja schon im Vorfeld, in welchen Gebieten sich die Gruppe herumtreibt und was dort auf sie wartet, weshalb diese Aufgabe der Musik-Wahl eigentlich auch nur vom Spielleiter sinnvoll ausgeführt werden kann.

Einfache Umsetzung

Das kommt dann natürlich zu den vielen anderen Aufgaben hinzu, aber in meinen Augen lohnt sich dieser zusätzliche Aufwand. Am Tisch umgesetzt habe ich die klangliche Untermalung übrigens mit einer einfachen Bluetooth-Box, welche ich mit meinem Smartphone verband. Auf dem Smartphone sind dann alle benötigen Ambiente-Tracks in einer überschaubaren Playlist zusammengefasst und konnten bei Bedarf schnell und direkt abgespielt werden. Auf diese Weise ist ein flüssiger, klanglicher Übergang zwischen den verschiedenen Örtlichkeiten leicht umsetzbar und die Soundquelle kann auf der Mitte des Tisches platziert werden.

Das gilt es zu beachten

Beachtet bei der Ambiente-Musik unbedingt, dass diese ihren Zweck nicht verfehlt. Die Fantasie der Spieler soll beflügelt, nicht gestört werden. Achtet also auf Lautstärke und Aufdringlichkeit. Für den Anfang würde ich auch empfehlen, sich auf wenige Tracks für größere Abschnitte in der Spielwelt zu beschränken. Jeweils einen Track für den Aufenthalt in der Stadt, für das Reisen und letztlich für die Dungeons sind am Anfang völlig ausreichend und Ihr seid im Spiel nicht beständig damit beschäftigt, den richtigen Track zu suchen. Denn Ihr als Spielleiter habt ja noch allerhand anderer Aufgaben, als Musik zu spielen, tastet Euch also vorsichtig an diese neuen Möglichkeiten heran, um nicht den Überblick zu verlieren. Später kann man dann auch weiter Aufstocken, wie ich es tat.

Empfehlungen

Abschließend will ich ein paar Kanäle aufzeigen, welche zumindest für mich eine wirklich ausgezeichnete Anlaufstelle darstellen, wenn es um Ambiente-Tracks geht:

Michael Ghelfi

Der Schweizer Komponist hat auf YouTube eine wirklich beachtliche Ambientebibliothek geschaffen. Die Auswahl der Stücke ist wirklich sehr groß und deckt nicht nur unterschiedlichste Szenarien, Orte und Situationen, sondern auch verschiedene Pen&Paper-Genres ab. Hier lässt sich auf jeden Fall eine Menge finden. Manche der Titel sind nicht nur Ambiente-Tracks, sondern eigene Musik-Stücke. Hier kann man frei nach Interesse und Bedarf wählen.

Hier kommt Ihr direkt zum YouTube-Kanal Michael Ghelfi.

Sword Coast Soundscapes

Wie der Name schon andeutet, hat man sich hier auf die Schwertküste fokussiert und stellt zum Teil gezielt bestimmte Orte von Kampagnen klanglich dar. Für Spieler, welche eine der umgesetzten Dungeons & Dragons Kampagnen spielen, lassen sich hier perfekte Stücke finden. Aber auch allgemein bietet dieser Kanal für Dungeons and Dragons eine ausgezeichnete Auswahl, um seine Abenteuer mit Ambiente-Klängen zu untermalen.

Hier kommt Ihr direkt zum YouTube-Kanal Sword Coast Soundscapes.

The Guild of Ambience

Die Gilde hat zwar eine kleinere Auswahl, macht es aber für den Anfang leicht, wirklich starke und viel einsetzbare Tracks zu finden. Ich würde das besonders für den Einstieg empfehlen, da man zum einen nicht von der Auswahl erschlagen wird, das Material zudem in zahlreichen Situationen genutzt werden kann. Auch hier liegt der Fokus auf Mittelalterlicher Fantasy.

Hier kommt Ihr direkt zum YouTube-Kanal The Guild of Ambience.

Fazit

Ich halte musikalische Untermalung und Ambiente-Tracks auf jeden Fall für ausgezeichnete Werkzeuge, um Pen&Paper-Welten lebendiger und „greifbarer“, hörbarer zu machen und so die Fantasie der Spieler anzuregen. Allein in der Vorbereitung macht es mir großen Spaß, in die Tracks hineinzuhören und für die verschiedenen Lokalitäten der Spielwelt den richtigen Sound zu wählen. Auch die Spieler waren bisher immer begeistert, wenn ich die Welten mit einer Klangkulisse ausstattete. Musik und Ambiente-Sounds sind ein mächtiges Werkzeug und richtig eingesetzt, kann man als Spielleiter eine intensive Spielerfahrung für seine Gruppe zaubern!

 

Titelbild: ©Wizards of the Coast LLC.

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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, Filme und blöde Ideen zu haben. Nebenher auch noch Student in Medien und Geschichte.
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