Quake Champions – Wird wohl kein Quake

Helden, Fähigkeiten und Free to Play – Aber kein Quake!

Ich liebe die Quake-Reihe und war zunächst erfreut zu hören, dass mit Quake Champions ein neuer Ableger geplant ist. Als dann aber klar wurde, mit welchen Konzepten man dieses Quake auf die Beine stellen will, wandelte sich mein anfängliches Interesse in Verachtung oder zumindest in völliges Desinteresse. Warum will ich Euch hier kurz aufzeigen.

Arena-Shooter sind großartig

Quake stand im Mehrspieler vor allem für eine Sache: 1VS1 Fights, bei dem das perfekte Movement, ein Gefühl für die Bewegungen des Gegners und Kenntnisse über das Verhalten von Waffen über Sieg und Niederlage entschieden. Es ging um Skill, gesammelte spielerische Erfahrung und natürlich war auch immer ein bisschen Glück mit von der Partie. Trotzdem war Quake im Mehrspieler (bzw. ist Quake Live) eine der intensivsten Mehrspieler-Erfahrungen, die man mit einem Shooter wohl machen kann. In kaum einem anderen Spiel hat sich ein perfekter Treffer mit einer Rakete, während man selbst als auch der Gegner durch die Luft geschleudert wurden, so gut angefühlt. Dieses gnadenlos schnelle Gameplay, bei dem Call of Duty, Battlefield als auch Counter Strike wie lahme Enten hinterher humpeln. Dass die großen Zeiten der Arena-Shooter vorbei sind, zeigt die mangelnde Existenz guter Vertreter in der heutigen Zeit, auch wenn Projekte wie Toxxik versuchten, diesem Genre wieder etwas Leben einzuhauchen. Doch was schon Toxxik nicht gelang, wird Quake Champions vermutlich noch viel weniger gelingen…

Quake Champions - Helden und Fähigkeiten

Free to Play und Buy to Play

Zunächst ein Punkt, der für sich genommen nicht schlimm ist – Das Finanzierungsmodell des Spiels. Dabei handelt es sich nämlich formal gesehen um ein Free to Play Konzept. Diesen Schritt ist man gegangen, um weltweit jeden Markt abgreifen zu können, also auch die Märkte in Asien und Osteuropa, bei dem Free to Play verbreiteter ist als Buy to Play. Für den westlichen Markt hat man wiederum ein Champions-Pack ersonnen, mit welchem man dann alle Charaktere des Shooters sofort freischalten kann. Free to Play Spieler haben nur Zugriff auf den Helden Ranger und müssen sich weitere Helden mit einer Ingame Währung mieten. Das wirft mehrere Probleme auf, die mich schon vor der Veröffentlichung sauer machen.

Helden mit Fähigkeiten

Quake Champions setzt auf ein Helden-System, bei dem sich also die spielbaren Charaktere deutlich voneinander unterscheiden und… passt auf, jetzt kommt es… NICHT ausgeglichen sind. Sie sollen viel mehr einem „Schere-Stein-Papier“-Konzept folgen. Das wäre ja auch nicht so wild, würde man nicht fett auf der Quake Lizenz herumreiten, von der guten alten Zeit reden und das ganze Marketing darauf ausrichten. Quake stand NIE für so eine Art von Gameplay, sondern genau für das Gegenteil. Jeder Spieler hatte zugriff auf die gleichen Waffen, die auf der Map verteilt waren und es ging einzig darum, mit dem eigenen Können Gegner zu überwältigen. Mit diesen Helden ist das nun Geschichte, denn 1VS1 Kämpfe machen kaum einen Sinn, wenn eine Klasse in diesem Kampf generell besser ist, als die andere. Was soll das? Warum nennt man das ganze dann Quake? Die Helden werden unterschiedliche Fähigkeiten besitzen, wie zum Beispiel Nyx. Diese kann sich unsichtbar machen, Schüssen ausweichen und Feinde zum zerplatzen bringen. Zudem sorgt ihre passive Fähigkeit dafür, dass ihr Walljumps zur Verfügung stehen. Wenn aber Helden durch ihre Fähigkeiten so massiv unterschiedliche Stärken und Mali erhalten und zudem auch noch das Movement beschnitten oder eben erweitert wird, hat das doch nichts mehr mit dem eigentlichen Gameplay von einem Quake zu tun.

Quake Champions - Held auf Hooverboard

Balance und Pay to Win

Aber selbst wenn man jetzt als Quake-Fan darüber hinwegsieht, stellt sich für mich die Frage, wie man ein solches Schere-Stein-Papier-Prinzip mit dem Free to Play Modell zusammenbringen möchte. Free to Play Spieler haben entsprechend zunächst nur Zugriff auf einen Helden, der schwächer als bestimmte andere Helden ist. Neue Spieler können damit nicht auf die Klassen reagieren, die ihre Nemesis darstellen, da sie zunächst gar nicht auf einen anderen Helden ausweichen können. Zahlende Spieler haben wiederum den ganzen Umfang an Möglichkeiten, wodurch bei mir die Frage nach einem, vielleicht nicht ausgeprägten, aber dennoch zu hinterfragenden Pay to Win aufkommt. Auch sollte die Fragen gestellt werden, ob die die Free to Play Spieler nicht dafür sorgen, dass der Held Ranger überproportional vertreten sein wird, immerhin ist dieser der einzige Held, welchen diese Spieler immer uneingeschränkt zur Verfügung stehen haben. Natürlich kann man vor der Veröffentlichung des eigentliches Spiels nicht darüber urteilen, dennoch scheint mir dieser Punkt schon im Vorfeld als Bedenklich. Zumal das ganze Spiel in meinen Augen nichts mit Quake zu tun hat und Fans des eigentlichen damit in Verbindung gebrachten Gameplay maßlos enttäuschen wird.

Fazit

In meinen Augen ist Quake Champions einfach nur die Idee, mit einem großen Namen noch mal möglichst viel Geld zu machen. Anders erklärt sich das ganze nicht für mich. Es ist kein Fan-Service, denn dann hätte man versucht, einen echten Arena-Shooter in der Tradition eines Quakes auf die Beine zu stellen. Tatsächlich wirkt das ganze wie ein typisches Free to Play, welches mit dem Argument „Quake“ seine Daseinsberechtigung bestreiten möchte. Ich sehe als Quake-Fan keinen Grund, dieses Projekt weiter zu betrachten. Besser als der Mehrspieler von DOOM wird es aber wohl allemal…

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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, Filme und blöde Ideen zu haben. Nebenher auch noch Student in Medien und Geschichte.
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