Sound of Magic – Review

Ein fantastisches Audio-Adventure für Smartphone und Tablet!

Stellt Euch vor, Ihr erwacht ohne jegliche Erinnerung in einer Kerkerzelle. Euer Schädel brummt, Ratten huschen an Euren Füßen vorbei und es tropft von Decke. Abenteuer in einem Kerker beginnen zu lassen, hat in der Videospielwelt schon eine gewisse Tradition. Doch wer bei Sound of Magic an eine klassische Spielerfahrung denkt, wird wohl überrascht werden. Denn als Audio-Game wird hier etwas geboten, was man in dieser Form eher selten erlebt.

Ein Audio-Game

Sound of Magic muss man sich als interaktives Hörspiel vorstellen. Dabei steuern wir unsere Spielfigur durch die Welt, welche uns über Beschreibungen, Dialoge und Sounds vermittelt wird. Unser Charakter beschreibt also, was er sieht, führt Gespräche und interagiert mit seiner Umgebung. In diesem Spiel wird also eigentlich alles geboten, was wir von klassischen Adventure-Games gewohnt sind. Wir durchschreiten die Spielwelt, lösen Rätsel und treiben so die Handlung voran. Der Unterschied ist die Tatsache, dass man hier auf jegliche Visualisierung verzichtet hat. Wie bei einem Hörspiel bleibt es unserer Fantasie überlassen, wie wir uns die beschriebene und von Sounds untermalte Welt eigentlich vorstellen. Doch statt nur zuzuhören und uns von der Handlung treiben zu lassen, müssen wir in Sound of Magic selbst aktiv werden – Ein toller Ansatz, der mich an alte Textadventures erinnerte.

Steuerung & Gameplay

Für ein Audio-Game wie Sound of Magic sollte man sich ein wenig Zeit nehmen; Sucht Euch einen gemütlichen Platz, stöpselt Eure Kopfhörer ans Smartphone, schließt die Augen und beginnt Euer Abenteuer. Damit Sound of Magic auch wirklich seine „Magie“ entfalten kann, muss man sich ein wenig auf die Erfahrung einlassen. Anders als bei einem einfachen Hörspiel können wir hier nämlich nicht abschalten, sondern sind von Anfang gefordert, unsere Spielwelt wahrzunehmen und mit ihr zu interagieren.

Mit dem Wischen über unser Smartphone navigieren wir durch die Areale der Spielwelt, treten mit Charakteren in Dialog, nehmen Gegenstände auf oder wirken Zaubersprüche. Die Gameplay-Mechaniken bauen also vollständig auf eine einfache Touch-Steuerung auf, ermöglichen aber dennoch hohe Interaktionsmöglichkeiten. In Sound of Magic müssen wir nämlich nicht einfach nur über unser Smartphone wischen, sondern die Spielwelt aktiv wahrnehmen und auf Hinweise achten. Einige Rätsel erfordern das Beschaffen und Kombinieren verschiedener Gegenstände und Zauber, was für ein Spiel ohne jegliche Visualisierung durchaus als komplex benannt werden kann. Besondere Erwähnung verdienen die Zauber, welche wir im Verlauf des Spiels erlernen und mit dem Zeichnen bestimmter Runen auslösen. Dieses Magie-System erinnert mich stark an Arx Fatalis, ist jedoch einfacher umgesetzt und harmoniert ganz hervorragend mit der Touch-Steuerung eines Smartphones.

Sound of Magic - Das Menü auf dem Smartphone

Das Menü von Sound of Magic ist ebenfalls vollständig vertont. Bei Bedarf können wir uns die Steuerung oder bereits erlernte Zauber auch noch mal erklären lassen, sollten wir diese vergessen haben. Starten wir ein neues Abenteuer, wird unser aktuelles Abenteuer gelöscht, wir können entsprechend nicht mehrere Spielstände zugleich haben.

Um Spieler in diese eher ungewohnte Spielumgebung einzuführen, ist der erste Abschnitt von Sound of Magic als Tutorial angelegt, in welchem die Gameplay-Mechaniken Schritt für Schritt erklärt werden. Keine Sorge; Dass ganze ist in meinen Augen sehr gelungen und fügt sich fugenlos ins Gesamtspiel ein. Auch die Steuerung selbst wird nicht nur gut vermittelt, sie ist auch angenehm einfach und zugleich funktionell gehalten, sodass die einzelnen Befehle und Zauber schnell in Fleisch und Blut übergehen.

Setting & Story

Sound of Magic spielt in der generischen Fantasy-Welt Azalen, welche von Orks, Paladinen, Sumpfmonstern und allerlei anderen Klassikern des Genres bevölkert wird. Im Spiel erkunden wir fünf verschiedene, größere Schauplätze, die sich stark voneinander abheben. Von einer Stadt bis zum modrigen Sumpf wird uns hier eine gute Palette an Lokalitäten geboten, welche der Welt ein interessantes Antlitz verleihen und Lust auf mehr machen. Man merkt, dass die Spielwelt liebevoll erdacht und umgesetzt wurde, auch wenn sie primär auf klassischen Fantasy-Elementen aufbaut.

Wir selbst schlüpfen in Sound of Magic in die Rolle des Herzlosen Magiers, welcher aus zunächst ungeklärten Gründen und ohne Erinnerung in seinem eigenen Kerker erwacht. Es ist nun an uns, die Erinnerung des Magiers zurückzuerlangen, was auch unsere Antriebskraft ist, die verschiedenen Schauplätze des Spiels zu erkunden. Schnell wird uns klar, dass wir als Herzloser Magier alles andere als einen guten Ruf genießen und uns zunächst bemühen sollten, Inkognito zu bleiben, bis wir zu unserer alten Stärke zurückgefunden haben. Im Verlauf der Handlung treffen wir auf verschiedene Charaktere, welche uns auf unserem Abenteuer begleiten und dem Herzlosen Magier unter die Arme greifen.

Sound of Magic - Die Runen für die Zaubersprüche

Sound of Magic verzichtet fast vollständig auf eine Visualisierung, jedoch ziehen wir beim Wischen über unser Smartphone eine magische Aura hinter uns her, welche sich blau schimmernd präsentiert.

Die ca. nun Stunden umfassende Handlung hat mir recht gut gefallen und bot allerlei interessanter Ansätze. Entwickler Everbyte hat es sich zur erklärten Aufgabe gemacht, mit Sound of Magic junge als auch ältere Spieler anzusprechen und ein humorvolles Fantasy-Abenteuer mit klassischen Märchen-Elementen zu bieten. Das ist auch weitestgehend gelungen, obwohl Abstriche gemacht werden müssen. Besonders als älterer Spieler muss man sich mit allerlei Design-Entscheidungen arrangieren, die einer kindgerechten Aufmachung des Spiels zugutekommen. Das trübt jedoch nicht die insgesamt gut geschriebenen Charaktere, welche mir durchaus einige Male ein Schmunzeln abringen konnten. So spielt Everbyte mit den selbst gewählten Klischees und schafft so die Dosis Humor, welche das Spielgeschehen angenehm begleitet, aber nicht störend in Erscheinung tritt.

Sound

Für die Qualität eines Audio-Games ist das Sound-Design natürlich einer der wichtigsten Aspekte, um den Spieler auch in die Spielwelt eintauchen zu lassen. Die Sprecher leisten in Sound of Magic wirklich hervorragende Arbeit und verleihen den Charakteren und Wesen ein stimmiges Auftreten. Diese Qualität kommt nicht von ungefähr, denn für Sound of Magic wurden einige Sprecher verpflichtet, welche bereits aus Spielen wie Hearthstone, World of Warcraft, Final Fantasy sowie Resident Evil bekannt sind. Entsprechend merkt man, dass hier erfahrene Sprecher am Werk sind, die das richtige Gespür für ihre Rollen mitbringen.

Anmerken möchte ich an dieser Stelle, dass einige der Sprecher mehrere Rollen einnehmen, was nicht wirklich störend ist, da besagte Sprecher eine ausreichende Stimmvariation bereit halten und jeder Charakter eine individuelle Klangfarbe besitzt. Weiterhin greifen hier die bereits erwähnten Design-Entscheidungen, welche die Charaktere zwar ernsthaft, aber eben kindgerecht auftreten und klingen lassen.

Die Welt von Azalen hat ebenfalls eine tolle akustische Umsetzung erhalten, was ab der ersten Spielminute deutlich wird. Der Kerker wird schon allein durch seinen Klang in der Fantasie des Spielers sichtbar, was ganz klar für Sound of Magic spricht. Diese hohe Qualität an Ambiente-Sounds und Umgebungsgeräuschen kann Sound of Magic weitestgehend halten, wobei die Abmischung den Gesamteindruck ein wenig dämpft. Das Problem ist, dass die Umgebungsgeräusche im Verhältnis zur Lautstärke der Sprecher ein wenig zu leise sind. Das fällt kaum störend auf, wenn ich aber Abends im Bett lag und die Lautstärke heruntersetzten wollte, waren mit entweder die Sprecher zu laut oder eben die Hintergrundgeräusche ein wenig zu leise. Eine Option beide Geräuschquellen individuell einzustellen, wäre großartig gewesen, aber auch so ist das keinesfalls ein Beinbruch, sondern nur eine Kleinigkeit, die auch dem individuellen Hörempfinden zugeschrieben werden muss.

Sound of Magic - Barrierefrei für blinde Spieler

Am ehesten lässt sich Sound of Magic mit Kopfhörern und geschlossenen Augen spielen, um gänzlich in die magische Welt um den Herzlosen Magier herum einzutauchen. Tatsächlich ist dieses Audio-Game für blinde Spieler vollständig barrierefrei, ohne dass dafür Einschnitte in Sachen Gameplay hingenommen werden müssten.

Also keine Sorge; Das Sound-Design ist wirklich gelungen und ich schätze die Details und Ideen, welche Everbyte hier hat einfließen lassen. Wichtig ist aber tatsächlich, dass der wirkliche Hörgenuss am ehesten über Kopfhörer zustande kommt. Zwar kann man auch über die Lautsprecher seines Geräts spielen, aber hier entgeht einem doch eine Menge der „Magie“, welche das Spiel potenziell entfalten kann.

Fazit

Mit Sound of Magic hat Entwickler Everbyte ein Audio-Game geschaffen, welches sich angenehm von der breiten Masse der Smartphone-Spiele abhebt und eine völlig unverbrauchte Spielerfahrung bietet. Besonders Kindern würde ich dieses interaktive Hör-Abenteuer uneingeschränkt empfehlen und auch Erwachsene können in der gut geschriebenen Welt abtauchen, wenn sie sich darauf einlassen.

Steuerung und Gameplay sind gelungen und harmonieren ganz hervorragend mit den Touchscreens von Smartphone und Tablet. Die Rätsel im Spiel sind relativ simpel gehalten, erfordern aber eben eine ordentliche Portion Vorstellungskraft, um sie innerhalb der lediglich hörbaren Welt zu lösen. Die Komplexität der Aufgaben nimmt im Verlauf des Spiels zu, bewahrt aber immer einen nachvollziehbaren Rahmen, sodass kein Frust einsetzt. Besonders die Integration der Zaubersprüche in die Spielwelt hat mir gut gefallen und es machte Spaß, mit der Magie zu experimentieren.

Die Soundqualität ist ebenfalls zu loben und macht Sound of Magic zu einem echten Hörerlebnis, welches mir äußerst gut gefiel. Zwar könnte die Abmischung der Sounds noch ein wenig Feinschliff vertragen, jedoch schmälert das in keiner Weise den sehr positiven Gesamteindruck.

Interessierten Lesern würde ich ganz klar die Demo zu Sound of Magic empfehlen, welche ca. 30 Minuten Gameplay bietet und einen sehr guten Ersteindruck zum Spiel vermittelt. Die Vollversion kann für 4,49 Euro erworben werden, was ich als angemessenen Preis erachte, wenn Qualität und Umfang der Vollversion bedacht werden. Wer sich auf Sound of Magic einlassen kann, wird ein paar wunderbare Stunden in einer lebendigen als auch spaßigen Fantasy-Welt verbringen. Ich für meinen Teil hatte eine tolle Zeit und wäre für weitere Abenteuer dieser Art mehr als zu haben.

Sound of Magic ist im Play Store für Android als auch im App Store für iOS verfügbar und steht dort als kostenlose Demo-Version bereit. Nach Download der Demo kann die Vollversion via In-App-Kauf für 4,49 Euro erworben werden. Werft bei Interesse also zunächst einen unverbindlichen Blick auf die Demo und entscheidet Euch anschließend, ob Euch diese Art von Spiel überhaupt zusagt.

Johann von Ti
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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, Filme und blöde Ideen zu haben. Nebenher auch noch Student in Medien und Geschichte.
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