Spielen mit dem Smartphone

Smartphones sind multimediale Alleskönner, deren Bedeutung für Videospiele nicht zu unterschätzen ist.

Generation Smartphone; Als ich ein Kind war, und ja, dieser klischeehafte Spruch schreit mich förmlich an… nun, also; Als ich ein Kind war, da waren Handys primär mobile Telefone, auf welchen man unterwegs erreichbar blieb und furchtbar teure SMS verschicken konnte. Im Grunde hatten die klobigen Kästen damals auch wenig mit dem gemein, was wir heute so gerne mit uns herumtragen – Die heutigen Handys, bzw. Smartphones sind längst keine einfachen Kommunikationsgeräte mehr, sondern multimediale Alleskönner. Wir surfen im Netz, hören Musik, spielen Games – Und tatsächlich lässt sich mit den Teilen auch noch telefonieren, ziemlich praktisch also.

Die Digital Natives

Während man meine Generation gerne als „Digital Natives” (also digitale Ureinwohner) bezeichnet, muss festgehalten werden, dass wir zwar mit den ersten Handys aufwuchsen, aber Smartphones erst ein paar Jahre später auf den Plan traten. Für sich genommen keine große Sache; Tatsächlich fällt es den so genannten Ureinwohnern der digitalen Welten recht leicht, neue Technologien anzunehmen, immerhin sind die Grundlagen immer sehr ähnlich. Dennoch sehe ich persönlich einige Unterschiede, wenn ich mich mit dem kleinen Bruder meiner besten Freundin vergleiche, die besonders die Welt der Videospiele betreffen.

In den letzten Jahren hat mein Smartphone-Konsum doch erheblich zugenommen – Während ich das Ding zunächst primär als Musik-Abspielgerät und zur Kommunikation mit Freunden nutze, sind die Anwendungsbeieiche mittlerweile umfassend gestiegen; Navigation, Surfen, endloses gescrolle auf 4chan und 9gag und eben auch Spiele. Meine Beziehung zu Videospielen und Handys ist dabei recht lang – Schon als Knirps hatte ich das alte Nokia meiner Mutter entwendet, um Space Invaders, später auch Snake spielen zu können; Lange Autofahrten waren wie gemacht für solche Spielchen. Diese frühe Begegnung mit den Handy-Spielen wurde aber unterbrochen; Der Gameboy. Mit dem GameBoy Advance SP (man, ich muss das Ding mal bei meinen Eltern suchen, ich hatte The Legend of Zelda: The Minish Cap nie durch geschafft…) war das Handy als mobiles Spielgerät für mich völlig abgeschoben. Handy-Spiele waren damals nie komplex und konnten weder mit optischer Pracht, noch spielerischer Finesse überzeugen – Natürlich gab es schon grundsolide Spiele, aber wenn man wirklich was spielen wollte, hatte man deutlich potentere Alternativen.

GameBoy Advance SP in schwarz

Achja, der GameBoy Advance SP… welch schöne Kindheitserinnerungen ich mit diesem kleinen Ding doch verbinde. Hier im übrigen eine Exemplar in schwarz, meiner war damals grau, hoffentlich finde ich das Ding wieder.

Keine Welt für mich

Ich war schon immer primär auf dem PC unterwegs, wenn es um Videospiele geht – Daher war auch der Gameboy nie mein primäres „Spielgerät“ – Auf Autofahrten, im Urlaub oder beim Besuch bei Oma war der graue Kasten natürlich am Start, aber wenn ich am PC Stronghold oder Anno spielen konnte, waren auch hier meine Prioritäten klar gesetzt. Und diese Prägung gilt bis heute, womit ich wieder bei dem Bruder meiner besten Freundin wäre. Dieser spielt auf dem Smartphone (und dem Tablet) deutlich mehr, als ich es je tun würde (gut, mittlerweile ist er älter geworden und stolzer Besitzer einer PS4, weshalb sich auch hier die Prioritäten verändert haben). Die mobile Version von Minecraft ist da so ein schlagendes Beispiel; Ich tue mich recht schwer mit der Touch-basierten Steuerung und kann auch wenig mit dem reduzierten Inhalt der mobilen Version des Klötzchen-Spiels anfangen. Hier fehlt es mir an ganz entscheidenden Kriterien; Als passionierter PC-Spieler, welcher auch Minecraft unzählige Stunden mit Maus und Tastatur gespielt hat, fällt es mir entsprechend schwer, neue Eingabegeräte zu benutzen. Das ist bei Konsolen-Titeln mit ihrer Controller-Steuerung mittlerweile nicht mehr so wild (ich bin erst vor 2-3 Jahren in die Welt der Konsolen eingetaucht), aber diese Steuerung auf dem Smartphone liegt mir nicht wirklich. Dabei geht es nicht um ein Verständnis oder die grundlegende Fähigkeit diese Steuerung zu nutzen, viel mehr fehlt mir das Gefühl der „absoluten Vertrautheit“, womit für mich viel Spaß verloren geht. Die Steuerung fühlt sich unsauber, klobig an; Das mag auch stimmen, jedoch kann einem in diesem Zusammenhang wohl jeder Knirps ein Schnippchen schlagen und zeigen, wie genau man mit dieser Steuerung spielen kann. Sogar Mehrspieler-Shooter werden mittlerweile auf Smartphones angeboten… Keine Welt für mich.

Die Smartphone Generation

Doch für die Kinder ist das alles Normalität; Sie wurden mit diesen Formen von Spielen groß und saugen sie geradezu auf. Nichts ungewöhnliches, jede Generation an Spielern hatte die Geräte ihrer Zeit und diese Phase, wo man alles, was man in die Finger bekam, spielte. In Zeiten, in welchen Smartphones und Tablets allgegenwärtig sind, ist es kaum verwunderlich, wenn genau diese Geräte von Kindern als primäre Spiel-Geräte genutzt werden. Und ein weiterer Punkt spielt hier hinein; Während ich mir als junger „Erwachsener“ mittlerweile jedes Spiel kaufen kann, welches ich gerne möchte, ist es als Kind deutlich schwerer, an Spiele heranzukommen. Mit Smartphones ist dies wiederum recht leicht, denn die App-Stores bieten zahllose Titel, wobei viele dann auch noch kostenlos gespielt werden können. Über Qualität, Datenschutz oder Werbung denken Kinder dabei auch wenig nach; Hier zählt zunächst das Spiel und auch neue Erfahrungen zu machen. Dass das potenzielle Probleme hervorrufen kann und Kindern in meinen Augen deutlich mehr Medienkompetenz vermitteln werden sollte, soll hier aber nicht weiter ausgeführt werden (damit meine ich im übrigen nicht den technischen Umgang mit den Geräten, sondern viel mehr die Sensibilisierung in Sachen Datenschutz & Co).

Smartphone

Die Tatsache, dass ich nicht mit Smartphones groß geworden bin, äußerst sich vor allem in der Tatsache, dass ich Smartphones eher weniger als Spielplattform nutze, sondern eher als praktischen Alleskönner im Alltag.

Während der Bruder meiner Freundin also einen Großteil seiner frühen Spieler-Erfahrungen auf mobilen Geräten (Smartphone & Tablet) gesammelt hat, wuchs ich eben mit dem PC auf, weshalb wir auch anders spielen. Mittlerweile bin ich ja auch ab und an am Smartphone und spiele da – Hier muss ich aber gestehen, dass diese Spiele zumeist nur eine simple Aufgabe haben; Zeit schinden. Auf längeren Zugfahrten, vielleicht auch mal in der Uni (nur ganz selten, lel) oder wenn man auf ein paar Kumpels wartet – Das sind die Momente, wo ich dann ein völlig belangloses Spiel auf dem Smartphone spiele. So was in Richtung Doodle Jump ist da bis heute bei mir verankert. Für wirklich komplexere Sachen nehme ich mir tatsächlich nie die Zeit, obwohl ich da schon einiges auf dem Smartphone hatte und auch aktuell habe. Kleine Adventure- oder Point&Click-Geschichten schaffen es immer wieder, von mir aufs Smartphone geladen zu werden, aber letztlich verstauben die Titel nur, während ich die hundert Stunden in They Are Billions voll mache.

Die Zukunft wird spannend

Der Bruder meiner Freundin hat da ganz andere Ansätze; Er spielt auf dem Handy nicht als reine Zwischenbeschäftigung, sondern einfach, weil er Lust hat, etwas zu spielen. Für ihn sind komplexere Spiele auf dem Smartphone kein Problem, sondern viel mehr ein Angebot, welches er freudig entgegennimmt. Und hier setzt wiederum eine Entwicklung ein, die ich sehr spannend finde: Mit der technischen Entwicklung steigt auch die Qualität, in welcher Spiele auf dem Smartphone angeboten werden können. Mittlerweile ist nichts mehr von dem Pixelbrei des alten Nokias meiner Mutter zu spüren, viel mehr entdecke ich plötzlich alte Herzensbrecher meiner Kindertage auf dem Smartphone wieder – Grand Theft Auto: San Andreas erhielt zum Beispiel eine Umsetzung für iOS und Android (soweit ich weiß wurden eine ganze Reihe der alten GTA-Titel für Smartphones fit gemacht) und soll sich darauf überraschend gut spielen. Ich kann dazu zwar nichts sagen, aber dennoch fasziniert es mich, dass wir heute nun solche Perlen der Videospiel-Geschichte auch auf den Smartphones wiederfinden. Das ist für mich eine Entwicklung, welche zeigt, wohin die Reise gehen wird und wie wichtig man das Smartphone im Gaming-Bereich einschätzen muss (auch wenn ich wohl nie komplett umsteigen würde). Ich bin zumindest enorm gespannt darauf, was da in den nächsten Jahren auf uns zukommen wird.

Johann von Ti
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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, FIlme und blöde Ideen zu haben. Nebenher auch noch Student und Jünger von Hopfen und Malz.
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