Steam – Segen oder Fluch?

Steam ist erfolgreich, die Nutzerzahlen sind astronomisch. Doch was macht die Online-Vertriebsplattform so beliebt?

Nun, heute wird es mal wieder persönlich, es geht um Steam. Ich muss sagen, dass Steam es anfangs echt schwer hatte. Ich habe nicht grade die beste Internetleitung, daher bin ich allem, was mit einem Online-Zwang zu tun hat allgemein abgeneigt (siehe Online-Zwang und Kopierschutz). Es will mir halt einfach nicht in den Kopf, dass man mich zwingen will, permanent Online zu sein, nur um ein schon erworbenes Spiel spielen zu können – das klingt ja so schon absurd. Doch damit Steam vernünftig funktioniert, muss man Internet besitzen. Bevor man ein Spiel installiert, muss man es mit seinem Steam-Account verknüpfen, wer kein Internet hat glotzt auf einen dunklen Bildschirm und kann sein Spiel wieder ins Geschäft tragen. Und fällt das heimische Netz mal aus, kann man auch die eigenen Spiele nicht mehr spielen, super Vorstellung. Doch wie sieht es wirklich aus?

 

Eine anfängliche Feindschaft

Über die Jahre hat sich Steam echt gemacht. Anfangs ein Kritiker bin ich jetzt zu einem recht zufriedenen Nutzer geworden. Mit Steam musste ich anfangen, nachdem ich mir Napoleon: Total War zugelegt hatte. Damals wusste ich von Steam, umging diese Plattform aber so gut wie möglich. Nun hatte ich aber plötzlich ein Spiel, welches nur mit Steam zu spielen war. Also startete ich den Download und erstellte meinen Account. Damit war ich also Teil von Steam, doch damit war ich noch lange nicht begeistert von Steam – ganz im Gegenteil. Mich störten die gezwungenen Updates nach der Installation des Spiels, diese dauerten nämlich bei meiner lahmen Leitung eine halbe Ewigkeit und in der Zeit konnte ich mein neues Spiel ja nicht spielen. Wirklich besser wurde das Verhältnis zu Steam nicht. Viel eher manifestierte sich meine Abscheu gegen den Online-Zwang, denn damals funktionierte der Offline-Modus noch schlechter als jetzt. Doch wann folgte die Wende?

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Rabatte, Rabatte und Rabatte

Die kam erst in den letzten Jahren. Steam hat viel für die eigenen Nutzer getan, und das sieht man echt selten. Fangen wir mit dem offensichtliche an; Rabatte! Ja, Steam reduziert oft und viel – Frühling, Sommer, Herbst und Winter oder einfach am Wochenende, Steam hat immer einen Grund bestimmte Titel zu niedrigeren Preisen anzubieten und das kommt dem Nutzer natürlich entgegen. Auch gibt es oft die Möglichkeit ein Spiel für einen begrenzten Zeitraum zu testen. Doch schadet das nicht den Entwicklern? Ich denke nein, ich gehe sogar soweit, dass hier jeder gewinnt. Steam macht natürlich Geld, ob das Spiel reduziert ist oder nicht, ist dabei eher zweitrangig, so hat Steam mit den nicht vom heimischen Valve produzierten Titeln keine Entwicklungskosten zu tragen. Der Kunde spart natürlich Geld, zumindest vorerst. Denn meist kauft man durch die vielen Rabattaktionen wiederum mehr, als man normalerweise gekauft hätte – doch man bekommt viel für sein Geld geboten und wer ein begehrtes Spiel 50 Prozent reduziert erhalten kann, freut sich natürlich. Und sogar die Entwickler gehen dabei nicht leer aus. Steam hat gigantische Nutzerzahlen und deckt so einen riesigen Markt. Wer sein Spiel auf einer aktuellen Steam Seite stehen hat, kann mit massiven Interesse der Fans rechnen und mit dementsprechend hohen Verkaufszahlen. Dadurch verkauft man sein Spiel vielleicht nicht immer zum vollen Preis, aber dafür in viel höherer Stückzahl. Hinzu kommt natürlich, dass Spiele die rein über Steam erworben werden, also nicht im Laden erstanden wurden, viel Günstiger an den Mann zu bringen sind. So entfallen natürlich Kosten für die Datenträger und Verpackung sowie Transportkosten.

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Grünes Licht für Indie

Doch gibt es noch andere Gründe außer Günstige Games? Aber ja! Valve unterstützt auf Steam Indie Entwickler. Und zwar massiv und sehr intelligent. Damit meine ich natürlich Steam Greenlight. Mit dem „grünen Licht“ entscheiden die User, welche Ideen sie auf Steam sehen wollen und wer nicht überzeugen kann. Das ist natürlich wieder eine Win-Win Situation für alle. Indie Entwickler erhalten die Möglichkeit Ihre Projekte einem breiten Publikum vorzustellen und können auf die Wünsche der Spieler eingehen, können sie überzeugen können sie Ihr fertiges Spiel auf einen Schlag einem riesigen Markt zur Verfügung stellen ohne selbst großen Aufwand betreiben zu können. Wir Spieler erhalten maßgeblich Mitspracherecht und können das Angebot von Steam aktiv mitgestalten – es werden nur Spiele unterstützt, die von den Nutzern unterstützt werden – genial. Und letztlich hat auch Steam seinen nutzen, so kann man mit den geförderten Spielen sein Angebot weiter ausbauen und kann viele Indie Titel zum Teil exklusiv an den Mann bringen, hinzu garantiert die Zustimmung der Nutzer eine gewisse Kaufkraft die natürlich wieder Gewinne einfährt.

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Der frühe Vogel

Doch damit es noch nicht zu Ende, denn Steam macht auch hier nicht Schluss. Mit Early Acces kann man Spiele schon in frühen Entwicklungsphasen kaufen und spielen. Damit ist wieder einmal jeden geholfen. Entwickler erhalten schon früh erste Einnahmen für Ihr Projekt und erhalten Zeitgleich wichtige Rückmeldung von den Spielern – auf diese Weise können Bugs viel schneller gefunden und das Spiel besser für die Nutzer optimiert werden. Die Spieler beteiligen sich also aktiv an der Entwicklung eines Spiels und helfen mit Ihrer Meinung, am Ende können sie dann wiederum auf ein besseres Spiel hoffen. Weiterhin sind sie sehr früh bei der Entwicklung des Spiels dabei und können im Laufe der Zeit deutlich die Verbesserungen spüren, auch haben sie natürlich viel früher Spaß am Spiel. Bestes Beispiel ist hierbei vermutlich die Standalone Version von DayZ.

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Modding ist cool

Und es ist immer noch kein Ende in Sicht, not bad Steam. Denn nicht nur Indie Entwickler werden unterstützt, Modder bekommen die Beachtung, die ihnen gebührt! Steam bietet für einige Spiele umfangreiche Modding-Unterstzützung, dieses Angebot wird weiter ausgebaut und mehr und mehr Titel werden aufgenommen. Modifikationen können unkompliziert vorgenommen und hochgeladen werden, über Datenbanken kann jeder Modder seine Daten jedem Nutzer zur Verfügung stellen – ein Traum! Damit erhalten Spiele nicht nur einen deutlich längeren Langzeitspaß, auch gibt es Hobby-Entwicklern erste Schritte zu machen und damit deutliche Erfolge zu feiern, welche man dann als Sprungbrett nutzen kann. Wir Spieler erhalten völlig kostenlos neue Inhalte – das kann ja nur gut sein.

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Nutzer beraten Nutzer

Langsam muss aber Schluss sein… ok, einen hab ich noch. Steam Reviews bringt User-Bewertungen zu Spielen mit sich. Auf diese Weise können wir vor dem Kauf einen direkten Eindruck von anderen Spieler erhalten und so abwägen, ob sich ein Kauf wirklich lohnt. Hier geht man dem Kunden wieder aktiv entgegen und lässt ihn wieder ein wenige mehr Teil des Ganzen werden. Jeder Spieler, der dass Spiel besitzt und gespielt hat, kann nun allen anderen Nutzern erzählen, ob und wie gut ihm ein Spiel gefallen hat und was es zu bemängeln gab. Ich könnte diese Liste an positiven Fakten sogar noch weiterführen, Konto mit der Familie teilen, große und organisierte Community inklusive Events und so weiter.

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 Fazit

Jetzt habe ich aber eine ganze Menge gesabbelt, doch die Frage bleibt, ist Steam ein Fluch oder Segen? Ich denke, dass wir mittlerweile von einem Segen sprechen können, oder zumindest von einer Plattform, bei welcher der Nutzer sich aufgehoben fühlen kann. Ich sehe hier eine so deutliche und positive Entwicklung, dass ich mich auf die nächsten Jahre mit Steam freue. Ich freue mich auf die vielen Mods, neue Indie Titel und den vielen Rabattaktionen. Wir werden sehen, ob Valve mit Steam OS und den Steam Machines auch so erfolgreich werden kann wie mit Steam. Natürlich ist Steam nicht perfekt, der Offline-Modus hat seine Macken und der ein oder andere Fehler lässt sich sicherlich finden, doch ich bin sehr zufrieden mit Steam und seinem ganzen Umfang.

Johann von Ti
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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, FIlme und blöde Ideen zu haben. Demnächst nebenher auch noch Student und Jünger von Hopfen und Malz.
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