The Walking Dead: Ein auf ewig währender Kriegszustand?

Moin ihr Nasen! Ich melde mich hier auch mal wieder zu Wort. Denn, ja wer glaubt’s, meine Uni hat dieses Semester einen sehr interessanten Kurs angeboten: The Politics of Game of Thrones – Understanding International Politics through Popular Culture.

Wie der Name schon vermittelt, geht es darin hauptsächlich darum, politische Theorien auf bekannte Film- oder Serienformate zu übertragen. Den Großteil des Kurses beschäftigten wir uns mit den einzelnen Häusern der Serie Game of Thrones und studierten deren Verhalten beim Kampf um den Eisenen Thron. Gegen Ende des Kurses waren einige Sitzungen vorgesehen, die wir als Kurs frei gestalten konnten – deshalb möchte nun hier einige Auszüge meines Themas zu präsentieren.

Dabei habe ich mich mit der erfolgreichen Serie The Walking Dead beschäftigt, die ich auf Theorien über das menschliche Verhalten in einer Welt der Anarchie setzte. Wer die Zombie-Serie also noch nicht gesehen hat, sei vorgewarnt: Es folgen Spoiler bis zur 8. Staffel!

The Walking Dead und der Naturzustand

Doch wie sieht die Situation in TWD eigentlich aus? Wie kann man das Verhalten der einzelnen Gruppen erklären? Welche Strategie benutzen sie, um ihr Überleben zu sichern?

Dazu erläutere ich zunächst den sogenannten Naturzustand, um dann näher auf die Theorien von den beiden Philosophen Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau einzugehen. Wir werden uns mit ihrem Verständnis der menschlichen Natur beschäftigen, und wie die verschiedenen Überlebensstrategien von Individuen in der Welt der Anarchie aussehen würden.

Anschließend versuche ich, diese beiden Sichtweisen auf TWD zu übertragen und komme letztendlich zu meinem Fazit.

-ACHTUNG SPOILER-

Kurzer Überblick über TWD

Hier nun eine kurze Zusammenfassung von TWD. Damit will ich noch mal ins Gedächtnis rufen, auf welche Gruppen wir im Laufe der Serie schon getroffen sind und wie sich diese verhalten haben.

Sheriff’s Deputy Rick Grimes wacht aus einem Koma auf und entdeckt eine Welt, die von Zombies überrannt wurde. Es gibt keine übergeordnete Regierung mehr, kein Apparat, der die Leute steuern könnte oder sie zum Einhalten bestimmter Regeln verpflichtet. Nachdem er endlich seine Familie gefunden hat, sieht sich die kleine Gruppe schon bald mit neuen Problemen jenseits der Zombies konfrontiert.

In diesem anarchischen Zustand finden die Überlebenden in einem nahe gelegenen Gefängnis Zuflucht. Dort treffen sie auf einige überlebende Gefangene, denen sie jedoch nicht vertrauen. Der Konflikt spitzt sich zu, bis die Inhaftierten schließlich von Ricks Gruppe getötet werden. Inzwischen entdeckt Andrea, die von Rick’s Gruppe getrennt wurde, die kleine Siedlung “Woodbury”, welche unter der Leitung des selbst ernannten Gouverneurs steht. Auf den ersten Blick wirkt der Gouverneur friedlich und nett, aber die Gruppe merkt bald, dass er es auf die Ressourcen im Gefängnis abgesehen hat. Nach dem Showdown und Verlusten auf beiden Seiten zieht die Gruppe weiter und findet die Siedlung “Terminus”, wo eine Gruppe von Kannibalen lebt. Nach der Zerstörung von Terminus findet Rick’s Gruppe eine Stadt namens “Alexandria”, in der sie bis heute leben. Alexandria ist eine relativ große Siedlung mit einer Bürgermeisterin an der Spitze. Kurz darauf erfahren sie von einer weiteren nahe gelegenen Siedlung, der “Hilltop”-Kolonie, mit deren Bewohnern sie ein Bündnis bilden, um sich gegenseitig zu unterstützen. Auf ihren Erkundungstouren kamen sie auch mit mehreren kleinen Grüppchen einer großen Bande namens “Negan” in Kontakt, die sehr gut ausgerüstet sind und ohne zu zögern Menschen töten. Negan und seine Anhänger die Saviours sind extrem skrupellose Menschen, die in ihrer Siedlung ein relativ gut funktionierendes System aufgebaut haben: Die Arbeiter und Bauern an der Basis sorgen für Lebensmittel und alles andere Notwendige um zu überleben, während die Saviours als Kampftruppe die Gegend erkunden, plündern und Kontakt mit anderen Gruppen aufnehmen. Negan kontrolliert neben diesem System auch verschiedene Siedlungen, wie Hilltop und später auch Alexandria, die ihm regelmäßig Steuern zahlen müssen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Saviours wahllos Menschen in der Siedlung töten oder Negan jemanden mit seinem Baseballschläger zu Tode prügelt. Nach einer Weile schließen sich die Siedlungen jedoch zusammen, um Negan’s Terrorherrschaft zu beenden, was in einem offenen Krieg mündet.

So viel erst mal zur Serie – jetzt kommen wir zur Theorie.

Der Naturzustand

Mit dem Gedankenspiel des Naturzustands wird auf verschiedene Vorstellungen von der menschlichen Natur verwiesen. Er bezieht sich auf eine theoretische Situation, ein Konzept, ohne übergeordnete Autorität oder Regierung, die den Einzelnen zwingen könnte, sich auf eine bestimmte Weise zu verhalten. Wir nennen diesen Zustand oft auch Anarchie: einerseits ist man ohne Regeln und Grenzen völlig frei, andererseits gibt es niemandem der einem Sicherheit geben kann und somit können Konflikte leicht auftreten und eskalieren.

Wir wollen uns dabei auf die Ideen von Hobbes und Rousseau konzentrieren, weil sie sehr unterschiedliche Vorstellungen von der menschlichen Natur haben und wie man sich in einer solchen Situation verhalten würde.

Thomas Hobbes und Leviathan

Laut Hobbes ähnelt der Naturzustand einem Kriegszustand, in dem jeder Mensch eine ständige Gefahr für den anderen darstellt. Er nennt diesen Zustand einen “Krieg aller gegen alle”. In einer solchen Welt können die Menschen nicht friedlich miteinander leben, weil jeder Einzelne mit der permanenten Angst vor dem Tod konfrontiert wird.

Das Naturrecht erlaubt es dem Menschen, alle Mittel zur Sicherung seines Überlebens einzusetzen, führt aber auch zu einer weitverbreiteten Unsicherheit. Der natürliche Kriegszustand kann nur überwunden werden, wenn man einen friedenssichernden Staat schafft. Dabei stellt der Staat sicher, dass tatsächlich alle ihr Recht auf den Einsatz aller Mittel aufgeben, was bedeutet, sie geben es an den Staat ab.

Derjenige, der zum Herrscher ernannt wird, ist gleichzeitig der Souverän, der das Recht auf absolute Macht in legislativer, exekutiver und judikativer Hinsicht hat. Der Souverän kann seine Macht nicht aufgeben und die Untergebenen sind ihm bedingungslosen Gehorsams schuldig. Zudem kann der Souverän von seinen Untertanen nicht rechtmäßig beschuldigt oder angeklagt werden.
Er nennt diesen absolutistischen Souverän den Leviathan, ein Bezug auf ein biblisches Meeresmonster.

Rousseau und der Gesellschaftsvertrag

Rousseau hat dagegen ein positives Bild der menschlichen Natur. Dementsprechend hat er auch ein positives Bild vom Naturzustand: Es gibt Fülle und Leichtigkeit, keine Moral, kein Eigentum und es herrscht kaum Ungleichheit. Er sagt auch, dass Mitgefühl den menschlichen Egoismus besänftigt.

Seine Vorstellungen vom Naturzustand zeichnen eine scheinbar paradiesische Welt, in welcher der natürliche Mensch ein friedliches Leben führt. Die Menschen leben zerstreut und im Einklang mit der Natur. Dabei nehmen sie sich nur das, was sie zum Überleben brauchen.
Im Naturzustand besitzen Menschen zudem eine Form der Vernunft, von der sie jedoch nicht abhängig sind. Sie benötigen diese nur, wenn sie in Gesellschaft leben. Rousseau macht mit Blick auf Hobbes auch deutlich, dass der Mensch im Naturzustand nicht böse sein kann.

Er sieht dabei die Sozialisation als eigentlichen Niedergang:
Mit der Entwicklung des menschlichen Geistes entwickelt sich gleichzeitig der Egoismus des Menschen. Grüppchenbildung führt zur Entstehung von Moral und Anstand. Gleichzeitig beendet die Anhäufung von Eigentum die natürliche Gleichstellung. Man verliert mit der Sozialisation seine natürliche Freiheit und beginnt Gewalt anzuwenden, um Macht auszuüben.

Vergleich Hobbes – Rousseau

Für Hobbes ist der Mensch in seinem natürlichen Zustand nicht in der Lage, friedlich mit anderen Menschen zusammenzuleben – nur die Gesellschaft kann diese Situation beheben und Sicherheit und Frieden auf der Grundlage eines absolutistischen Staates schaffen. Rousseau sieht das große Problem in der Gesellschaft, die den natürlichen Menschen negativ verändert und die natürliche Ordnung zerstört. Für ihn ist es die Gesellschaft, welche die negativen Eigenschaften des Menschen, die er im natürlichen Zustand nicht besitzt, hervorbringt.
Da es für Rousseau jedoch unmöglich ist, in den Naturzustand zurückzukehren, muss ein Gesellschaftsvertrag in Form einer Demokratie geschaffen werden, um die negativen Exzesse der Gesellschaft zu bekämpfen.

-ACHTUNG SPOILER-

Situation in TWD

Aber wie kann man das alles auf TWD übertragen? Natürlich ist es schwer, in dieser Welt der Anarchie am Leben zu bleiben, sodass Einzelpersonen und auch kleine Gruppen gezwungen sind, sich in größeren Gruppen zu organisieren, um sich gegenseitig mehr Sicherheit zu geben.
Von Anfang an begleiten wir dabei Rick Grimes, der durch seinen Mut und seine Selbstlosigkeit schnell die Rolle des alleinigen Führers übernimmt.

Natürlicher Zustand nach Hobbes:

In TWD handelt sich im Grunde genommen um einen natürlichen Zustand nach Hobbes. Alles – Zombies und Menschen – ist eine Gefahr, aber es gibt einen großen Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen. Wenn man Zombies trifft, ist es eindeutig, was sie wollen. Sie wollen dein Fleisch und Blut, sie wollen dich einfach töten und nichts anderes. Diese Tatsache ändert sich im Laufe der Zeit auch nicht. Wenn man einen Menschen oder eine ganze Gruppe trifft, wissen wir zuerst nicht, was sie wollen. Sind sie grausam und gewalttätig wie Negan & seine Saviours oder handelt es sich um eine friedliche Gruppe, die (fremden) Menschen gegenüber freundlich gesinnt ist?

Menschen haben Waffen, die sie potenziell gefährlicher machen als Zombies. Aber natürlich will niemand einen unschuldigen Menschen töten – vor allem nicht in einer Welt, in der die Zahl der Menschen abnimmt. Selbstverständlich möchte aber auch niemand getötet werden und weil die Nahrungsressourcen begrenzt sind, kann man davon ausgehen, dass jeder zumindest den Anreiz hat für Nahrung zu töten.

Wir sehen das in der Serie, wenn Ricks Gruppe zum ersten Mal auf den Governer in Woodbury trifft: Auf den ersten Blick scheint es, als wäre Woodbury eine normale Gemeinschaft und der Governer ein netter Anführer, der das Beste nicht nur für seine Stadt, sondern für alle Überlebenden will. Erst später zeigt er seine wahren Motive, denn er will Ricks Gruppe töten, um ihre Ressourcen zu seinem Vorteil zu nutzen und so auch dauerhaft seine Macht zu erhalten.

Die gleiche Situation sehen wir später in Terminus. Anfangs freundlich haben die Bewohner nichts anderes getan, als neue Opfer anzulocken, um diese später zu verspeisen. Wie wir jedoch in einer Rückblende sehen, tun sie dies nicht ohne Grund. Nachdem sie immer wieder schlechte Erfahrungen mit anderen Gruppen gemacht hatten, von denen sie sogar gefoltert und ausgeraubt wurden, schworen sie, dass so etwas nie wieder passieren würde.

In TWD sehen wir auch eine starke anti-liberalistische Sichtweise. Vertreter des Liberalismus sehen gut funktionierende Staaten oft als “organisierte Banden von Kriminellen”, während TWD von der Prämisse ausgeht, dass der Staat – der in der TWD durch große Gruppen vertreten ist – das ist, was uns voreinander schützt.

Negan und seine Saviours:

Eine sehr interessante Gruppe in TWD sind Negan und seine Saviours. Sie versuchen nicht einmal, nett zu sein. Sie sind offen gewalttätig und zeigen dies anderen Gruppen ganz deutlich. Negan hat ein so gut funktionierendes Machtsystem um sich herum aufgebaut, dass er einfach nicht mehr nett zu anderen sein muss. Er kann alles tun was er will, denn sogar seine Anhänger fürchten ihn und sind ihm bedingungslos ergeben.

Wenn man Negan genauer betrachtet, sieht man, dass er den Staat repräsentiert und sich in vielerlei Hinsicht wie der Souverän nach Hobbes verhält:
Er organisierte Hunderte von Menschen um sich herum und etablierte ein funktionierendes System, damit seine Leute alles bekommen konnten, was sie zum Überleben brauchen (insbesondere Nahrung und Waffen). Davon profitieren jedoch nicht nur Negan & die Saviours: Wenn man es grundlegend betrachtet, bekommen auch die Arbeiter und Bauern an der Basis zumindest alles Wesentliche, was sie zum Leben benötigen.

Und am Wichtigsten: in der Region ist seine Gruppe eine anerkannte Autorität geworden, was wir unter anderem daran erkennen können, dass Negan andere Siedlungen (Hilltop, Alexandria) zwingt, ihnen 50 % von allem zu geben, was sie besitzen und erwirtschaften.
Im Gegenzug werden sie am Leben gelassen und – nach Negans Worten – von den Saviours beschützt.

Wie man sehen kann, ist Negan die Verkörperung von der Regierungsmacht, sodass wir ihn leicht mit Hobbes Leviathan vergleichen können.
Nach Hobbes Meinung müssen Menschen bestimmte Freiheiten aufgeben und dem Leviathan diese übertragen, damit die Einhaltung der Ordnung gewährleistet ist. Die Aufgabe dieser Freiheiten ist der Preis, um diesen endlosen wahllosen Krieg zu entkommen.
Wir haben in TWD bis jetzt noch nicht gesehen, wie Negan zu dem wurde, was er ist. Von dem was wir in der Serie gesehen haben und was wir aus den Comics wissen, ist klar, dass Negan davon ausgeht, er tue, was getan werden muss. Er ist der Überzeugung, seine brutalen Handlungen würden dem Gemeinwohl dienen und er will auf diese Weise sich selbst und andere vor einem schlimmeren Schicksal zu bewahren.

Negan glaubt genau wie Hobbes, dass es für jeden notwendig ist, einen Leviathan zu haben: Seiner Meinung nach brauchen die Menschen jemanden, der sie einschüchtert, damit sie sich nicht gegenseitig angreifen. Letztlich meint er nichts anderes, als diesen von Hobbes beschriebenen Kriegszustand zu überwinden.

Theorie des menschlichen Mitgefühls:

Was Rousseau von Hobbes unterscheidet, ist seine Theorie des menschlichen Mitgefühls, dass das Streben nach Selbsterhaltung moderiert. Rousseau behauptet, dass menschliches Mitgefühl das Handeln bestimmt.

Während Hobbes darauf besteht, dass Menschen ohne Regierungsgewalt anfällig für die Launen und Triebe der Leidenschaft sind, behauptet Rousseau, die eigentliche Quelle für die Notwendigkeit einer Regierungsautorität ist, dass man die Fähigkeit Mitgefühl zu empfinden verliert. Rick übernahm seine Rolle als Autorität wegen eben dieses Zusammenbruchs des menschlichen Mitgefühls – nämlich der Zombie-Apokalypse, welche die Menschheit ins Chaos stürzt.
Ricks Mitgefühl lenkt seine Handlungen und erst wenn seine Selbsterhaltung in Gefahr ist, reagiert Rick mit Angst.

Man kann TWD kaum mit Rousseaus Naturzustand vergleichen, da man durch die postapokalyptische Welt ständig mit Gewalt konfrontiert wird. Alleine die Existenz von Zombies als zusätzlichen Faktor macht es unmöglich, von einem paradiesischen Leben des Menschen in Einklang mit der Natur zu sprechen.

Ihr merkt: Der eigentliche Naturzustand von Rousseau ist auf TWD nicht übertragbar. Interessant ist aber Rousseaus Idee der Volkssouveränität im Falle einer staatlichen Ordnung.

Hierzu werfen wir einen Blick auf Rick und seine Führungsweise innerhalb der Gruppe. Trotz der Tatsache, dass wir uns in einer anarchischen Welt befinden, sind die Menschen immer noch im Wesentlichen sozial und zivilisiert – im Gegensatz zu Hobbes, wo man sich in einem dauerhaften Kriegszustand befindet. So scheint es fast selbstverständlich für eine bestimmte Person in einer Gruppe zu sein, die Verantwortung des Anführers zu übernehmen. Und obwohl Rick im Laufe der Serie hin und wieder strauchelt, erkennt man gerade in seiner Gruppe eine demokratische Linie, die sich durch die Handlung zieht. Im Gefängnis bildeten einige ausgewählte Personen ein Art Rat oder Senat, der wichtige Entscheidungen traf. Auch in Alexandria sucht Rick immer wieder das Gespräch mit den restlichen Bewohnern um das weitere Vorgehen zu besprechen. Letztendlich ist es die Gruppe selbst, die ihren Anführer Rick legitimiert, indem sie ihm immer wieder in die Gefahr folgt.

Zudem ist Rousseau der Überzeugung, dass staatliche Gewalt vom Willen des Volkes ausgehen muss. Er vertritt damit die Idee der Volkssouveränität. Obwohl er in seiner Theorie vom Gesellschaftsvertrag sehr radikale Ansätze vertritt, wie beispielsweise der Abschaffung des Privateigentums, erkennt man deutlich Grundzüge einer demokratischen Regierungsform.

Fazit

Was bei TWD im Vergleich zu anderen Zombie-Szenarien in Filmen oder Serien interessant ist, ist Folgendes: Normalerweise sind es Zombies, die für die Menschen den Untergang bedeuten. Dagegen sehen wir in TWD, dass von menschlichen Gruppen die weitaus größere Gefahr ausgeht und die Zombies werden zum Nebenschauplatz.
Auch wenn wir einige Elemente des natürlichen Zustands von Rousseaus finden können, ist es letztendlich eindeutig Hobbes Naturzustand in der Show.

Durch die Zombies ist es in dieser Welt unausweichlich, gewalttätig zu sein. Außerdem würde ich unterstellen, dass durch die (größtenteils :D) menschliche Form der Zombies, die Leute mit der Zeit durchaus den Skrupel verlieren, auch andere Menschen zu töten, falls diese eine Gefahr für das eigene Überleben darstellen.
Wenn zwei Gruppen aufeinandertreffen, versuchen sie fast immer sich gegenseitig zu dominieren oder Abstand zu halten; es scheint ihnen nie in den Sinn zu kommen zu verhandeln, um letztlich beidseitig voneinander zu profitieren.

Abgesehen von Ricks Gruppe.

Es ist für mich als Zuschauer also keine Sendung, die sich vorrangig um Zombies dreht. Vielmehr werden hier verschiedene Vorstellungen gegenübergestellt, wie sich die menschliche Natur in dieser postapokalyptischen Welt entwickeln würde. Und obwohl der Großteil der Gruppen äußerst aggressiv vorgeht und meist auf den eigenen Vorteil bedacht ist, finde die Vorstellung einer grundlegend demokratisch geprägten Gruppe, die sich letztlich mit Gewalt den Frieden erkämpft, faszinierend.

Ihr merkt, TWD zeichnet ein sehr düsteres Bild der menschlichen Natur. Das wird auch noch einmal am Ende der 8. Staffel deutlich, als die vermeintliche Personifikation des Bösen Negan endlich besiegt ist – aber schon wieder die ersten Komplotte geschmiedet werden.

TWD hat für mich sehr stark angefangen und dann nach und nach abgenommen. Die Serie drehte sich immer wieder im Kreis, bis schließlich Negan auftrat und für mich einen der bisher interessantesten Charaktere etablierte. Ich kann nur hoffen, dass dieser wieder mehr in den Fokus gerät, um an das Niveau zu Beginn der Show wieder anzuknüpfen.

In diesem Sinne möchte ich diesen kleinen Exkurs nun abschließen und beende meine Gedanken mit den berühmten Worten:

„Fight the Dead. Fear the Living.“

Machts gut und bis zum nächsten Mal! 🙂

Titelbild: © AMC

Elena

Film-Nerd, Expertin für Organisation und Bezwingerin des Ödlandes. Ansonsten Studentin und auch noch als Lektorin und Redakteurin am Start – Huch, ganz schön taff!
Elena