Verdun – Early Access

Der Krieg, der alle Kriege beenden sollte – Dieser Shooter schickt uns in die Gräben der Westfront!

Ich bin ein Geschichtsfan und war schon immer etwas traurig, dass es nur wenige Spiele gibt, welche den Ersten Weltkrieg als Setting auserkoren haben. Die Anzahl ist sogar so verschwindend gering, dass ich die wenigen Titel nicht mal an einer Hand abzählen kann. Da wundert es nicht, dass es bei Shootern noch enger wird und ich eigentlich keinen Titel nenne könnte – fast keinen Titel. Denn mit Verdun gibt es nun seit einiger Zeit ein Early Access-Spiel, welches uns in die Graben-Kämpfe des Großen Krieges wirft und uns mit Gewehr, Mörser und Bajonett aufeinander hetzt. Mal was anderes, oder?

Verdun - Early Access - Menü

Verdun hatte ich schon länger im Blick, war jedoch durch den für mich erst mal hohen Preis von rund 20 Euro abgeschreckt. Bei Early Access sollte man da wirklich vorsichtig sein, denn immerhin kauft man ein Spiel, welches vielleicht nie fertig wird. Doch während des Steam Summer Sales war der Shooter reduziert und einem Kauf stand erst mal nichts mehr im Weg. Und dann ging es auch schon los.

Entwarnung

Zunächst einmal Entwarnung; Der Entwickler kümmert sich wirklich um sein Projekt und sorgt ständig für Verbesserungen des Spiels. Diese beständige Arbeit zeigt Früchte und im Moment haben wir mit Verdun einen gut spielbaren Titel, dem man seine frühe Entwicklungsphase aber noch deutlich anmerkt. Da gibt es noch Bugs, die Performance hat noch klare Schwächen und auch sonst gibt es an allen Ecken ordentlich Potenzial. Und doch macht das Spiel schon jetzt wirklich Spaß, was vermutlich besonders an dem angenehm unverbrauchten Setting liegt.

Verdun - Early Access - Deutscher Angriff

Hintergrund

Es herrscht Krieg im Westen; nach einer anfänglich gut verlaufenden Offensive der deutschen Truppen in Richtung Frankreich, befinden sich alle beteiligten Parteien in einem reinen Stellungskrieg. Die Schlacht um Verdun wird zum Sinnbild des Ersten Weltkrieges, in welchem Soldaten in den Schützengräben um Ihr Leben kämpften. Dieser Krieg wurde zum reinen Material-Krieg; Massenhaft eingesetzter Artilleriebeschuss schuf Mondlandschaften, erstmals wurde Giftgas großflächig eingesetzt und tausende Soldaten starben, um ein paar Meter des Niemandsland zu erobern, nur um sie am Tag darauf wieder zu verlieren.

Verdun - Early Access - Schweres MG

Die Maps

Und dieses Situation wurde im Spiel ganz gut umgesetzt; Da haben wir matschige Gräben, gefährliche Stacheldraht-Zäune, tote Pferde und eine Menge Niemandsland, welches erobert werden will. Die Karten unterscheiden sich auf den ersten Blick eher weniger, trotzdem merkt man vor allem nach mehreren Spielen die feinen Unterschiede. Wer jetzt aber Maps fernab von Gräben erwartet, ist hier falsch. Alle Karten sind Schlachtfeldern entlang der Westfront nachempfunden und sehen dementsprechend aus. Das ist aber keinesfalls schlecht, sondern eine echte Abwechslung gegenüber der sonstigen Maps bei Shootern. Wer brauch bitte noch eine Stadt oder Container Map? Der letzte Graben in dem ich geschossen habe war in Call of Duty 2 – Damit kann man sich bei den Maps nicht beschweren, sie geben das wieder, was sei sein wollen – Schlachtfelder der Westfront.

Verdun - Early Access - Die Westfront

Gameplay

Momentan gibt es „nur“ 2 Spielmodi. Zum einen haben wir da das Rifle Deathmatch, in welchem die Spieler allein mit Gewehren aufeinander treffen. In diesem Modus heißt es jeder gegen jeden und hier kann ordentlich Tempo aufkommen, was ein wenig an die guten alten Shooter erinnert. Nervig sind hier Camper, da dieser viele Plätze finden, um sich in den Dreck zu legen und auf Gegner zu warten. Dieser Modus macht Spaß, ist aber ganz klar nur als Beiwerk zu betrachten, das Herzstück des Spiels liegt im zweiten Modus.

Verdun - Early Access - Deutscher Spähtrupp

Und dieser setzt auf ein ausgeprägtes Team-Spiel, welches durch klare Squads bestärkt wird. So schlüpfen wir im Modus Frontline in die Rolle eine der Kriegsparteien und werden Mitglied einer 4-Mann Einheit. Von diesen Einheiten gibt es wiederum 2 Variationen, die innerhalb der Squads verschiedene Einheiten-Typen mit unterschiedlicher Ausrüstung Kombinieren. Dadurch haben wir auf Deutscher Seite die Alpen Jäger, welche als Kundschafter eingesetzt werden. Sie orten die Position des Feindes und geben diese an die restliche Truppe weiter, ab diesem Punkt geben Scharfschütze und Kundschafter unterstützendes Feuer. Die andere Truppe sind die Landser, welcher die eigentliche Kampf-Einheit darstellt und mit schweren MG und Granaten in den Graben-Kampf zieht. Auf französischer Seite haben wir 2 Gleichwertige Einheiten-Gruppen, was ausgeglichene Kämpfe ermöglicht. In den Gefechten sammelt man durch erfolgreiche Aktionen wie das ausschalten von Gegnern Punkte, mit welchem man mit der Zeit neue Waffen für seine Klasse freischalten kann. Wie man das findet bleibt jedem selbst überlassen, ich finde es immer doof, wenn man bessere Waffen erst nach längerem spielen nutzen darf. Trotzdem machen die Kämpfe von Anfang an Spaß.

Verdun - Early Access - Die Einheiten Typen

Die Kämpfe

Und diese Gefechte werden verbissen geführt! Die Kämpfe lasse sich am ehesten mit dem Rush-Modus aus Battlefield vergleichen. Dabei versuchen beide Parteien abwechselnd den Frontverlauf zu ihren Gunsten zu verschieben. Heißt; Es geht von Graben zu Graben, die eine Seite versucht Ihren zu verteidigen, während die andere Versucht ihn zu erstürmen. Nach einer bestimmten Zeit werden dann die Rollen getauscht und es geht in die andere Richtung. Ist eine Stellung gestürmt, versucht man diesen gegen Gegenangriffe zu halten und in der nächsten Angriffsphase einen weiteren zu erobern. Damit hat man ein recht schnelles hin und her, was aber Spaß macht und aktives Team-Spiel belohnt. Taktisch organisierte Angriffe können feindliche Linien in Windeseile brechen, während kopfloses Stürmen auf den feindlichen Graben schnell mit einem Kopfschuss endet.

Verdun - Early Access - In der Stellung

Der Nahkampf mit Pistole, Bajonett und Gewehrkolben hat aber noch seine Probleme – So ist das Bajonett in meinen Augen noch ein bisschen zu Schwach, so dauert es zu lange einen Gegner auf diese Weise auszuschalten, da die Animation einem einfach zu lange bindet. Hier schaffe ich es so gut wie nie mehr als einen Gegner niederzuringen, da ich während der Aktion meist niedergeschossen werden, da ich nicht ausweichen kann. Weiterhin sind die Granaten noch ein wenig „steif“ und können nur bei sehr gezielten Einsatz Schaden verursachen. Das ist nicht zwingend schlecht, ich sehe hier aber Verbesserungspotential.

Fazit

Alles in allem ist Verdun im Moment ein netter Shooter, welcher ein unverbrauchtes Setting bereit hält, gute Voraussetzungen für ausgeprägtes Team-Speiel bietet und insgesamt wirklich Spaß macht. Daher muss man hier nach eigenen Geschmack und Interesse Entscheiden; Wer wie ich Geschichtsfanatiker ist und sich für den Ersten Großen Krieg interessiert, sollte zuschlagen. Wer nach einem neuen Shooter ala Call of Duty sucht, sollte lieber die Finger von der Materie lassen. Mein Tipp; versammelt ein paar Freunde, denn erst in einer festen Gruppe mit Team-Speak entfaltet sich das ganze Potenzial der taktischen Graben-Kämpfe.

 

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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, Filme und blöde Ideen zu haben. Nebenher auch noch Student in Medien und Geschichte.
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