Virtuelle Realität in der Film-Industrie

Aktuell wird die Welt der Games erweitert, aber auch Filme könnten von der neuen VR Technik profitieren!

Auch die Filmindustrie ist schon lange Teil der großen Digitalisierung unserer Gesellschaft geworden und so gut wie überhaupt kein Film hatte nicht in irgendeiner Form eine digitale Bearbeitung oder gar vollständige Erstellung bzw. Ergänzung. Egal ob man dabei die Beleuchtung, bestimmte Details, ganze Szenen oder Effekte anpasst und ergänzt – Ohne digitale Techniken würden die Effekte heutiger Hollywood-Filme kaum möglich sein, so wie zum Beispiel ganz aktuell in Dr. Strange. Dieser Umstand kann durchaus stören, immerhin ist, egal wie gut die Technik heute auch sein mag, eine vollständig digital erstellte Welt nicht so „real“ wie eben ein echtes Set. Man merkt doch stark, wenn Filme zu sehr digital erstellt bzw. bearbeitet wurden. Dennoch bietet dieser Tatsache auch Möglichkeiten, die uns in Sachen „Erlebtes“ Kino einen ganzen Schritt nach vorne bringen könnten.

3D war nur der Anfang

3D“ sollte ja eigentlich unser Kino-Erlebnis revolutionieren, doch in der Realität sind die Ergebnisse eher bescheiden. Natürlich gibt es gute Ansätze und mancher Film profitiert durchaus, dass ein gewisser 3D Effekt Anwendung findet, doch in der Regel könnte man auch gut und gerne darauf verzichten. Das Problem ist dabei, dass so ein 3D Effekt in einem Film nicht mal so viele Möglichkeiten bereit hält, weil wir so oder so szenisch die Handlung verfolgen. Die Effekte lassen uns damit zum Teil in das Geschehen „Eintauchen“, wobei diese Wirkung immer stark begrenzt wird. Keiner wird das Gefühl haben, wirklich „neben“ den handelnden Figuren zu sitzen oder gar Teil der Action zu sein. Heutige 3D Technik im Film ist eben eine nette Sache, in keinem Falle aber eine enorme Innovation in der Darstellungstechnik.

Erlebtes Kino

Doch die aktuellen Entwicklungen in Sachen virtuelle Realität bieten die Möglichkeiten, genau hier eine Revolution in Sachen „erlebtes Kino“ zu bieten bzw. „erlebten Film“. Die ist dabei recht simpel: Durch die Nutzung aktueller Technik in Form von Headsets wie die Rift oder die Vive (in naher Zukunft sicherlich auch neuerer Vertreter) können Filme nun ganz anders erlebt werden. Dabei müsste man aber, um auch wirklich einen Effekt zu erzielen, den Film auch auf diese neue „Leinwand“ einstellen/erstellen. Eine Idee wäre ein Film, in dessen „virtueller Welt“ der Zuschauer tatsächlich ist. Dabei würde nicht mehr einzelne Szenenbilder allein existieren, sondern vielleicht sogar ganze virtuelle Welten, in welchen die Handlung stattfindet. Der Zuschauer könnte nun selbst entscheiden, wo er hinschaut, vielleicht sogar, wo er sich in der Welt befindet. Mitten im Geschehen, oder aus sicherer Entfernung.

Eine einfachere und damit recht gut umzusetzende Idee wäre wiederum, dass man die Darstellungsform klassischer Filme anwendet und nur leicht erweitert, indem man den bekannten „3D“ Effekt Erweitert. Damit könnten zum Beispiel „Geschosse“ aus dem Film mit viel eindrucksvolleren Effekten an unseren Köpfen vorbeifliegen. Gleichzeitig könnte man das szenische Bilde auf den „rund um Blick“ des Zuschauers erweitern, der plötzlich auch über, hinter und neben sich Details der Handlung wahrnehmen könnte. Auf diese Weise könnten Filme vielschichtiger angelegt werden und Details in einem Umfang bieten, wie es heute nur erträumt werden kann. Dabei muss aber beachtet werden, dass man die Feinheiten der Technik auch richtig mit der Darstellung synchronisiert, denn der Zuschauer darf auch nicht mit zu vielen Reizen, bzw. Ereignissen um ihn herum „überfordert“ werden. Man muss weiterhin darauf achten, welche Details des Films man wo zeigt, damit der Zuschauer diese auch nicht verpasst. Eine größeres „Sichtfeld“ ist dabei also auch eine größere Herausforderung, um wichtige Inhalte der Handlung richtig in Szene zu setzen.

Horror und Action profitieren besonders

Ich könnte mir gut vorstellen, dass anfangs besonders für VR ausgelegte Formate gut funktionieren; Dabei denke ich speziell an Horror-Filme, Action-Filme (im Stil von „Hardcore“) und tatsächlich bestimmte Formen von Dokumentationen. Hier sind Punkte wie „filmische“ Handlung auf Basis von Darstellungskriterien zu vernachlässigen, was den Möglichkeiten der virtuellen Realität viel Raum gibt – Stellt Euch einen Horror-Film vor, bei dem der Wahnsinn um Euch herum passiert, oder einen Actionfilm, bei dem Ihr die Sicht eines der Protagonisten einnehmt – Gut umgesetzt hat dieser Form der filmischen Darstellung in meinen Augen riesiges Potenzial und erste Ergüsse gibt es ja schon.

Noch müssen wir warten

Leider ist die Filmindustrie noch nicht so wirklich auf den VR Trend aufgesprungen. Lediglich einige spezielle „Trailer“ für herkömmliche Filme als auch einige 360° Projekte bieten per Tastendruck einen „Rundumblick“, was jedoch massiv dadurch gestört wird, dass wir diesen Rundumblick manuell angeben müssen. Weiterhin sind die 360° Projekte in erste Linie nichts besonderes und bieten wenig zusätzliches Entertainment durch die neue Aufnahmefunktion. Die VR Technik sollte in absehbarer Zeit weitaus spannendere Projekte auf den Weg bringen, sodass die virtuelle Realität nicht nur unsere Gaming Landschaft erweitert, sondern auch das Kino revolutionieren könnte.

 

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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, Filme und blöde Ideen zu haben. Nebenher auch noch Student in Medien und Geschichte.
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