Wie vertrauenswürdig sind Vergleichsportale?

Wir kennen es vermutlich alle; vor einer neuen Anschaffung befragen wir zunächst das Internet, wo wohl das attraktivste Angebot zu finden wäre. Früher oder später landet man dann auch gerne auf einem der zahlreichen Vergleichsportale, auf welchen die Anbieter von Waren und Dienstleistungen zu den vermeintlich besten Konditionen aufgeschlüsselt sein sollen. Als ich kürzlich das Thema Affiliate-Marketing in einem Artikel aufgriff, spielten die Vergleichsportale ebenfalls eine Rolle, denn diese sind es, welche sich primär über diese Vermittlungsprovisionen finanzieren. Doch sind Vergleichsportale mit diesem Hintergrund überhaupt vertrauenswürdig?

Vergleichsportale werden immer beliebter

Vergleichsseiten im Internet gewinnen seit Jahren beständig an Bedeutung. Immer mehr Nutzer suchen im Internet gezielt nach den Portalen, welche eine Orientierung im Angebots-Wirrwarr versprechen. Kostenlos und direkt werden hier Dienstleistungen, Versicherungen, Anbieter oder Produkte verglichen – ganz sicher ein bequemer Service, welchen Viele vor dem Einkauf gerne in Anspruch nehmen. Bei Vergleichsportalen handelt es sich zum Beispiel um Seiten wie VERIVOX, Swoodoo oder Planetkey. Es zeigt sich dabei, dass für eigentlich jede Branche eigene Vergleichsportale existieren. Und mit solchen Seiten vergleicht man dann hunderte oder tausende Angebote mit nur einem Tastendruck; wer hätte schon genügend Zeit, um selbst die Konditionen der jeweiligen Anbieter und Händler in Erfahrung zu bringen und gegenüberzustellen? Vergleichsportale bieten also eine kostenlose Orientierung, welche schnell und einfach genutzt werden kann. Im Grunde eine super Sache für die Kunden, doch natürlich ist es nicht ganz so einfach.

Kommerzielle Anbieter

Denn wir müssen uns eine Sache bewusst machen: Die allermeisten Vergleichsportale sind kommerzielle Anbieter und keine Plattformen, welche sich dem Verbraucherschutz verschrieben haben. Das bedeutet, dass diese mit ihrem Angebot natürlich Geld verdienen wollen. Das wird vornehmlich über Affiliate-Programme realisiert. Schließen Kunden über die Vergleichsportale Käufe oder neue Verträge ab, werden in der Regel Provisionen ausgeschüttet. Die Vergleichsportale stehen also über ihre Affiliate-Programme in einer gewissen Geschäftsbeziehung zu den Anbietern und Händlern. Das ist für sich genommen noch kein direktes Problem. Jedoch impliziert es zumindest die Gefahr, dass die Provisionen Einfluss auf die dargestellten Rankings nehmen könnten. Dabei stellen einige Vergleich-Portale die Angebote hervor, welche besonders gute Provisionen abwerfen. Diese werden dann farbig hervorgehoben oder gesondert empfohlen, auch sind die Filter der Plattformen nicht unbedingt im Interesse der Nutzer voreingestellt, sondern müssen für einen neutralen Vergleich angepasst werden.

Auch werden manchmal Werbeplatzierungen vorgenommen, welche dann zum Beispiel über dem eigentlichen Ranking auf „Position 0“ erscheinen. Auch diese werden dann als „Experten-Tipp“ oder ähnliches betitelt. Den Nutzern wird dabei nicht immer transparent dargestellt, dass es sich hier um erkaufte Platzierungen, also eigentlich Werbung handelt. Weiterhin sollte darauf geachtet werden, wie das Vergleich-Portal mit Anbietern und Angeboten umgeht, welche an keinem Programm für Vermittlungsprovisionen teilnehmen – mit welchen das Online-Portal also kein Geld verdienen kann. Es kann durchaus sein, dass solche Angebote dann gar nicht, oder unauffälliger dargestellt werden. Eine weitere Frage ist die generelle Abdeckung: Welcher Anteil des Marktes wird auf dem Portal überhaupt dargestellt? Einige der Seiten zeigen lediglich eine stark eingeschränkte Auswahl an Angeboten, welche für diese vermutlich besonders lukrativ sind.

Vergleich-von-Handys-auf-Verivox

Auf VERIVOX wird zum Beispiel über dem eigentlichen Vergleich der Tarife eine Anzeige präsentiert. Diese ist farblich gesondert hervorgehoben und ansonsten im Stil der Ranking-Anzeige gehalten. Dennoch wird dies klar als „Anzeige“, also Werbung ausgewiesen.

Es zeigt sich also ein Transparenz-Problem, denn oft wird nicht klar, nach welchen Kriterien die Anbieter ihre Rankings aufstellen. Wie kommt die Reihenfolge der Angebote zustande, welche Faktoren spielen eine gewichtige Rolle?

Sicherheit & Seriosität

Letztlich muss bedacht werden, dass viele Vergleichsseiten keine umfassenden Hintergrundchecks durchführen, was zum Beispiel die finanzielle Situation oder die generelle Seriosität der Anbieter betrifft. Das gilt natürlich nicht für alle Vergleichsseiten, dennoch wird man nicht selten mit dieser „Nachlässigkeit“ konfrontiert.

So wurden im Zusammenhang mit der BEW (Bayerische Energieversorgungsgesellschaft) zahlreiche Nutzer durch extrem attraktive Angebote gelockt, um später mit massiven Preiserhöhungen konfrontiert zu werden. Letztlich musste die BEW Insolvenz anmelden und die betroffenen Kunden sich um einen neuen Anbieter bemühen.

Aber auch Gamer können durchaus von fehlender Qualitäts-Sicherung betroffen sein. Viele warten für günstige Games längst nicht mehr auf einen Sale auf einer der großen Plattformen wie Steam oder GOG, sondern suchen im Netz nach Preisvergleichsseiten für Keys. Dort werden dann die günstigen Anbieter aufgeschlüsselt. Problematisch wird es, wenn nicht sicher ist, ob die angezeigten Seiten die Spiele-Keys auch aus seriösen und sicheren Quellen beziehen. Es kann durchaus vorkommen, dass einige der Anbieter-Seiten Keys anbieten, welche zum Beispiel über Kreditkarten-Betrug erworben wurden und gesperrt werden, sobald der Betrug auffällt. Auch werden immer wieder Keys angeboten, welche bereits eingelöst und nicht mehr gültig sind oder aber nicht in Deutschland eingelöst werden können, ohne dass dies transparent hervorgehoben wird. Diese Problematik tritt primär bei Marktplatz-Seiten wie Kinguin oder G2A auf, welche die Keys nicht selbst anbieten, sondern lediglich die Plattform zum Verkauf der Keys bereitstellen.

Tipps zur Nutzung von Vergleichsportalen

Es scheint fast so, als würde es kaum positive Aspekte für die Vergleichsseiten geben. Dennoch würde ich nicht generell von diesen abraten. Denn trotz aller Tücken, können die Portale wirklich nützlich sein. Jedoch sollte man wissen, wie man diese am besten verwenden sollte.

Mehrere Portale nutzen: Natürlich beansprucht jede Seite für sich, die besten Angebote zu zeigen. Dennoch ist es wichtig, unterschiedliche Vergleichsportale zu nutzen und die dort gezeigten Informationen zu vergleichen. Nur so erhält man die Chance, tatsächlich Geld zu sparen, zum Beispiel wenn ein Vergleichsportal bestimmte Rabatte durch sein Affiliate-Programm an die Kunden weitergibt.

Reine „Affiliate-Fallen“ meiden: Neben den besonders großen Anbieter-Seiten gibt es auch unzählige kleine Portale, welche ebenfalls transparente Vergleiche versprechen. Einige solcher Seiten, welche sich meiner Erfahrung nach oft auf Technik-Artikel spezialisiert haben, zeigen aber oft nur ein extrem beschränktes Angebot, welches zum Beispiel nur aus Amazon-Produkten besteht. Solche Vergleichsseiten sollte man meiden, da diese keinen wirklichen Vergleich bieten, sondern eine intransparente Auflistung von Affiliate-Links.

Vorsicht bei Tests: Viele Seiten bieten auch Tests von Anbietern oder Produkten an. Achtet dabei immer darauf, dass die Testkriterien klar definiert wurden! Im Test sollten sich diese Kriterien wiederfinden und das letztendliche Ergebnis begründen. Unseriöse Seiten haben zahlreiche Tests mit viel Text, die jedoch eigentlich nichts aussagen. Auch werden dort fast immer Top-Wertungen vergeben. Meidet am besten Vergleichsportale, welche solche Praktiken einsetzen.

Richtig filtern: Achtet auf die voreingestellten Filter! Diese sind nicht unbedingt darauf ausgelegt, die für den Kunden besten Angebote zu zeigen, sondern könnten die für das Portal ertragreichsten Partner hervorheben.

Details beachten: Der Teufel steckt oft im Detail; studiert aufmerksam das Kleingedruckte und die genauen Details des Angebots. Oft erschließen sich hier weitere Kostenpunkte wie zusätzliche Servicegebühren oder Tarifpreise, welche im Folgejahr massiv zulegen.

Kundenbewertungen zurate ziehen: Greift auf die Meinung anderer Kunden zurück, welche entweder die dargestellten Angebote, oder aber das gesamte Vergleichsportal bewertet haben. Dabei lohnt es sich auch, im Netz gezielt zu suchen und zum Beispiel Bewertungs-Plattformen, aber auch Foren-Einträge zu konsultieren. Hier erhält man oft schon einen guten Eindruck davon, ob mit Problemen gerechnet werden muss. Bleibt jedoch auch hier kritisch, da auch Kunden-Bewertungen längst eingekauft und manipuliert werden können. Daher ist eine breit gefächerte Suche ratsam.

Nutzerbewertungen-als-Hilfe

Ein wertvolles Hilfsmittel um eine Kaufentscheidung zu tätigen, können Bewertungen anderer Nutzer sein – hatten diese Probleme oder empfehlen sie das Angebot weiter? Aber Achtung: Auch bei solchen Bewertungen sollte man kritisch bleiben. Versucht auch hier mehrere Quellen für Nutzer-Wertungen gebündelt zu betrachten.

Fazit

Es zeigt sich also, dass Vergleichsseiten uns nicht die gesamte Arbeit abnehmen, wenn es darum geht, die besten und attraktivsten Angebote zu finden. Wir müssen selbst noch einigen Eigenaufwand investieren, um am Ende auch wirklich Nutzen aus den Service-Angeboten ziehen zu können. Dennoch können Vergleichsportale ein mächtiges Werkzeug darstellen, wenn wir nach den günstigsten Preisen für ein Produkt oder eine Dienstleistung suchen.

Für die Zukunft würde ich es mir wünschen, dass Vergleichsseiten stärker kontrolliert und reguliert werden würden, damit Missbrauch erschwert wird. Bis dahin muss jeder selbst darauf achten, welchen Portalen er sein Vertrauen schenkt.

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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, Filme und blöde Ideen zu haben. Nebenher auch noch Student in Medien und Geschichte.
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