WoW Classic – Meine ersten Schritte

Meine Anfänge in WOW

Es ist schon erstaunlich: Im Vorfeld war ich ja nun wirklich skeptisch, ob WoW Classic tatsächlich dem eigenen Anspruch gerecht werden könnte und wie wir Spieler auf die „authentische“-MMORPG-Erfahrung reagieren würden. Nun habe ich meine ersten 10 Level als mächtiger Krieger von Azeroth absolviert und muss gestehen, dass mich WoW Classic ganz schön in seinen Bann ziehen konnte. Ich will Euch meine ersten Eindrücke schildern und Euch an meinen glorreichen Abenteuern teilhaben lassen!

Zunächst muss ich mich mal als WoW-Boon outen, der zuvor tatsächlich noch nie World of Warcraft spielte! Ich war immer eines der Kinder, die den anderen auf dem Schulhof aufmerksam lauschten, wenn diese von ihren WoW-Erlebnissen am Wochenende berichteten. Monatliche Abo-Gebühren als auch eine absolut miserable Internet-Anbindung im Elternhaus hatten mich damals von einem Einstieg abgehalten. Gut also, dass ich diese Erfahrung nun nachholen und jetzt selbst von meinen coolen WoW-Abenteuern berichten kann!

Download, Abo und los

Aller Anfang ist schwer, aber der Download geht dann doch sehr fix. WoW Classic glänzt direkt mit einer wunderbar schmalen Download-Größe: Es sind gerade einmal 5 GB, die heruntergeladen werden müssen. Wer moderne MMORPGs spielt und nach Jahren auf einem anderen System neu installiert, wird wissen, dass das zum Teil gefühlte Ewigkeiten verschlingen kann, selbst mit einer recht potenten Leitung (Ja Herr der Ringe Online, ich spreche von dir!). Aber WoW ist im Handumdrehen, quasi nachdem der Kaffee gemacht ist, heruntergeladen und will gestartet werden. Aber vorerst wird ein Abonnement fällig, denn anders als im normalen WoW können wir Classic nur mit aktiven Abo spielen. Hier gibt es (noch?) keine Test-Version oder freie Spielzeit. Nun gut, wer die klassische Erfahrung will, der schließt auch ein Abo ab. Ich habe mich zunächst für nur einen Monat entschieden, wer direkt größere Zeiträume abschließt, kann ein paar Euronen sparen, man kennt diese Systeme ja. Neben dem Abonnement kann man auch Spielzeit einzeln kaufen. Der Unterschied: Bei gekaufter Spielzeit wird nach Ablauf dieser nicht automatisch verlängert.

Nachdem ich nun über ein aktives Abo bzw. ausreichend „Spielzeit“ verfügte, ging es los. An einem Samstag-Abend wagten wir uns auf die Server. Die meisten Realms waren voll, jedoch gab es auch einen mit niedriger Population, sodass uns zunächst lange Schlangen vor Questgebern und Mobs erspart bleiben würden. Es folgte der schwierigste Teil eines neuen MMORPGs: Was für einen Charakter spiele ich? Allianz oder Horde? Krieger oder Schurke? Mensch, Zwerg, Orc oder Troll? Zwar habe ich nie WoW gespielt, mit dem Warcraft Universum kenne ich mich aber dank Warcraft 3 und Southpark ganz gut aus („Clyde, knall ihn mit deiner Armbrust ab!“). Meine Wahl fiel letztlich auf die Allianz, einfach weil ich die Startgebiete der Menschen zuerst kennenlernen wollte. Um im selben Startgebiet beginnen zu können, war es klar, dass unsere gesamte Gruppe nun Menschen spielte. Am Ende waren wir ein Hexenmeister, eine Paladinöse (ein weiblicher Paladin halt, was weiß ich) und ein mächtiger Krieger! Besonders ich als Krieger sah auch mächtig dämlich aus und ich spürte förmlich, wie ich auf den Spuren von Randy Marsh wandelte.

WoW-Classic-Abtei-von-Nordhain

Neulinge unter den Menschen landen in der Abtei von Nordhain und beginnen hier ihre Abenteurer-Ausbildung.

Der Rundumschlag mit der Nostalgie-Keule

Die Charaktere waren erstellt, mein Energy-Drink stand stilecht bereit, die Sitzung im Discord lief: Es konnte losgehen. Eine kleine und durchaus eindrucksvolle Intro-Sequenz stellt kurz die Welt vor. Dann finden wir uns im Startgebiet der Menschen wieder; dem Wald von Elwynn. Die Waldgebiete südlich von Sturmwind, der letzten Bastion der Menschheit, sind recht friedlich und von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Die Menschen der Region fällen Bäume, bestellen Felder und treiben Minen in den Fels, um die Stadt mit einem beständigen Strom an Ressourcen zu versorgen. Wir starten bei der Abtei von Nordhain, wo unsere Abenteuer-Ausbildung beginnt. Als ich mich umschaue, erwischt sogar mich die Nostalgie-Keule, denn es ist schon erstaunlich, wie sehr hier alles Warcraft 3 gleicht. Ich fühle mich wie in eines meiner liebsten RTS-Games hineinversetzt.

Neben der Optik fällt mir auch die Steuerung direkt auf: Man muss einiges einstellen und anpassen. Zum Beispiel werden die Dialoge zunächst nach und nach aufgerollt und nicht direkt angezeigt. Auch können wir das automatische Plündern aktivieren und ganz allgemein enorm viele Einstellungen vornehmen. Was soll uns wie angezeigt werden, wie wird die Kamera positioniert, was ist mit den Aktionsleisten? Als Anfänger kann man sich hier ein wenig einrichten, aber es ist auch keine Wissenschaft. Viele Einstellungen gewinnen erst später an Relevanz und für den Start änderte ich zunächst sogar keine der Standardeinstellungen und kam trotzdem klar. Meine ersten abenteuerlichen Missionen konnten also beginnen.

Bei den Quests wird sehr deutlich, dass es sich bei WoW Classic um ein älteres MMORPG handelt, denn wir werden mit den typischsten Sammel-, Töte- und Lauf-Missionen konfrontiert. Ziehe los, und besorge mir sechs sehnige Wolfskeulen oder acht große Wachskerzen von den fiesen Kobolden aus den Minen nahe der Abtei. Laufe zum Hof und rette die Weinernte, aber töte dabei auch direkt die dort herumstreunenden Banditen und bringe ihre roten Kopftücher mit. Solltest du dann noch genug Zeit haben, dann überbringe diesen Brief, nur um anschließend den gesamten Weg zurück zu gehen, um eine Antwort zu übermitteln. In diesem „einfachen“ Stil präsentieren sich alle Aufgaben im Startgebiet – das Lesen der Aufgaben kann dabei ausgelassen werden, da diese Texte zwar nett, aber eben auch nicht wirklich relevant sind. Insgesamt ganz klassische MMORPG-Kost, im Grunde also das, was ich auch irgendwie von Classic erwartet hatte.

WoW-Classic-Durch-den-Wald-von-Elwynn

Zwar können wir uns mithilfe eines Runen-Steins te­le­por­tie­ren, jedoch ist dieser immer nur an einen Ort gebunden und hat eine hohe Abklingzeit. Die meiste Zeit sind wir also zu Fuß unterwegs und hoffen schnellstmöglich an ein Reittier zu kommen.

Eine Welt, die entdeckt werden will

Und während die Quests für sich genommen natürlich generisch daherkommen, zieht mich die Welt doch sehr stark in ihren Bann. Jedes neue Gebiet hat seinen ganz eigenen Charme und es macht Spaß, die Spielwelt zu erkunden. Die gelungene Musik untermalt das Ganze so stimmig, dass sich ein richtiger Sog entwickelt, in welchen man schon in den ersten Spielminuten gezogen wird. Es kommt dem Spiel in meinen Augen auch zugute, dass wir von einer Flut von Markern und Anzeigen verschont bleiben. Bei Missionen müssen wir schon darauf achten, wohin wir gehen sollen, denn auf der Minimap werden wir nicht direkt zum Ziel dirigiert. Natürlich ist das ganze nicht so kryptisch wie in einem Morrowind, meist müssen wir nur einige hundert Meter in eine bestimmte Richtung laufen oder einem Pfad folgen. Dennoch freut es mich, dass ich mich selbst orientieren darf und nicht blind einem blinkenden Pfeil hinterherlaufe. Mein erster Besuch in Sturmwind überraschte mich zudem positiv, denn tatsächlich war diese Stadt größer, als ich es zunächst angenommen hatte. Als es nämlich darum ging, dass wir uns nach den ersten erfolgreichen Missionen noch unsere Berufszweige wählen würden, war ich eine Weile beschäftigt, meine Ausbilder zu finden. Denn in WoW Classic wird dir als Spieler nicht alles hinterher getragen. Dass wir Berufe zu diesem Zeitpunkt überhaupt schon lernen könnten, erfuhr ich primär durch unseren Veteranen der Gruppe. Auch wo sich die Lehrmeister finden, müssen wir von einem Mitglied der örtlichen Garde erfragen. Ich wollte Schürfer und Schmied werden, eine geniale Kombination im übrigen, und musste entsprechend ins Zwergen-Viertel der Stadt. Es bedurfte einiger Laufzeit und anschließender Suchzeit, um meine Ausbilder zu finden und für einen kleinen Obolus die ersten Grundfertigkeiten zu erlernen. Was ich nicht bedachte: Natürlich brauche ich als Schürfer eine Spitzhacke und ein Schmied ist ohne eigenen Schmiedehammer ziemlich aufgeschmissen. Wer sich also nicht direkt mit diesen Utensilien eindeckt, ist an der nächsten Ressourcen-Quelle oder beim Versuch neue Ausrüstung zu erstellen, ziemlich aufgeschmissen.

Allgemein muss man mit offenen Augen durch die Spielwelt wandeln, denn wie schon gesagt, wird man hier nicht beständig an die Hand genommen. In Goldhain findet sich zum Beispiel ein Ausbilder für Krieger, welcher für mich eine wichtige Anlaufstelle wurde, da man besonders zu Beginn schnell neue Level erreicht und entsprechend neue Fertigkeiten erlernen kann. Auch die Tatsache, dass wir bei einer Heilerin die Grundlagen der Wundversorgung vermittelt bekommen können, hätte ich wohl ohne unseren Hexenmeister niemals in Erfahrung gebracht (ich als Krieger spreche ja nicht einfach so eine Heilerin an). Das alles gefiel mir doch ausgesprochen gut und es machte die Spielerfahrung für mich zu einer runden Angelegenheit. Ich mag es bei einigen modernen MMORPGs nicht, wenn mir als Spieler alles vorgekaut und vielleicht sogar noch automatisiert wird, sodass das eigentliche Gameplay zum einfachen Ablaufen bestimmter Punkte der Spielwelt verkommt. Ich will mein eigener Herr sein und WoW Classic vermittelt mir aktuell genau dieses Gefühl.

WoW-Classic-Auf-nach-Sturmwind

Schon aus der Entfernung präsentiert sich Sturmwind stolz und mächtig. Bei meinem ersten Besuch in der Stadt der Menschen war ich beeindruckt von der Größe der Stadt, in welcher man sich fast verlaufen könnte.

Gnolle und Bänder

Einen Dämpfer erhielt meine gute Stimmung an jenem Abend aber dann durch eine Sammel-Quest, die es in sich hatte. Im Zuge der Grenzsicherheit sollen wir einige Gnolle ausschalten und als Beweis bunte Armbänder sammeln. Was wie eine der üblichen Sammel- und Töte-Aufgaben anfing, entwickelte sich zu einem wahren Martyrium. Die ollen Gnolle hatten sich inmitten des Waldlandes festgesetzt und kleine Lager errichtet. Da die Kerle recht zahlreich und unserem Level ebenbürtig waren, versuchten wir, sie einzeln zu erwischen, um Stück für Stück in den Besitz der begehrten bunten Armbänder zu gelangen. Ebenfalls lungerte ein Gnoll-Boss in dieser Gegend, der zwar zu bezwingen, aber uns in jedem Falle gefährlich werden konnte. Als wir also einige Zeit damit zubrachten, die Gnolle zu schlachten, immer die bunten Bänder an ihren Handgelenken im Sinn, stellten wir fest, dass kaum einer der Kerle so ein blödes Band bei sich hatte. Nach gut 15 Minuten hatten Hexenmeister und Paladin je zwei Bänder, ich ging leer aus. Jeder von uns musste aber acht dieser verfluchten Stofffetzen sammeln. Es gestaltete sich zudem problematisch, dass wir immer mal wieder in den Boss rannten, welcher uns dann auch ein paar mal böse erwischte. Ich starb dort gut zwei mal und durfte einen ganzen Stück vom Friedhof laufen. Als nach weiteren 15 Minuten immer noch ein Großteil der Armbänder fehlten, war meine Motivation dann auch gefährlich aufgebraucht. Es sollte tatsächlich noch einige Zeit dauern, bis ich dann das achte Band mein Eigen nennen konnte und wir diese verfluchte Gnoll-Lichtung endlich verließen.

Auch etwas anstrengend: Unser Inventar ist eigentlich immer voll, was besonders dann nervt, wenn wir Questgegenstände sammeln oder als Belohnung erhalten. Diese nehmen natürlich auch Plätze ein und haben wir zum Beispiel nur einen freien Slot in unserem Rucksack, aber sollen zwei Belohnungen erhalten, können wir unsere Mission nicht abschließen. Also besuchen wir ständig die Händler des Landes, um diesen unsere wertvolle Beute feilzubieten. Ranzige Felle von verlausten Wölfen, schmutzige Kerzen von den Häuptern zotteliger Kobolde oder minderwertige Waffen grobschlächtiger Halsabschneider. Wir haben alles im Angebot und alles muss raus, damit relevante Gegenstände Platz finden. Aber man gewöhnt sich doch recht schnell an die Platzmangel im Inventar und lernt sich von jedem unwichtigen Gegenstand zu trennen.

WoW-Classic-Kämpfen-macht-spaß-und-ist-fair

Die Kämpfe in WoW Classic machen Spaß und sind zum Teil durchaus fordernd. Wer ohne Gruppe spielt, wird den Friedhof sehr gut kennenlernen.

Fazit

Meine erster Eindruck von WoW Classic ist dennoch mehr als positiv, auch weil das Spielen in der Gruppe hier so wichtig und belohnend erscheint. Die Gegner im Spiel, selbst am Anfang, können recht knackig sein, besonders wenn diese ebenfalls in Gruppen agieren. Während ein Kobold auf meiner Stufe noch niederzuringen ist, können zwei mir als Krieger durchaus gefährlich werden. In der Gruppe hauen und hacken wir uns aber recht erfolgreich durch die Mobs und das Teamplay macht richtig Spaß. Unser Hexenmeister lockt Gegner mit gezielten Magie-Angriffen an, während der Paladin und ich dann die Messerarbeit erledigen. Wird es mal eng, verschafft uns der Paladin durch göttliche Unterstützung heilenden Segen, während ich inbrünstiges Kriegsgebrüll von mir gebe, um meine Kameraden anzuspornen. Auch hier sicherlich nichts besonderes, aber das ganze funktioniert reibungslos und macht schon auf den ersten Stufen wirklich Spaß.

Ich hatte also einen wirklich gelungenen Start in WoW Classic und bereue tatsächlich nicht, gut 12 Euro für meinen ersten Monat berappt zu haben. Schon dieser erste Abend, in welchen ich die ersten 10 Level erreichte, haben sich für mich gelohnt. Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass mich ein MMORPG doch noch mal so packen kann, besonders wenn es um eine so „ursprüngliche“ Variante geht. Mein letztes MMORPG, das mich so für sich einnehmen konnte, war Herr der Ringe Online, welches mir als Tolkien-Fan natürlich schon von der Thematik her Honig ums Maul schmierte. WoW Classic holte mich wiederum mit seiner ganz eigenen Welt ab, obwohl ich davon bislang noch so wenig gesehen habe. Dafür wurde eine Abenteuerlust geweckt. Ich freue mich schon, demnächst wieder ein paar genüssliche Stunden in Azeroth zu verbringen und mich neuen Herausforderungen zu stellen. Auf bald meine Freunde!

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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, Filme und blöde Ideen zu haben. Nebenher auch noch Student in Medien und Geschichte.
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