Lego gegen Held der Steine

Der Konzern Lego hat mit einem Anwaltsschreiben gegen den Held der Steine für ein PR-Debakel höchster Güte gesorgt.

Erst vor einigen Monaten stieß ich eher zufällig auf den YouTube-Kanal „Held der Steine“, auf welchem Thomas Panke mittlerweile über 170.000 Zuschauern seine Expertise zur bunten Lego-Welt vorstellt. Panke betreibt in Frankfurt ein kleines (Lego)-Fachgeschäft, auf YouTube rezensiert er alte wie neue Lego-Sets, nimmt Produktkataloge auseinander oder widmet sich dem Aufbau einzelner Sets. Die Videos des Helden kommen enorm gut an, was vor allem an der Art liegt, mit welcher Panke seine Videos bestreitet. In freundlichstem Plauderton und mit sarkastischen Einschüben spricht der Held direkt, ehrlich und leidenschaftlich über Lego. Von höchster Begeisterung, bis zu gnadenloser Kritik wird dabei alles abgedeckt, was vielen Fans aus der Seele zu sprechen scheint.

Mit seiner authentischen Begeisterung hat der Held viele Menschen wieder an Lego herangeführt und dürfte für zahlreiche Neukunden gesorgt haben, zumindest ich habe nach Jahren der Lego-Abstinenz mit dem Helden wieder damit begonnen, mich aktiv mit Lego auseinanderzusetzen. Im Grunde also fantastische Werbung für Lego. Doch mit einem Anwaltsbrief hat Lego eine völlig neue Situation geschaffen.

Auslöser und Folgen

Auslöser für das Schreiben seitens Lego war das ehemalige Logo von Held der Steine, welches Panke als Markenzeichen eintragen lassen wollte. Da dass ehemalige Logo einem Klemmbaustein nachempfunden war und die markanten „Noppen“ zeigte, bestehe Verwechslungsgefahr zum Nachteil des Unternehmens, so die Begründung seitens Lego.

Der Held reagierte und änderte sein Logo komplett, beließ es aber nicht nur dabei. Stattdessen bespricht er in einem Video, in der typischen und lockeren Art, was das Schreiben für Konsequenzen für Ihn und seine Kunden wie auch Zuschauer hat. So bricht er die direkten Geschäftsbeziehungen mit Lego ab und kündigt an, sich in Zukunft auch mit kleineren Lego-Konkurrenten wie Cobi (Polen) oder Xingdao (China) auseinanderzusetzen und deren Produkte vorzustellen. Dennoch betont Panke, dass dreiste Plagiate und 1zu1-Kopien von Lego, wie sie der chinesische Konzern Lepin vertreibt, niemals von ihm vorgestellt werden.

 

Lego reagiert nicht auf den Shitstorm

Es war abzusehen, dass ein solches Video nicht völlig ohne Folgen bleiben würde. In kürzester Zeit brandete eine Welle der Kritik gegen Lego, welche sich vor allem in den sozialen Netzwerken niederschlug. Bisher äußerte sich Lego nicht konkret zum Thema, die einzige „Stellungsnahme“ auf Facebook ist bislang folgende:

Wir haben lange daran gearbeitet, dass Kinder und Eltern unsere Marke eindeutig wiedererkennen. Daher nehmen wir den Schutz unserer Markenrechte sehr ernst und wollen sicherstellen, dass Dritte keine Zeichen zur Eintragung bringen, die die LEGO Marke verwässern könnten, da dies aus unserer Sicht bei Zeichen mit einer Ähnlichkeit zu unseren Marken der Fall wäre.

Bitte habt Verständnis, dass wir zu möglichen juristischen Sachverhalten darüber hinaus keine Aussagen treffen können.

Wir sprechen uns klar für eine freie Meinungsäußerung aus, und respektieren daher selbstverständlich auch kritische Stimmen, die für uns genauso wertvoll sind wie positive Rückmeldungen zu unseren Produkten.“

Das PR-Debakel hätte leicht verhindert werden können

Besonders die Tatsache, dass dieses PR-Debakel ganz einfach hätte verhindert werden können, macht fast schon betroffen. In einem Interview mit RP Online stellt Panke klar, dass er den Brief bereits am 9. Januar erhalten habe und zunächst das Gespräch mit Lego suchte, um das Problem schnell aus der Welt zu schaffen. So Panke:

Ich habe Lego gefragt, ob das deren Ernst sei, diese Art der Ansprache. Das stört mich. In der Sache gibt es ja letztlich kein Problem. Ich verstehe, dass Lego seine Marke schützen will. Seit ich weiß, dass sich der Konzern an meinem bisherigen Logo stört, habe ich es geändert.“

Als Panke bei Lego das Problem ansprach, bestätigte der Konzern lediglich die Echtheit des Schreibens und beließen es dabei. Nach einer weiteren Woche entschloss sich Panke letztlich dazu, das Thema in einem Video aufzugreifen und damit öffentlich zu machen. Es ging also nicht primär darum, dass Lego seine Rechte schützen wollte, dafür zeigt Panke Verständnis, lediglich der Umgang damit geht ihm gegen den Strich, obwohl er Lego nicht einmal Boshaftigkeit in dieser Sache unterstellt:

…dahinter steckt keine Boshaftigkeit von Lego – bloß Dusseligkeit. Ich glaube nicht an eine Einschüchterungskampagne. Ich fürchte, bei Lego weiß schlicht die eine Hand nicht, was die andere tut.“

Dennoch war diese Aktion wohl der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte und für Lego zu einem PR-Debakel höchster Güte führte. Auch die Tatsache, dass das Unternehmen es nicht schaffte, bis heute eine vernünftige Stellungsnahme zu veröffentlichen, lässt tief blicken. Es scheint, als wolle Lego die Sache aussitzen, was ich für recht bedenklich erachte. Aber letztlich ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen, Freunde hat sich Lego mit dieser Aktion nicht gemacht und notwendig war sie wohl auch nicht.

Johann von Ti
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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, Filme und blöde Ideen zu haben. Nebenher auch noch Student in Medien und Geschichte.
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