Switchcraft: Magisches Match 3 – Eine interaktive Graphic Novel

Dargestellt ist Jungehexe Bailey umgeben von drei Freunden. Alle wirken unterschiedliche Zauber. Im Hintergrund ist die Zauberer-Akademie zu sehen. Im Vordergrund umspielen Match-3 Kristalle die Gruppe.

Verborgen in der Kleinstadt Ipswich, Massachusetts, befindet sich die Pendle Hill, eine Akademie für Hexerei. Motiviert möchte sich die junge Bailey in ihr erstes Semester stürzen, da verschwindet ihre beste Freundin Lydia. Schnell wird klar, dass hinter dem Vorfall mehr stecken könnte – eine Verschwörung zeichnet sich ab und plötzlich stecken wir mitten in der Aufdeckung dunkelster Geheimnisse! Doch was erwartet uns in Switchcraft eigentlich?

Bei Switchcraft handelt es sich um ein Mobile-Game, welches zunächst der Match-Three Mechanik entspricht (ein populäres Beispiel dieser Mechanik ist Candy Crush). Doch statt allein auf die Kombinationsspielerei zu setzen, erzählt das Spiel eine interaktive Geschichte rund um die junge Hexe Bailey und ihre Freunde sowie Widersacher. Wir erleben das Abenteuer in Form einer Graphic Novel, in welcher uns die Handlung über ausdrucksstarke Bilder und zahlreiche Texte vermittelt wird. Abgerundet wird diese Erzählweise mit Interaktionsmöglichkeiten, die sich unter anderem in Dialog- und Handlungsoptionen äußern. Das Match-3-System ist mit dem Erzählstrang insofern verbunden, als dass wir die Level lösen müssen, um in der Story weiter voran zu kommen. Dabei erhalten wir für jedes erfüllte Level Magicka-Punkte, die wir dann für neue Episoden der Handlung ausgeben können.

Die zauberhafte Welt von Switchcraft

Die Geschichte wird in Büchern erzählt, die in verschiedene Kapitel eingeteilt sind. Dabei geraten wir immer tiefer in die Verschwörung rund um das Verschwinden unserer Freundin hinein und lernen dabei die Akademie als auch ihre Bewohner kennen. Es liegt an uns zu entscheiden, welchen Charakteren und Wesen wir unser Vertrauen schenken oder welchen wir eher mit Vorsicht begegnen. Das Personal in Switchcraft ist dabei breit aufgestellt: während wir auf unserem Weg zahlreiche Studenten und Dozenten der Akademie treffen, begegnen uns auch zauberhafte Wesen sowie Bewohner der Kleinstadt Ipswich, die nicht ahnen, dass die Akademie in der Nähe magischer Natur ist.

Bildcollage aus 2 Smartphone-Screenshots. Das erste Bild zeigt den Campus der magischen Akademie Pendle Hill. Wir sehen zahlreiche Studenten, die Magie wirken oder sich miteinander unterhalten. Ein Kurierfuchs ist unten zu sehen. In einer Textbox steht folgendes: „Bailey: Seit kurzem besuche ich die Pendle Hill, eine geheime Akademie für Hexerei.“ Das zweite Bild zeigt den Dozenten Prof. Shirazi. Er trägt eine magische Kluft mit weiter Kapuze und magischen Symbolen. Im Hintergrund sind zahlreiche Personen in Kutten zu sehen, die durch einen magisch blau erleuchteten Wald wandern. In einer Textbox steht folgendes: „Prof. Shirazi: Willkommen. Ich bin Ihr Dozent für Zaubersprüche, Arash Shirazi.“

Frisch an der Pendle Hill, der Akademie für Hexerei, müssen wir uns erst mal zurechtfinden. Magie, zauberhafte Wesen und allerlei Überraschungen erwarten uns im Verlauf dieses Abenteuers.

Auch wenn viele der Charaktere eher Schablonenhaft gezeichnet werden, sind die Dialoge im Spiel gut gelungen und schaffen es glaubhaft, unterschiedliche Persönlichkeiten und ihre zwischenmenschlichen Beziehungen zu vermitteln. Den Entwicklern ist es dabei geglückt, den Balanceakt bezüglich einer jugendlichen Sprache zu bewältigen, ohne dabei die Glaubwürdigkeit der dargestellten Charaktere zu verspielen (auch wenn ich mir ein Augenrollen hier und da nicht verkneifen konnte). Für die angepeilte Zielgruppe – Teenager und junge Erwachsene – wurde hier ein, in meinen Augen, sehr authentischer Ton getroffen, der zur Immersion der Spielwelt beiträgt.

Eine interaktive Graphic Novel

Die Interaktion in den Story-Abschnitten ist in unterschiedliche Aspekte aufgeteilt: wir führen Gespräche und wählen Dialog- sowie Handlungsoptionen aus. Weiterhin müssen wir kleinere Aufgaben erfüllen – zum Beispiel das Wirken von Magie durch das Nachzeichnen magischer Symbole (ähnlich wie in Hogwarts Mystery), „frei wischen“ von Objekten oder das kombinieren einfacher Puzzle. Diese Aufgaben sind immer sehr simpel gehalten und frischen lediglich die erzählte Handlung ein wenig auf – wirkliche Rätsel oder Miniaufgaben kann man hier nicht erwarten, schade eigentlich.

Dennoch funktioniert diese Erzählweise überraschend gut – besonders löblich ist dabei die Tatsache, dass unsere Entscheidungen in einigen Fällen tatsächlich Folgen für den weiteren Verlauf der Handlung haben. Verscherzen wir es uns mit einem Charakter, könnte es zukünftig schwieriger werden, mit ihm zu interagieren. Haben wir hingegen das Wohlwollen einer Person erlangt, wird sie uns vielleicht unerwartet Hilfe leisten. Natürlich hält sich dieses System in Grenzen – zwar gibt es Auswirkungen, aber letztlich folgen wir natürlich immer noch einer linearen Handlung, die zwar interaktiv gestaltet, aber dennoch in fest definierten Bahnen verläuft.

Bildcollage aus 2 Smartphone-Screenshots. Das erste Bild zeigt eine magische Rune in der groben Form des Buchstaben G. Wir müssen das Symbol mit dem Finger nachzeichnen, um den „Blickzauber“ zu wirken. Das zweite Bild zeigt eine verschmutze Kristallkugel. Darin zeichnet sich das Gesicht eines Mädchen ab, dessen Augen nur aus schwarzen Löchern zu bestehen scheinen. Wir müssen die Kugel vom Schmutz befreien, indem wir mit dem Finger darüber wischen.

Im Rahmen der Handlung müssen wir zahlreiche Entscheidungen treffen: wem schenken wir unser Vertrauen, wie reagieren wir auf das verdächtige Verhalten eines Freundes, wie lösen wir anstehenden Probleme? Neben Dialog- und Handlungsoptionen müssen wir auch immer wieder kleine Aktionen durchführen: das Wirken von Zaubern, Zusammensetzen von Puzzlestücken oder das frei Wischen von Objekten.

Das schmälert jedoch nicht den positiven Gesamteindruck: die Geschichte von Switchcraft wird spannend und tatsächlich mit einigen Wendungen erzählt. Dabei wird die Welt immer weiter ausgebaut, sodass jedes weitere Kapitel Lust auf mehr macht. Essentiell ist dabei die optische Aufmachung, die ich als sehr gelungen betiteln möchte. Switchcraft setzt auf ausdrucksstarke Bilder, die in einem eigenen und konsistenten Stil gehalten sind. Untermalt werden die Abschnitte der Graphic Novel zudem von gut abgestimmter Musik, sodass sich ein sehr rundes Gesamtbild ergibt. Hier hat man eine ganz eigene Welt geschaffen, die sich trotz der „Harry Potter“-ähnlichen Thematik erfrischend abhebt und einen ganz eigenen Weg beschreitet. Das Team von Wooga hat hier tatsächlich ein kleines Universum aufgebaut, welches ein solides Fundament der erzählten Story bildet – sicherlich keine Selbstverständlichkeit für ein Mobile-Game.

Match-3-System und Mikrotransaktionen

Als Free-to-Play-Game setzt Switchcraft auch auf ein Mikrotransaktions-System, welches mit der Match-3-Mechanik verwoben ist. Lösen wir die Kombinationslevel, erhalten wir neben der für die Handlung relevanten Magicka auch einige Goldmünzen. Diese Münzen können wir wiederum ausgeben, falls wir am Ende eines Level zusätzliche Züge benötigen. Gehen uns die gesammelten Goldmünzen aus, können wir für Echtgeld Nachschub kaufen. Das günstigste Paket kostet dabei 2,29 Euro, das teuerste satte 80 Euro – nichts ungewöhnliches für Spiele dieser Art. Dennoch ist es schon ein wenig zynisch, wenn das 80 Euro Paket im Store als „Schnäppchen“ tituliert wird.

Glücklicherweise verzichtet Switchcraft jedoch auf eine zu aggressive Anwendung des eigenen Mikrotransaktions-Systems – auch nach über 200 Leveln stieß ich auf keine Situation, die mich zum Kauf der Münzen genötigt hätte. Die Match-3-Level werden zwar immer schwieriger, stellen aber insgesamt keine unüberwindbare Hürde dar. Auch auf Werbung verzichtet Switchcraft aktuell, was die Spielerfahrung sehr angenehm macht. Es bleibt zu hoffen, dass der deutsche Entwickler Wooga diesen Kurs beibehält und nicht nachträglich die implementierten Systeme ausreizt. Schätzen würde ich eine optionale Kaufversion, welche auf jegliche Mikrotransaktionen verzichtet – aber das nur am Rande.

Bildcollage aus 2 Smartphone-Screenshots. Beide Bilder zeigen Match-3-Level. Im ersten Bild sehen wir ein frische gestartetes Match-3-Level. Dargestellt sind unterschiedlich gefärbte Diamanten, kleine Füchse und Schmetterlinge auf dem Spielfeld. Unten sind Zauber zu sehen, die wir wirken können, um das Level zu erleichtern. Das zweite Bild zeigt ein gescheitertes Match-3-Level. Haben wir unsere Züge aufgebraucht ohne das Level-Ziel zu erreichen, endet die Runde. Wir können aufgeben und verlieren ein Herz oder können gegen den Einsatz von Goldmünzen zusätzliche Züge kaufen.

Switchcraft ist ein Match-3-Game: in den Leveln sammeln wir die wichtigen Magicka-Punkte, um in der Story weiter vorankommen zu können. Die Level werden schwieriger, bleiben aber fair. Wer ein Level nicht schafft, kann Zauber wirken oder zusätzliche Züge durch Münzen kaufen. Das System ist mit optionalen Mikrotransaktionen verbunden.

Die Match-3-Level sind handwerklich gut gemacht und spielen sich Genre-typisch. Durch Kombination von gleichfarbigen Symbolen werden Schmetterlinge und Eichhörnchen befreit oder Monde und Sterne gesammelt. Die Level werden zunehmend kniffliger und mit zusätzlichen Elementen bestückt – wer Spiele dieser Art mag, wird auch in Switchcraft seine Freude daran finden. Im Vordergrund steht aber ganz klar die erzählte Story um Hexe Bailey, was das Spiel klar von anderen Match-3-Spielen abhebt.

Ein kleiner Kritikpunkt möchte ich an dieser Stelle jedoch nicht unerwähnt lassen: wer seinen Spielstand auf mehreren Geräten Synchronisieren möchte bzw. seinen Spielstand von einem Smartphone auf ein anderes übertragen will, kommt aktuell nicht darum herum, einen Facebook-Account mit dem Spiel zu verknüpfen. Zumindest eine weitere Option wäre hier sinnvoll – dennoch kommt dieser Aspekt auch wirklich nur dann zum tragen, wenn man ein neues Gerät verwenden will. Der Spielstand wird ansonsten lokal auf dem eigenen Gerät gespeichert.

Fazit

Switchcraft ist ein ambitioniertes Mobile-Game, welches es tatsächlich schafft, eine spannende Geschichte für Teenager und junge Erwachsene zu erzählen. Die optische Aufmachung sticht dabei besonders positiv hervor und wird vom Schreibstil der Dialoge und Charaktere noch weiter untermauert. Es macht Spaß, mit der Welt und seinen Bewohnern zu interagieren, wenn wir zum Beispiel dem fiesen Dozenten eins auswischen oder neckisch mit einem Kommilitonen flirten. Gleichzeitig sind wir beständig auf der Suche nach neuen Hinweisen, die uns auf die Spur unserer vermissten Freundin führen könnten. Lustige als auch ernstere Elemente werden im Verlauf der Handlung sinnvoll zusammengeführt und erzählen eine fantastische, aber dennoch für Teenager nachvollziehbare Geschichte. Themen wie Selbstfindung werden in Switchcraft geschickt aufgegriffen und gut im Setting der Zauberer-Akademie verpackt. Der Zielgruppe wird hier auf Augenhöhe begegnet, bravo!

Bildcollage aus 2 Smartphone-Screenshots. Im ersten Bild ist eine monsterhafte Bailey zu sehen, die aus Spiegel steigt, der auf dem Boden liegt. Das zweite Bild zeigt einen geisterhaften Fuchs in Flammengestalt und mit blauen Augen. In einer Textbox ist folgendes zu lesen: „Fuchsgeist: Der Bär, der Fuchs, die Eule... Welches Tier ist die am ähnlichsten?“.

Switchcraft spielt in einer magischen Welt voller Überraschungen und Gefahren. Immer wieder treffen wir auf magische Objekte und Wesen, bei denen nicht immer klar ist, ob sie uns gefährlich werden können…

Die Verknüpfung mit der Match-3-Mechanik funktioniert derweilen ganz gut, auch wenn man merkt, dass man diese wohl primär für die Implementierung von Mikrotransaktionen in die Graphic Novel integrierte. Dennoch ist auch diese Komponente von Switchcraft handwerklich gut aufgestellt, sodass beide Aspekte – Story als auch Match-3-Level – im Zusammenspiel harmonieren.

In meinen Augen ist Switchcraft ein wirkliches gelungenes Mobile-Game, welches verschiedene Spielelemente sinnvoll miteinander verknüpft, um eine ausdrucksstarke und spannende Geschichte zu erzählen. Auch wenn die Story-Abschnitte als solche ein wenig länger sein könnten – manchmal müssen wir für kleinste Schritte in der Geschichte mehrere Match-3-Level spielen – funktioniert das Gesamtpaket überraschend gut. Wer auf die Geschichte um Hexe Bailey und ihre verschwundene Freundin Lydia anspringt, erhält hier ein spannendes Spiel für Smartphone und Tablet, welches seinen ganz eigenen Charme mitbringt.

Switchcraft ist kostenlos im Playstore und dem Appstore zu finden. Geboten wird eine umfangreiche und in kunstvollen Bildern gestaltete Story sowie zahlreiche Match-3-Level. Eltern sollten auf die Mikrotransaktionen im Spiel achten und gegebenenfalls eine Sperre bzw. eine Passwortsicherung für diese einrichten.

Johann von Ti
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