Mikrotransaktionen in Assassin’s Creed Odyssey

Zusätzlich Geld zahlen, um weniger spielen zu müssen; Das perfide System von Mikrotransaktionen.

Ich bin kein Freund von Mikrotransaktionen und betone das auch immer mal wieder. Besonders in Singleplayer-Spielen, die am besten noch zum Vollpreis angeboten werden, haben solche Mittel der Profitmaximierung nichts verloren. Es gibt KEINERLEI Argumente, die für eine Implementierung von Mikrotransaktionen in Einzelspieler-Titeln stehen, denn letztlich werden Spieler dazu gebracht, für einen bezahlten Inhalt nochmals die Geldbörse zu zücken. Denn egal wie sehr sich die Entwickler und Publisher auch winden und ihre frechen PR-Floskeln raus hauen, letztlich versucht man hier die eigenen Kunden auszunehmen. 

Anlass für diese Pöbel-Beitrag ist Ubisoft, die meinen Blutdruck mit einigen Aussagen zu den Mikrotransaktionen in Assassin’s Creed Odyssey in ein ungesundes Hoch drückten. Die Videospiel-Presse tat dann ihr übriges, dass ich nich drumherum kam, meinem Ärger in diesem Beitrag etwas Luft zu verschaffen. Also, was ist denn wieder los? Warum pöbelt der Internetmann? Also zum Anfang meines Ärgers; Die Mikrotransaktionen in Assassin’s Creed Odyssey.

Mikrotransaktionen in Singleplayer-Vollpreis-Spielen

Mit dem neuen Ableger der Assassin’s Creed-Reihe wird auch das Shop, rund um die Mikrotransaktionen, erneuert. Natürlich und ganz selbstverständlich nur im Sinne der Spieler. Ganz logisch und klar, es geht ja darum, das Spieler-Erlebnis nicht zu beeinträchtigen, es soll gar verbessert werden. Super! Also, was haben sich die Füchse von Ubisoft also tolles einfallen lassen? Es ist der schon oft gesungene Song von „alle Gegenstände im Store können auch so erspielt werden, also ist das System sehr nutzerfreundlich“. Ja. Es ist immer das Gefühl von tiefster Freude und Dankbarkeit, wenn ich die Gegenstände eines Spiels für 60 Euro (ja nach Version bis zu 115 Euro, lol) auch ohne weitere Zahlungen finden bzw. erhalten darf. Also, wie funktioniert das System nun?

Zahlen, für die Wahrscheinlichkeit bezahlte Inhalte zu erhalten

Das Zauberwort lautet Lootboxen, denn nur wenige Systeme bieten sich bei Mikrotransaktionen so gut an. Warum? Weil so Gegenstände nicht direkt gefunden oder gekauft werden können, sondern auch der Glücksfaktor implementiert wird. Ich erhalte also mit Glück einen Gegenstand in dem Spiel, welches ich zum Vollpreis erworben habe. Traumhaft. Und wie komme ich an die Boxen? Natürlich kann man sich diese ganz kostenlos erspielen, toll! Ich darf das Spiel spielen und werde dafür mit der Wahrscheinlichkeit belohnt, einen coolen Gegenstand zu finden. Ich weiß Leute, wir leben in goldenen Zeiten. Also golden für die Publisher. Denn natürlich wird es den Spielern nicht leicht gemacht, durchs reine spielen ihres bezahlten Spiels an die Boxen zu kommen, man muss plötzlich farmen, damit man gewünscht Gegenstände auch wirklich erhält. Naja, oder man kauft eben ein paar Boxen und beschleunigt alles. Zahlende Spieler können auch XP- und Ingame-Geld-Booster erhalten. Wundervoll. In Zukunft gibt es dann die Option, das Gameplay direkt zu umgehen, um sofort den Abspann freizuschalten. Darf ich kurz festhalten; Man bietet für Geld die Möglichkeit, dass die Spieler das Spiel nicht so lange spielen müssen. Es ist einfach nur abstoßend.

Die abstoßende Argumentation für die Mikrotransaktionen

Man darf also nun tägliche Quests absolvieren, die dann eine Lootbox springen lassen. Zwei Stück müssen es wohl bei Odyssey sein. Ubisoft gab dazu folgenden Kommentar ab, der Anlass für diesen Beitrag war:

Es dauert möglicherweise länger, Olympian Gifts zu bekommen als Heka-Kisten in Origins. [Diese Änderung] ist ein guter Weg, um die engagiertesten Spieler zu belohnen und andere dazu zu bewegen, regelmäßig zu Assassin’s Creed: Odyssey zurückzukommen und die neuesten Änderungen zu sehen, die wir hinzugefügt haben.

Dieser Abschnitt hat es mir besonders angetan: „...andere dazu zu bewegen, regelmäßig zu Assassin’s Creed: Odyssey zurückzukommen…“. Die Spieler sollen als dazu bewegt werden, regelmäßig das Spiel zu spielen. Durch Mikrotransaktionen. Aha. Cool. Was auch immer. Natürlich hat man das Spiel nicht um die Mikrotransaktionen herum geschaffen. Auf keinen Fall! So was würde Ubisoft natürlich NIEMALS tun:

Zeitersparnisse wie der permanente Erfahrungs-Booster sind komplett optional für Spieler, die ihren Fortschritt heftig beschleunigen wollen und wurden nicht in Betracht gezogen, als man das Spiel und dessen Wirtschaft erschaffen hat.

Leute, habt ihr gehört? Es ist OPTIONAL in meinem 60 Euro Spiele einen Booster für das Sammeln von EP zu kaufen. Puuhhhh, ich dachte schon, die wollen uns ausnehmen oder so. Na dann ist das natürlich legitim. Früher waren es Cheat-Codes, heute eben die gezückte Geldbörse oder Kreditkartennummer. Alles cool. Ist doch der Gang der Dinge, wie diverse Magazine trocken einwerfen. Habe ich mich wohl zu unrecht aufgeregt.

Online sein für alle Inhalte

Aber jetzt mal Butter bei die Fische; Denn wenn es „NUR“ um „optionale“ Inhalte gehen würde… ja, dann wäre die Sache immer noch genauso bescheiden, aber ein Faktor wird gerne vergessen. Denn wenn man Mikrotransaktionen so fest in Singleplayer-Spielen verschraubt (auch wenn man das natürlich im Vorfeld nicht so geplant hat. Ja ne Ubisoft, ist klar), hat das zur Folge, dass man offline nicht mehr an alle Inhalte kommt. Denn diese müssen ja plötzlich über Server abgeglichen werden, sonst funktioniert ja der tolle Spaß nicht. Man kann es sich eigentlich nicht mehr ausdenken, aber viele Spieler schauen trotzdem weg, bemerken oft gar nicht, wie nutzerfeindlich diese Systeme eigentlich sind.

Fazit

Ich will abschließend nur mal zusammenfassen; Ubisoft bietet die Möglichkeit, für Geld weniger ihres Spiels spielen zu müssen. Damit so was funktioniert, muss das Gameplay so geschaffen sein, dass man dieses auch gerne verkürzt. Und da kann man so viel erzählen, wie man will, genau so ist es. Wäre es nicht so, würde man die Mikrotransaktionen weg lassen und diese nicht immer wieder in Singleplayer-Titel einbauen und danach laut schreien, dass ja alles trotzdem optional ist. Ja, wenn es sowieso optional ist, verzichtet doch darauf? Es fügt den Spielen nichts hinzu, es macht Vollpreisspiele nur noch lukrativer für die Publisher, ohne die Qualität verbessern zu müssen. Dafür kommen Spieler nicht mehr einfach an gewünschte Gegenstände, werden mit gestecktem Gameplay konfrontiert und erhalten offline nicht mal auf alle Inhalte Zugriff. Ganz großes Kino.

Johann von Ti
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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, Filme und blöde Ideen zu haben. Nebenher auch noch Student in Medien und Geschichte.
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