Pokémon – die erfolgreichste Videospielmarke der Welt

Zu sehen ist ein Ladenregal, welches vollständig mit Pikachu Kuscheltieren gefüllt ist.

Die Taschenmonster sind los – und das nun schon seit Jahrzehnten extrem erfolgreich! Fast jeder kam auf die eine oder andere Weise schon in Berührung mit dem japanischen Exportschlager. Die Pokémon tummeln sich überall: Videospiele, Serien, Filme, Sammelkarten und natürlich Merchandise! Was 1996 Nintendos Game Boy aus der vermeintlichen Totenstarre reißen sollte, ist auch heute DIE Größe im Spiele-Sektor. Auch ich habe zahlreiche Bezugspunkte zur populärkulturellen Erfolgsmarke, die sich wie ein roter Faden durch mein Leben zu ziehen scheint. Als Grundschüler war es der Anime auf RTL2 und die Sammelkarten, die fleißig auf dem Schulhof getauscht wurden. Danach war es das Videospiel auf dem Gameboy und Jahre später sollte sich Pokémon als Innovationstreiber in Sachen „Augmented Reality“ zurück in mein Bewusstsein katapultieren – Stichwort Pokémon Go. Die Marke lebt und ist eines der erfolgreichsten Erzeugnisse der modernen Spieleindustrie überhaupt.

Der Ursprung der Pokémon

Werfen wir einen Blick zurück: wie bereits erwähnt, traten die Fantasie-Monster 1996 erstmals in Erscheinung. Erfunden hat die „Taschenmonster“ der Japaner Satoshi Tajiri und schuf damit ein Universum, welches auch heute noch Menschen überall auf der Welt fasziniert. Als wichtige Inspirationsquelle spricht Tajiri oft die Erlebnisse seiner Kindheit an: damals sammelte er Insekten und Käfer, zeichnete sie und ließ sie in seiner Fantasie gegeneinander kämpfen. Diese Ideen verfestigten sich weiter und er begann damit, die Welt seiner Kindheit in digitalisierter Form umzusetzen – später sollte daraus das erste Pokémon Videospiel erwachsen.

Der weltweite Erfolg von Pokémon war damals nicht abzusehen – ganz im Gegenteil: lediglich 200.000 Exemplare des ersten Spiels wurden zu jener Zeit von Nintendo für den Handel bereitgestellt. Auch damals eine bescheidene Menge für den Markt, die zeigt, wie wenig Vertrauen man zunächst der Marke schenkte. Tatsächlich dachte man, dass die Taschenmonster nur eine sehr begrenzte Käuferschicht ansprechen würden und man hier nichts für den populärkulturellen Markt aufstellen könnte. Das Gegenteil war der Fall: im Alleingang belebte Pokémon den damals schwächelnden Game Boy wieder und es wurde das Fundament einer der erfolgreichsten Videospielreihen der Welt gelegt.

Die Nachfrage war bereits kurz nach Veröffentlichung des ersten Spiels in Japan so groß, dass zahlreiche Adaptionen lizenziert wurden. Die Anime-Serie, ein Film, das Sammelkartenspiel und natürlich Merchandise-Artikel gingen blitzschnell in Produktion, sodass die Marke bereits am Anfang enorm breit aufgestellt war. Als Pokémon 1999 endlich in Europa veröffentlicht wurde, erschienen im Grunde zeitgleich das Kartenspiel sowie die Fernseh-Serie. Ich lernte Pokémon zum Beispiel zunächst über die Anime-Serie kennen, was mich dann zu den Sammelkarten brachte. Und auch heute sind die Karten im Handel zu finden – wer eher die Klassiker von damals sucht, kann in spezialisierten Shops wie LottiCards Pokémon Karten kaufen. Erst Jahre später machte ich dann Bekanntschaft mit den Videospielen. Die Wucht, mit der die Pokémon damals Deutschland erreichten, war gewaltig. Ich kann mich gut erinnern, wie allgegenwärtig Pokémon in diesen Jahren im alltäglichen Leben war: Kuscheltiere im Happy Meal, bedruckte Servietten, Sammelfiguren, Radiergummis und eine Menge Sticker. Überall waren die Pokémon präsent.

Die Pokémon Fernsehserie

Ich denke gerne an diese Zeiten zurück, als Animes im Fernsehen zu meiner tägliche Routine zählten – da waren unter anderem Dragon Ball, Inu Yasha, Sailor Moon und natürlich auch Pokémon. Besonders die erste Serie „Indigo-Liga“ habe ich damals verfolgt und war hellauf begeistert! Der zehnjährige Ash Ketchum erhält von Professor Eich sein erstes Pokémon: ein aufmüpfiges Pikachu. Zusammen zieht das ungleiche Paar in die Welt, um Erfahrungen zu sammeln und mehr über Pokémon zu lernen. Die Serie erzählt fortan die Geschichte von Ash und seinen Abenteuern, bei welchen er neue Freunde, fremdartige Pokémon und mit Team Rocket ikonische Widersacher trifft. Die erste Staffel orientiert sich dabei an den Editionen „Rot“ und „Blau“, wobei die später erschienene „Gelbe Edition“ wiederum an den Anime angelehnt ist. Damals dachte ich fälschlicherweise noch, dass der Anime die Grundlage für Videospiele bilden würde – dass es genau andersherum war, sollte ich erst Jahre später erfahren. Wer den Nostalgie-Trip wagen will, kann die erste Pokémon-Serie übrigens aktuell auf Netflix nachschauen.

Dargestellt ist ein Screenshot aus dem erste Pokémon Anime Indigo League. Zu sehen ist der jungte Ash, der gerade sein Pikachu erhalten hat. Pikachu weigert sich in dieser Szene in seinen Pokéball zu gehen.

Eine kleine Zeitreise: der erste Pokémon Anime Indigo League erzählt die Geschichte des jungen Ash, der mit seinem Pikachu die Welt der Pokémon entdeckt. In dieser Szene weigert sich Pikachu trotzig in seinen Pokéball zu verschwinden. [Screenshot aus dem Anime Indigo League]

Das Pokémon Sammelkartenspiel

Ich war also gebannt von der Welt, die sich hier für mich auftat: fantasievolle Kreaturen mit unterschiedlichsten Fähigkeiten und Eigenschaften, die gefangen sowie trainiert werden konnten. Kein Wunder also, dass auch das Sammelkartenspiel für mich eine echte Offenbarung war. Auf dem Pausenhof wurden seltene Karten wie Schätze vorgezeigt, doppelte Karten fleißig getauscht und ein paar Verrückte konnten sogar das eigentliche Spiel spielen (ich habe tatsächlich nur gesammelt und die Regeln nie ganz verstanden). Natürlich gab es dann auch irgendwann das obligatorische Verbot der Karten an der Grundschule, weil ein paar Langfinger wohl Karten mitgingen ließen und es den ein oder anderen Streit rund um die Karten gab – ach was waren das noch für unschuldige Zeit.

Ein echtes Highlight war es natürlich, wenn ich ein Päckchen mit neuen Karten bekam – die Lootboxen unserer Generation könnte man sagen. Aber es war fantastisch und gerne denke ich an diese puren, kindlichen Glücksgefühle zurück, wenn ich meine neuen Monster betrachtete. Mit Freude durfte ich feststellen, dass die Sammelkarten auch heute noch populär sind: alte Karten gehen zu horrenden Sammlerpreisen über den Tisch, während nach wie vor Packs ganz normal gekauft werden können. Wer gezielt nach bestimmten Editionen sucht, kann das, wie bereits Eingangs erwähnt, in spezialisierten Shops machen. Tatsächlich zählt das Pokémon Sammelkartenspiel zu den erfolgreichsten auf der Welt und wird lediglich von Magic: The Gathering in den Schatten gestellt – bis 2021 wurden weltweit über 34 Milliarden Karten verkauft. Sicherlich ein guter Grund, mich nach all der Zeit doch einmal mit den Regeln des Kartenspiels auseinanderzusetzen.

Die Pokémon Videospiele

Doch kommen wir von den Karten zum eigentlichen Ursprung der Marke: den Videospielen. Da ich als Kind auf dem Familien PC spielte und erst später einen Game Boy Advance SP bekam, hatte ich zunächst nur über Freunde Kontakt zu den Pokémon Videospielen. Auf dem Game Boy und Game Boy Color wurde in meinem damaligen Freundeskreis vor allem eines gespielt: Pokémon! Auch hier wurde fleißig gefachsimpelt und mithilfe des Nintendo „Game Link Cable“ konnten sogar Kämpfe gegeneinander geführt und seltene Pokémon getauscht werden – ein sehr cooles Feature der damaligen Game Boys, wie ich finde. Die aktuellen Editionen waren dann meist untereinander kompatibel, sodass sich zum Beispiel Besitzer von Rot und Blau verbinden konnten. Die unterschiedlichen Editionen sind dabei zwar recht ähnlich aufgebaut, haben aber eine leichte Varianz bei den verfügbaren Pokémon – um wirklich alle Pokémon zu sammeln, musste also mit einem Spieler der anderen Edition getauscht werden. Ich muss schon gestehen, dass ich durchaus beeindruckt von diesem Mehrspieler Feature bin, auch weil es so gut zum eigentlichen Spielkonzept von Pokémon passt.

Die klassischen Pokémon-Videospiele verstehen sich in der Regel als Rollenspiele, die immer einem ähnlichen Aufbau folgen: in einer zusammenhängenden Welt befinden sich Städte, die über nummerierte „Routen“ miteinander verbunden sind. Neben den Städten gibt es dann immer noch besondere Orte, die der Spieler auf seinen Reisen finden kann. Die Spieler sammeln Pokémon, wobei ein mögliches Ziel darin besteht, alle Pokémon einer Edition zu fangen und im Pokédex zu registrieren. Pokémon können unter anderem in der Spielwelt gefunden werden – dabei leben manche Pokémon nur in bestimmten Regionen. Je nach Edition spielen auch Faktoren wie die Tageszeit eine Rolle. Pokémon müssen zunächst im Kampf besiegt werden, bevor man sie fangen kann. Danach lassen sich die Pokémon trainieren, um ihre Fähigkeiten zu verbessern. Weiterhin lassen sich die meisten Pokémon weiter entwickeln, sobald sie eine bestimmte Stufe erreicht haben.

Zu sehen ist eine Collage aus drei Screenshots aus einem frühen Pokémon Spiel für den Gameboy „Edition Blau“. Der erste Screenshot zeigt die Spielfigur in der Außenwelt, wo er auf einen anderen Trainer trifft, welcher er herausfordern kann. Der nächste Screenshot zeigt den Kampf von zwei Pokémon. Der dritte Screenshot zeigt einen Dialog im Pokécenter in der Stadt.

Die Editionen „Rot“ und „Blau“ erschienen 1998 in Japan und waren die ersten Pokémon Videospiele, die wenig später auch für den europäischen Markt erschienen. Hier sind Screenshots der „Blauen“ Edition zu sehen. Der größte Unterschied zur „Roten“ Edition sind die Starter Pokémon. [Screenshots von dem Game Boy Spiel Pokémon Blue]

Neben dem Sammeln ist der Kampf zentraler Bestandteil der Spiele: wilde Pokémon können den Spieler bei der Erkundung der Welt attackieren, während andere Trainer aktiv herausgefordert werden können. Die Kämpfe laufen rundenbasiert ab, wobei die Pokémon abwechselnd ihre Fähigkeiten einsetzen. Über Sieg und Niederlage entscheidet neben dem Level auch das Wissen des Spielers über Stärken und Schwächen der Pokémon und wie er diese am besten einsetzen kann. Bei Kämpfen gegen andere Trainer geht es darum, dessen Pokémon mit den eigenen zu besiegen – neuere Editionen bieten zum Teil zusätzliche Optionen, wie die Nutzung bestimmter Items oder den Kampf mehrerer Pokémon gleichzeitig. Ist ein Kampf abgeschlossen, geht das Spiel wieder in den normalen Modus über.

Das Konzept ist so gelungen, dass sich in der Grundformel der Hauptspiele bis heute kaum etwas geändert hat. Ich war schon ein wenig überrascht, als ich im Verlauf des Studiums zahlreiche Kommilitonen traf, die sich die Zeit im Hörsaal unter anderem mit Pokémon vertrieben – tatsächlich hatte ich zuvor lange Zeit wenig Kontakt mit der Marke, doch an der Uni waren die Sammelmonster plötzlich wieder voll präsent. Gespielt wurde jetzt natürlich auf dem Nintendo DS, später dann auf der Switch.

Pokémon Go – die erweiterte Realität

2016 gelang Pokémon erneut eine beeindruckende Ausweitung des Franchise: mit Pokémon Go wurde eines der erfolgreichsten Mobile-Games geschaffen, welches als Vorreiter in Sachen „Erweiterte Realität“ und „Location-based Gaming“ ganz neue Maßstäbe setzte. Das Spiel für Smartphone und Tablet lässt den Spieler wie gewohnt Pokémon fangen, trainieren und in Kämpfen antreten. Ein zentrales Spielelement ist die Nutzung von GPS-Daten in Echtzeit, wodurch die echte Welt zur Spielwiese wird. Spieler müssen sich also mit ihrem Smartphone im Freien bewegen, um neue Pokémon zu fangen. Dafür werden die Möglichkeiten der Erweiterten Realität genutzt, sodass die Pokémon und andere Elemente der digitalen Spielwelt innerhalb der echten Welt dargestellt werden können.

Das Konzept ging auf und erlangte eine enorme Popularität. Überall auf der Welt waren Spieler begeistert und es brach ein neuer Hype rund um die Pokémon aus, die jetzt auch auf dem Smartphone für ordentlich Wirbel sorgten. Menschen trafen sich plötzlich im Stadtpark, um gemeinsam Pokémon zu sammeln, oder traten im Rahmen von größeren Events für ihr Team an, um bestimmte Vorteile zu erlangen. Das Free-to-Play Spiel finanziert sich über Ingame-Käufe, wobei Spieler mit echtem Geld PokéMünzen kaufen. Mithilfe dieser Münzen werden dann Gegenstände für das Spiel erworben.

Zu sehen sind drei Bilder zu Pokémon Go aus dem PlayStore. Die Bilder zeigen Trainer, Pokémon, das Interface des Spiels und ein Pokémon in realer Umgebung.

Pokémon Go verschmolz die bekannte Formel der Taschenmonster mit den neuen, technologischen Ansätzen der „augmented reality“ und setzte damit einen ganz neuen Trend. [Screenshot aus dem Google PlayStore]

Einer der Gründe für den erstaunlichen Erfolg von Pokémon Go ist sicherlich die gelungene Adaption der Grundformel: Spieler waren plötzlich befähigt, in der echten Welt Pokémon zu fangen und andere Trainer zu finden. Statt nur auf dem Handheld, konnte man in den Straßen der eigenen Stadt eine völlig neue Welt der Pokémon entdecken. Die Tatsache, dass einige Pokémon wie in den originalen Videospielen nur in bestimmten Regionen gefunden werden konnten, steigert die Immersion: so leben Wasser-Pokémon vor allem an Flüssen und Seen, während Geister-Pokémon eher in den Abendstunden anzutreffen sind. Durch diese Faktoren in Kombination mit der Notwendigkeit sich selbst in der Welt zu bewegen, wird eine Spielerfahrung geschaffen, die dem eigentlichen Pokémon-Konzept nicht nur entgegenkommt, sondern dieses geradezu perfekt widerspiegelt. Wenig überraschend also, dass gerade dieses „Augmented Reality“-Game so ein Erfolg wurde und seit Jahren unangefochten auf Platz eins steht, wenn es um Spiele dieser Gattung geht.

Fazit – darum ist Pokémon so erfolgreich

Es wird also deutlich: die Taschenmonster aus Japan sind auch im Jahr 2022 nicht nur präsent, sie sind extrem erfolgreich. So erfolgreich, dass das Franchise in seiner Gesamtheit eindeutig zu den populärsten überhaupt gehört und andere Größen locker in die Tasche steckt. Und das obwohl sich an der Grundformel so gut wie nichts geändert hat. Dafür wird das Universum beständig erweitert, sodass es immer neues zu entdecken gibt. Zwar finde ich die klassischen Pokémon der ersten Editionen am besten, beobachte aber mit einer gewissen Faszination, wie sich die Vielfalt der Monster in den letzten Jahrzehnten vergrößert hat. Der Erfolg von Pokémon Go ist zudem beeindruckend und beweist, wie geschickt sich das Franchise neu erfinden kann, ohne seine eigentlichen Wurzeln zu verlieren. Ein Aspekt, der andere große Marken über die Zeit oft ins Straucheln bringt.

Ich hätte währenddessen wohl nie daran gedacht, dass diese bunten Kreaturen meiner Kindheit mich so lange begleiten würden. Stattdessen entdeckte ich ein geliebtes Universum neu, welches ich zwischenzeitlich wohl fast vergessen hätte. Doch Pokémon schafft es zu begeistern – damals wie heute. Und irgendwie versetzt mich dieses Franchise zurück in meine Kindheit, eine Leistung, die ich nur sehr selten wahrnehme.

Doch wie sieht es bei Euch aus: habt Ihr einen Bezug zu Pokémon, oder ist die Marke eher an Euch vorbeigegangen? Ich bin sicher, jeder hat eine ganz eigene Beziehung zu den japanischen Monstern – ich bin wohl gerade dabei, mich wieder in diesem Universum zu verlieren, doch wie sieht es bei Euch aus?

Johann von Ti
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