Enderal – Viel besser als Skyrim

In den letzten Jahren habe ich viel an Skyrim gemeckert – Enderal macht das alles besser!

Wenn ich in den letzten Jahren über Rollenspiele und besonders Skyrim geschrieben habe, war meine größte Kritik der Verlust von starken Storys zugunsten von größeren Open-Worlds. Das Problem dieser Entwicklung war, dass viele Rollenspiele zwar große Welten boten, aber keine „Seele“ in sich trugen. Skyrim war für mich wie eine tote Welt, in der leere Hüllen stehen, die mich beschäftigen sollen. Jeder Quest, jeder Charakter – Alles wirkte wie schlecht zusammengebastelt. Die Missionen standen meist für sich allein, gliederten sich nicht die Welt selbst ein, waren halt da. Und auch sonst wirkte alles sehr steril, Dörfer, Städte und Höfe waren nicht „organisch“. Alles war nur dafür da, um uns eine Welt vorzugaukeln, in der wir dann den großen Helden spielen konnten. Mir ist klar, dass das im Grunde alle Rollenspiele so handhaben, aber wenn man es jede Sekunde spürt, scheint was falsch zu laufen. Ich für meinen Teil habe mich nie in der Welt von Skyrim verloren und auch nicht heimisch gefühlt. Doch es gibt da eine Modifikation, die irgendwie alles besser macht!

Enderal – Tolle Welt

Keine Seelenlose Welt

Enderal hat bis auf die technische Grundlage wenig mit Skyrim gemein. Das Konzept ist völlig anders angesetzt und tauscht eine Seelenlose Open-World gegen einen fiktiven Kontinent, den es zu erkunden gilt. Dabei gelingt es den Moddern ganz besonders meine Kritikpunkte an Skyrim auszumerzen, denn an allen Ecken von Enderal spüre ich, dass es sich hier um eine lebendige, fremdartige Welt handelt. Wenn ich Nebenquests erhalte, machen diese Sinn und haben Ihren Platz in der Welt – Ein Kind findet eine Schatulle am Strand und bittet um unsere Mithilfe, eine Händlerin wurde bestohlen und bietet Finderlohn und ein paar Anwohner sind von dem Geheul eines Trolls verunsichert und wollen Ihn Tot sehen. Es macht nicht nur Spaß auszuhelfen, es macht vor allem Sinn, was ich an den kleinen Nebenquests in Skyrim immer vermisst hatte. Ich erinnere noch mal gerne an den Abenteurer, der in einer Spinnengrube sein Schwert verloren hat und uns zum suchen schickt. Das Schwert ist natürlich nur zu finden, wenn wir die gesamte Höhle Ausräuchern und zig Spinnen und andere Monster abschlachten. Am Ende finden wir tief im Höhlensystem ein einfaches Schwert, welches man überall in der Welt kaufen und finden kann und erhalten ca. 20 Gold, womit wir uns im Grunde nichts kaufen können – Da kommt Atmosphäre auf… nicht. Doch Enderal macht das genau andersherum und das macht so viel Spaß!

Enderal – Neue Wesen

Der Rote Faden mit passender Welt

Weiterhin setzt Enderal auf den Roten Faden in der Story, der uns Stück für Stück tiefer in die Welt zieht, ohne dabei an Spannung zu verlieren. Extreme Wendungen sind an der Tagesordnung und „Whats the Fuck!“ Momenten nicht selten. Dabei wird der Bogen aber nicht überspannt, man wird eher unbewusst in ein großes Abenteuer verstrickt, aus dem man plötzlich gar nicht so leicht herauskommt. Und neben der tollen Story und der Hintergrundgeschichte selbst, ist die Darstellung der Welt in meinen Augen wunderschön. Zunächst sorgen verschiedene Klima-Zonen für tolle Abwechslung, gleichzeitig sind alle Zonen fantastisch dargestellt und glänzen mit Details und satten Farben. Skyrim war für mich immer grau in grau, Enderal setzt in seiner Start-Umgebung zum Beispiel auf satte, grüne Wiesen, die unter anderem mit roten Sträuchern durchsetzt sind. Dieses einfache Mittel schafft es aber, sehr lebendige Wiesen zu schaffen – Was mir, so blöd das klingen mag, sehr gefallen hat. Aber auch sonst gibt es tolle Wälder, schöne Bäche und Flüsse, atmosphärische Strände, schneebedeckte Gipfel, trockene Wüsten und vieles mehr. Weiterhin findet man überall in der Welt kleine Lager von Reisenden oder Banditen, die so natürlich wirken, als wenn man selbst seine Zelte dort aufgeschlagen hätte. Es glimmen kleine Lagerfeuer, auf einem Stock wurde ein Fisch aufgehangen um ihn auszunehmen und auf einem Hochstand hält einer Bogenschütze Wache. Alles Merkmale die die Tatsache unterstrichen, dass hier zu keiner Zeit ein Zufallsgenerator für die Erstellung der Welt zuständig war, sondern hinter jedem Felsen und jedem Strauch die Entscheidung eines Menschen steckt – Einfach toll, diese Welten dann zu erkunden.

Enderal – Ein Lager

Da hört man gerne wieder zu

Was auch sensationell gut ist: Die Sprachausgabe als auch das Design der Dialoge ist umwerfend gut. Tolle Sprecher mit einer guten Vertonung sorgen dafür, dass man wieder gerne zuhört, wenn ein Charakter der Welt seine Geschichte erzählt, während zur gleichen Zeit die Inhalte der Dialoge gut umgesetzt sind. Tatsächlich scheint jede Figur ganz eigene Vorstellungen von der Welt zu haben und lässt uns das auch gerne mal spüren. Ob wir nun einen völlig abgehobenen Schauspieler treffen oder einen konservativen Priester – Immer wirkt es sehr authentisch und man kann nachvollziehen, warum eine Person bestimmte Dinge sagt und tut. Weiterhin hat man als „Held“ tolle Möglichkeiten mit seiner Umwelt zu interagieren und ziemlich coole Unterhaltungen führen, in welchen wir entscheiden ob wir ein mitfühlender Gutmensch sind, oder doch den gewissenlosen Draufgänger mimen, der für einen Sack voll Gold seine eigene Mutter verkaufen würde. Allein diese Möglichkeit in einem Dialog zu erhalten, und so seinen Gegenüber verärgern zu können, ist großartig, weil man es eben auch ganz anders handhaben kann. Weiterhin ist manchmal nicht klar, was der Gegenüber hören will, sodass man in manchen Situationen damit beginnt, vorsichtig abzuwägen, wie weit man dem anderen in der Welt vertrauen kann und wie offen man mit ihm spricht. Das ist so verdammt cool und ich habe solche Spiele so sehr vermiss – Ich freue mich, jetzt weitere Abenteuer in Enderal zu erleben, denn ich habe erst Angefangen, diese Welt für mich zu entdecken und dürste nach weiteren Ausflügen!

Johann von Ti
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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, Filme und blöde Ideen zu haben. Nebenher auch noch Student in Medien und Geschichte.
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