Physik in der virtuellen Realität

Auch der virtuelle Apfel sollte vom Baum fallen!

Beim testen der HTC Vive ist mir besonders ein Faktor aufgefallen, der einen wichtigen Stellenwert in einer virtuellen Welt einnimmt: Die Physik. Damit ist gemeint, dass im Spiel errechnet wird, wie sich ein Gegenstand auch in der realen Welt verhalten würde. Die Physik ist schon in regulären Videospielen wichtig und wird besonders in Rollenspielen als auch auf Physik ausgelegten Rätsel in diversen Genres wichtig. In der virtuellen Realität sorgt eine passende und vor allem funktionieren Physik für einen ungemeinen anstieg der Authentizität der dargestellten Welt. Heben wir in der einer solchen Welt also einen Gegenstand auf, dann will man diesen auch werfen können und vielleicht sogar wieder auffangen. Tatsächlich erfüllt der viel belächelte Job Simulator genau diese Anforderungen, sodass wir sogar versuchen könnten, zu jonglieren (was vermutlich nicht funktionieren würde, aber immerhin). Weiterhin wird das Gefühl einer echten Physik durch die Controller selbst unterstützt, die in diversen Spielen Rückmeldung geben, wenn wir Gegenstände berühren oder sie wegstoßen. Die leichten Vibrationen an den betreffenden Stellen der Controller machen das ganze sehr „plastisch“ für den Nutzer, sodass ein echtes Hochgefühl aufkommt.

Portal - Physik in VR Games

Physik als atmosphärisches Mittel

Denn tatsächlich macht es viel aus, wenn eine Physik existiert, oder diese ehe vernachlässigt wurde. In der kostenfreien Portal 2 Mod Portal Stories: VR gibt es durchaus physikalische Ansätze, sogar viele die ins Gameplay eingreifen und recht typisch für das Universum Portal sind: Wir legen Kästen auf Druckplatten, betätigen Schalter und brechen Laser, um dieser umzuleiten. Aber haben wir einen Gegenstand im Fokus, bewegen ihn also, und wollen ihn werfen, ist dies nicht möglich. Sobald das Signal zum halten über den Controller wegfällt, fällt der Gegenstand ohne Erbarmen zu Boden, auch wenn wir zu besten Weitwürfen ausholen. Natürlich kann das ganze Ingame mit der Mechanik der eingesetzten „Strahlen“ Kanone erklärt werden, die Gegenstände zwar bewegen, aber eher weniger werfen kann. Doch geht es mir weniger um die Authentizität der Spielwelt an sich, als dem Gefühl in einer echten Welt zu sein. Im schon erwähnten Job Simulator wird die Physik zwar eher sehr spielerisch angegangen, aber das macht einen super Eindruck. Bürogegenstände nach seinen Kollegen werfen, als Koch verschiedenste Gegenstände in den Mixer hauen oder als Mechaniker in Karosserie eines Autos schrauben. Je mehr möglichst komplexe Interaktionen eine Welt bietet, versehen mit passender physikalischer Untermalung, desto schneller greift der Spieltrieb im Konsumenten. Sobald man merkt, dass bestimmte Dinge in der virtuellen Welt möglich sind, probiert man diese auszuschöpfen: Wann bricht ein Feuer am Herd aus, wie weit kann ich den Ball werfen und so weiter.

Job Simulator - Physik im Büro

Langeweile im Büro? Im Job Simulator wefen wir dann auch mal ein paar Dinge.

Physik als Spielelement

Titel wir Fantastic Contraption gehen sogar noch weiter und setzen ein physikalisches Baukonzept als zentrales Spielelement ein. In der virtuellen Realität macht das sogar weit mehr Sinn als in einem regulären Spiel, weil man als Konstrukteur tatsächlich Hand an seine Werke legt. Auch hier eine bunte, kindliche und eben verspielte Aufmachung, aber in Zukunft schweben mir da noch ganz andere Szenarien und Umsetzungen vor. Der Bau von schweren Belagerungswaffen oder ein VR-Version von Ballerburg. Die Möglichkeiten sind umfangreich und mit einer guten Physik bieten sich ganz neue Auslegungen bekannter Spielkonzepte. Sportspiele würde mit der VR weit mehr Sinn machen, diverse Rollenspiele könnten mit einer guten Umsetzung von Bewegung und ein Kampfsystem extrem bereichert werden. Man stelle sich vor, man würde durch die Welt von Oblivion streifen und tatsächlich durch die große Kaiserstadt laufen und Tavernen besuchen – Cooler Gedanke.

Fantastic Contraption - Physik als Spielelement

In Fantastic Contraption bauen wir verrückte Konstrukte!

So oder so: Die Physik ist auch in der VR wichtig, vielleicht sogar wichtiger, weil sie durch die nähe zur digitalen Welt eine größere Rolle einnimmt. Das greifen, werfen und fallen lassen macht Sinn, wenn man tatsächlich zugreifen kann. Neben der Bewegungsmechanik ist eben auch die Physik ein wichtiger Eckpfeiler für eine geniale Erfahrung in der virtuellen Realität.

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Johann von Ti

Blogger aus Leidenschaft, seit 2011 aktiv in der Szene unterwegs und immer für gute Games, Filme und blöde Ideen zu haben. Nebenher auch noch Student in Medien und Geschichte.
Johann von Ti
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